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Juni 17, 2025

Neil Young Hearse Mort 1965 Blindriver
Am 18. Juni starten Neil Young und seine neue Band "The Chrome Hearts" in Schweden ihre "Love Earth"-Tour. Doch die lange Erfolgsgeschichte des inzwischen 79-Jährigen und den Namen seiner Band gäbe es vermutlich gar nicht, wäre es vor genau 60 Jahren nicht zu einer legendären Autopanne mit einem Leichenwagen gekommen. Anlass genug, noch einmal an ein Ereignis zu erinnern, das zu einem bedeutenden Wendepunkt in Youngs Karriere wurde.

Im Jahr 1965 verbrachte der damals 20-jährige Neil Young mit seiner Band "The Squires" mehrere Monate in Fort William (heute Thunder Bay), einer betriebsamen kanadischen Industriestadt am Lake Superior. Mit Auftritten in kleinen Clubs wie dem "4-D Coffeehouse" oder dem "Flamingo" erspielten sie sich eine lokale Fangemeinde. Die Bandmitglieder – Neil Young an der Gitarre, Bassist Ken Koblun und Schlagzeuger Bob Clark – waren begierig darauf, sich musikalisch weiterzuentwickeln, und knüpften Kontakte zur lebendigen lokalen Musikszene. Dazu zählten Musiker wie Terry Erickson, der die "Squires" an Gitarre und Bass unterstützte und zeitweise offizielles Bandmitglied wurde, sowie Tom Horricks und Donny Brown von der lokal bekannten Band "Donny B and The Bonnvilles".

Im April 1965 kam es zu einer besonders prägenden Begegnung, als Neil Young und die "Squires" im "4-D Coffeehouse" Stephen Stills und dessen Band "The Company" live erlebten. Stills' charismatische Interpretation des Folksongs "High Flying Bird" von Billy Edd Wheeler begeisterte Young und seine Mitmusiker so sehr, dass sie nicht nur bald ihre eigene Version des Liedes spielten, sondern sich auch mit dem talentierten Stills anfreundeten. Diese musikalischen Einflüsse und die wachsende Ambition führten dazu, dass die Band sich in "The High Flying Birds" umbenannte – inspiriert von ebendiesem Song – und am 16. Juni 1965 im Nachmittagsprogramm ihr letztes Konzert im "4-D Coffeehouse" gab. [Weiter: Aufbruch zur Weltkarriere ...]

August 26, 2015


Neil Young Gibson B-25-12 acoustic 12-string

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Dezember 24, 2012

"Es begab sich aber zu der Zeit ..." - So beginnt bekanntlich die biblische Weihnachtsgeschichte. Das Bild des umherwandernden, einsames Paares, das allein in der Fremde Unterkunft und Hilfe sucht, gehört seither ebenso zu den klassischen Weihnachsmythen, wie der selbstlose Helfer, der einsamen Menschen Herberge und Essen gibt.

Ein solche rührende Geschichte findet sich überraschend auch in Neil Youngs kanadischer Vergangenheit. Noch dazu verbindet ihn diese Weihnachtsgeschichte mit einem anderen kanadischen Star der Musikgeschichte: Joni Mitchell. Die Geschichte ereignete sich Mitte der 1960er Jahre im verschneiten weihnachtlichen Winnipeg:

Dezember 02, 2012

(c) Guitar Auctions
National 1133 Resonator
Foto (c) Guitar Auctions
"Rusted Moon" hat in der Vergangenheit schon mehrfach über Neil Young und dessen Hang zu exotischen Gitarren berichtet. Von der elektrischen Sitar über eine Fiberglas-Gitarre, kuriose elektro-akustische Hybriden bis hin zu Kindergitarren - in regelmäßigen Abständen taucht Neil Young mit recht sonderlichen Instrumenten auf der Bühne auf.

Eine Entdeckung belegt jetzt: Der Ursprung dieser Liebe zu ungewöhnlichen Gitarren könnte im Sommer 1965 liegen. Jenem Sommer, der ohnehin eine wichtige Wegscheide in Neil Youngs Karriere war.

Damals setzte er sich mit seinem Leichenwagen Mort von seiner Band „The Squires“ ab, mit der er von April bis Juni 1965 in Fort William, Ontario, gastierte. Mit an Bord war auch ein seltsames Instrument. Die Reise endete bekanntlich mit Getriebeschaden in Blind River, von wo sich Neil Young mit Kumpel Terry Erickson per Motorrad bis nach Toronto durchschlug. Spätestens dort überließ ihm Erickson eine Gitarre, die wohl der erste Exot in Neil Youngs Sammlung war: Eine "National Student 1133 Resonator".

September 08, 2012

Neil Young, Bob Dylan, La Bamba
"Twisted Road" gehört zu den neuen Songs, die Neil Young & Crazy Horse im August zum Auftakt der Tour 2012 vorstellten. Möglicherweise wird er im Oktober auch auf dem neuen Album "Psychedelic Pill" erscheinen. In dem Song geht es um nicht weniger als Musikgeschichte: Neil Young besingt seine Musikerkollegen Bob Dylan, The Greatful Dead, Roy Orbison und wie deren Musik ihn selber beeinflusst hat.

Gleich in der ersten Strophe erinnert sich Neil Young, wie er zum ersten Mal Bob Dylans berühmten Song "Like A Rolling Stone" hörte, wie beeindruckt er davon war, wie er diese Eindrücke mit nach Hause nahm, den Song abänderte und selber spielte. Aber nichts, so singt Neil Young, komme an das Erlebnis beim allerersten Hören heran. "Like A Rolling Stone" gehört nicht ohne Grund zu den einflussreichsten Rocksongs aller Zeiten.

Rollende Steine in der wackeligen Scheune

Die Dylan-Episode in "Twisted Road" führt zurück in Neil Youngs erfolglose Zeit in Toronto von Sommer 1965 bis März 1966. Genau in dieser Zeit erschien auch Bob Dylans "Like A Rolling Stone": Die Single kam im Juli 1965 heraus. Das Album "Highway 61 Revisited" folgte Ende August. Live spielte Bob Dylan den Song erstmals auf dem Newport Folk Festival am 25. Juli 1965.

Neil Young war bereits 1963 in Winnipeg erstmals mit Bob Dylans Musik in Kontakt gekommen, bewunderte den Amerikaner wegen dessen Gitarrenspiels und seiner besonderen Stimme. Später, 1965 in Toronto, übernahm er einige von dessen akustischen Songs für sein eigenes Folk-Soloprogramm, mit dem er im Winter 1965 erfolglos durch Torontos Coffehouses tingelte.

Juli 21, 2012

Auf der Facebookseite des aus dem Elsass stammenden kanadischen Fotografen Manfred Buchheit sind drei bislang unbekannte Fotos aufgetaucht. Die sensationellen Aufnahmen zeigen Neil Young im Riverboat Coffeehouse in Toronto im Jahr 1965. Neil Young versuchte sich damals erfolglos als Folksänger. Fotos aus dieser Zeit sind extrem selten. 

Auffällig ist vor allem die akustische Gitarre - vermutlich eine Guild F-50. Bislang war aus dieser Periode nur eine 12-saitige Gibson bekannt. Neil Young selber sprach in einem Interview auch mal von einer Martin D-18.

Jacques-Eric Legard hat die Fotos auf seinen Blog "Purple Words On A Grey Background" gestellt.

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Juli 06, 2012

Front 1948 Buick Roadmaster Hearse
1948er Buick Roadmaster
"Mort" lebt - und zwar in England! Jedenfalls wird dort gerade ein Zwilling von Neil Youngs altem Leichenwagen aufwendig restauriert. "Mort 3" soll Ende nächsten Jahres fertig und im Jahr darauf auch zu mieten sein - ziemlich genau 50 Jahre, nachdem Neil Young seinen Wagen in Winnipeg kaufte. 

Es handelt sich technisch um fast den gleichen 1948er Buick Roadmaster Hearse, den Neil Young 1964 bis 1965 als Bandwagen mit "The Squires" nutzte. Einzige Unterschiede: Der Zwilling besitzt ein automatisches Getriebe und war weiß überlackiert. Neil Youngs Buick dagegen war bekanntlich schwarz und hatte ein manuelles 3-Gang-Getriebe.

Der Defekt eben jenes Getriebes sorgte dann für das unrühmliche Ende von "Mort" im kleinen Ort Blind River in Ontario. Dort ließ der kanadische Musiker nicht nur den fahruntüchtigen Wagen, sondern gleich sein bisheriges Musikerleben zurück, um in Toronto ganz neu anzufangen. Der Getriebeschaden von "Mort" war einer der wichtigsten Wendepunkte in der Karriere von Neil Young. Der hat dem Ereignis später im Song "Long May You Run" ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Mai 11, 2012

1948 Buick Hearse
Die Folksongs des kommenden Albums „Americana“ sind eng mit Neil Youngs musikalischer Frühzeit in Winnipeg und Fort William verknüpft. Mit seiner damaligen Band „The Squires“ hatte Neil Young in den Jahren 1964 und 1965 viele der Songs auf den kleine Bühnen der lokalen Clubs und Coffeehouses gespielt. Das Album ist auf seine Art also auch eine „Journey through the Past“. 

„Under The Rusted Moon“ hat bereits über den Song „Oh Susannah und seine Verbindungen zur Periode der „Squires“ berichtet. Im Artikel „Clementine – Requiem für Danny Whitten“ ging es sogar um eine Spur, die über die kanadische Zeit mit den „Squires“ hinaus nach Kalifornien führt. In „High Flyin‘ Bird – Neil Young hebt ab“ stand ein Song im Mittelpunkt, der die Verbindung zu Stephen Stills herstellt. Neil Young hatte den Song nämlich im April 1965 in Fort William von Stephen Stills damaliger Band gehört.

Tom Horricks
Tom Horricks
High Flyin‘ Bird“ bildet aber auch noch eine andere Brücke in Neil Youngs frühe kanadischen Jahre: Der Song steht ebenfalls in enger Verbindung mit einer weiteren Legende jener Zeit: dem 1948er Buick Leichenwagen „Mort“ und dessen Zusammenbruch in Ironbridge nahe dem Ort Blind River. Neil Young hat diese Episode später im Song „Long May You Run“ musikalisch verarbeitet.

Damals war auch ein Passagier an Bord von Mort, der nur ein Jahr später - im Sommer 1966 - den Song "High Flyin' Bird" als Single aufnahm: Tom Horricks.

Hier nun alles über den geheimnisvollen Passagier und die erstaunlichen Verbindungen zu Neil Young, den "Squires" und dem Song auf "Americana":

April 13, 2012

Oh My Darling Clementine
Der Folk-Standard „Clementine“ gehört neben "Oh Susannah" und „High Flyin’ Bird“ zu den biographisch interessantesten Songs des neuen „Americana“-Albums von Neil Young  & Crazy Horse. „Rusted Moon“ hatte bereits in „High Flyin’ Bird – Neil Young hebt ab“ ausführlich die Verbindung zu Neil Youngs Band „The Squires“ und zu Stephen Stills beschrieben. 

Diesmal steht mit „Clementine“ ein Song im Mittelpunkt, der wahrscheinlich zu den allerersten Liedern gehört, die der Musiker Neil Young überhaupt je auf einem Instrument gespielt hat. 

Hier nun Alles rund um diesen traditionellen Folksong, der nicht nur am Anfang von Youngs Musikerlaufbahn, sondern auch im Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel seiner Karriere stand.

März 21, 2012

Die Ankündigung des „Americana“-Albums von "Neil Young & Crazy Horse" rückt ein paar alte Folksongs in den Fokus, deren Hintergrund weit über das rein Musikalische hinausgeht. Viele der jetzt neu aufgenommen Songs sind nämlich ganz eng mit der persönlichen Geschichte Neil Youngs verbunden. Sie reichen weit zurück in jene Zeit, als der Kanadier mit ersten Bands in Winnipeg erste Erfahrungen sammelte.

Mit dem Song „Oh Susannah“, den Neil Young zusammen mit Dave Matthews beim letzten Bridge-School-Benefit 2011 in einer schrägen Akustikfassung präsentierte, wurde die überraschende Hinwendung zu alten Folk-Wurzeln deutlich. „Oh Susannah“ gehörte schon zum Repertoire jener Folksongs, die „Neil Young and The Squires“ 1964 und 1965 spielten. Damals vollzog die Band eine Wandlung – weg von den alten Instrumentals im Stil der Shadows, hin zu einer noch unbestimmten Mischung aus Folk und früher Rockmusik.

Neben „Oh Susannah“ wurzeln auch die Songs „High Flyin' Bird“, „Tom Dooley“ und „Gotto Travel On“ in jener frühen Phase, als Neil Young und seine Band in Winnipeg, Fort William (heute Thunder Bay) und Churchill die ersten Schritte als professionelle Musiker machten. Vor allem „High Flyin' Bird“ hat eine Geschichte, in der viele Aspekte von Neil Youngs musikalischem Werdegang wie in einem Brennglas deutlich werden:

März 07, 2012

Neil Youngs „Orange Periode“, in der er ausschließlich seine im September 1963 gekaufte Gretsch „Chet Atkins“ spielte, ging im Herbst 1965 in Toronto zu Ende. Nach Toronto, seiner Geburtsstadt und Wohnort seines Vaters Scott, war Neil Young im Sommer 1965 gekommen. Von seiner Band „The Squires“ waren nur noch Bassist Ken Koblun und Schlagzeuger Bob Clark übrig, der aber auch nach wenigen Tagen das Handtuch warf. Mit neuen Bandmitgliedern als Ersatz, versuchten Neil Young und Ken Koblun dann erfolglos, die damals noch streng in Rock und Folk aufgeteilte Musikszene von Toronto zu erobern. Die Bemühungen von Mangager Martin Onrot, der inzwischen in „Four To Go“ umbenannten Band Auftritte zu verschaffen, waren aber vergeblich.

Neil Young's twelve string guitar
Frustriert vom ausbleibenden Erfolg und beeinflusst durch neue Bekanntschaften aus der kanadischen Folk-Szene, wagte Neil Young schließlich den Schritt zum Solokünstler. Seine orangefarbene elektrische Gretsch 6120 Gitarre erschien Young dazu aber eher unpassend. Am Folk orientierte Liedermacher wie Phil Ochs und Gordon Lightfoot, die Neil Young zu dieser Zeit bewunderte, spielten alle auf akustischen Instrumenten. Auch Bob Dylan, der 1965 auf dem Newport-Festival zwar erstmals elektrisch spielte, wurde von Neil Young vor allem wegen dessen Akustikspiels bewundert.

English Version
english version
Also verkaufte er die geliebte Gretsch vermutlich im November 1965 in einem Laden in Toronto. Für das neue Kapitel in seiner Musikerkarriere wollte Neil Young jetzt ebenfalls akustische Saiten aufziehen. Dieses Kapitel liegt bis heute aber noch weitgehend im Dunkel. Wechselte er gleich auf eine 12–saitige Gitarre oder auf eine der üblichen 6-saitigen Akustikgitarren? Oder hatte er sogar beide Varianten zeitgleich im Einsatz? Waren es somit in Summe gar 18 Saiten, die für die restliche Zeit in Kanada und bis zur Übersiedlung nach Kalifornien im März 1966 unter Youngs Plektrum erklingen sollten?

„Aktenzeichen NY ungelöst“ und „CSI: NY“ gehen in dieser Folge dem Rätsel auf den Grund:

Dezember 22, 2011

"I'm dreaming of a White Christmas" - Ein kitschiger Weihnachtsklassiker, der in diesen Tagen oft erklingt. Ob auch Neil Young von einer weissen Weihnacht träumt, dürfte eher fraglich sein. Der gebürtige Kanadier hat in seiner nördlichen Heimat genug Schnee und Kälte erlebt. Er bevorzugt im Winter Kalifornien oder Hawaii.

Hudson Hotel in Churchill, Manitoba
Seltenes Fotodokument: Hudson Hotel in Churchill, 1971
(CREDIT: NWT Archives/Northwest Territories.
Dept. ofInformation fonds/G-1979-023: 0842)
Neil Youngs musikalische Frühzeit aber ist reich an Anekdoten und abenteuerlichen Wintergeschichten. Mit seiner Band, "The Squires", trat der Musiker in vielen Orten und entlegenen Nestern in den Weiten Kanadas auf. Meist hielten sich die Entfernungen aber in Grenzen - jedenfalls für kanadische Verhältnisse. Mit dem Zug, Mutter Rassys Kleinwagen, Autos von Kumpeln oder später Neil Youngs altem Leichenwagen ging es seit Anfang 1963 zu den Auftritten rund um Winnipeg. Im langen kanadischen Winter war das oft kein Vergnügen.

Den wohl weitesten und abenteuerlichsten Trip machten "Neil Young and the Squires" aber im April 1965: Für eine Woche ging es in das eiskalte und tief verschneite Churchill, hoch im Norden Manitobas. Die Fahrt mit dem Zug von Winnipeg nach Churchill ging über 1.700 Kilometer. Die Strecke hat über 80 Stationen und eine Fahrt dauert auch heute noch zwei volle Tage. In dem entlegenen Nest an der Hudson Bay, im Permafrost der kanadischen Tundra, spielten  "Neil Young and the Squires" vom 8. bis 14. April 1965 im örtlichen Hudson Hotel.

In der von "Squires"-Bassist Ken Koblun penibel geführten Gig-Liste ist außer den sieben Auftritten im Hudson Hotel auch noch ein Gig im örtlichen Navy Club verzeichnet. Am 11. April, einem Samstag, traten die "Squires" also gleich zwei Mal auf. Das brachte ihnen laut Kobluns Liste zusätzliche 30 kanadische Dollar Gage ein. Für die sieben Auftritte im Hudson Hotel erhielt die Band insgesamt 150 Dollars.

Dezember 02, 2011

Framus 9-stringDas Jahr 1965 gehört eindeutig zu den wichtigsten Jahren in der Karriere von Neil Young. Viele Weichenstellungen, die die Entwicklung des damals 20-jährigen Gitarristen, Sängers und Songschreibers beeinflussten, erfolgten 1965. Es war das erste Jahr, in dem sich Neil Young als professioneller Musiker durchschlug.

Erst wenige Monate zuvor, im Sommer 1964, fasste er den Entschluss, die Schule in Winnipeg zu schmeißen und sich ausschließlich der Musik zu widmen. Nach einem ersten Versuch mit Auftritten im „Flamingo“ Club in Fort William, kehrte Neil Young mit seiner damaligen Band „The Squires“ im April 1965 in die Industriestadt am Lake Superior zurück, um endgültig ein Leben als Rockmusiker zu führen. Im Verlauf des Jahres 1965 sollte er später mit Stephen Stills und Joni Mitchell auch anderen Musikern begegnen, die seine künstlerische Entwicklung und ein weiteres Leben maßgeblich prägten.
Terry Erickson und Neil Young
Terry Erickson und Neil Young 1983 

Dieses Leben bestand zunächst aus profanen Auftritten im örtlichen „4-D Coffehouse“, in anderen Kneipen oder bei Tanzveranstaltungen an High Schools. Gewohnt wurde in billigen Hotels oder in Jugendclubheimen, das Essen war oft nicht mehr als eine Handvoll Cracker. Zur Band gehörten damals neben Neil Young, der Bassist Ken Koblun, Schlagzeuger Bob Clark und zeitweilig ein gewisser Terry Erickson aus Fort William (heute Thunder Bay), der Gitarre und Bass spielen konnte und auch beide Instrumente sowie einen Verstärker besaß.

Über eines dieser Instrumente, eine 9-saitige deutsche Framus Gitarre, gibt es eine erstaunliche Geschichte zu erzählen:

November 26, 2011

Fotomontage aus Einzelteilen
des Videos (siehe unten)
Poster aus Neil Youngs Anfangsjahren sind selten. Poster aus der Zeit der „Squires“ sind noch viel seltener. Doch jetzt ist ausgerechnet bei YouTube ein Poster aufgetaucht, das für ein Konzert von „Neil Young and the Squires“ am 14. Mai 1965 wirbt. 

Auf dem Bild rechts ist eine Fotomontage dieses gelben, arg zerrupften Veranstaltungsplakats zu sehen, über das im Video nur in Ausschnitten geschwenkt wird. Das Video (am Ende des Artikels) haben die Geschwister Natalie and Ronnie Pollock aus Winnipeg ins Netz gestellt. Es illustriert ihren Song "Saturday Night", den die beiden schon in den 80er Jahren aufgenommen hatten.

Natalie Pollock ist ein schillerndes Mitglied der kulturellen und politischen Alternativszene in Winnipeg. Zusammen mit ihrem Bruder trat sie in den 60er und 70er Jahren als Duo "Ron and Natalie O'Hara" auf. Sie arbeitete dann als Fußpflegerin und produzierte mehrere Jahre eine schräge Off-Beat Talk-Show im lokalen Kabel-TV. Als unabhängige Kandidatin trat sie auch mehrmals bei den Bürgermeisterwahlen in Winnipeg an. 

Das gelbe Poster aus Pollocks Fundus kündigt mit schwarzer Schrift einen „U.M.S.U. Dance featuring ‚Neil Young and the Squires’ plus ‚The Crecsendos’“ an. Die Abkürzung „U.M.S.U.“ steht für „University of Manitoba Students' Union“, der Studentenvereinigung der Universität von Winnipeg. Vom Datum ist die letzte Ziffer der Jahreszahl abgerissen. Aber nur im Jahr 1965 fiel der 14. Mai auf einen Freitag. Die Tanzveranstaltung sollte von 20:30 Uhr bis 01:00 morgens gehen. Der Eintrittpreis betrug laut Poster 1 Dollar oder reduziert 75 Cent. Die Voraussetzung für den reduzierten Eintritt ist leider nicht mehr lesbar.

Oktober 30, 2011

Foto Jack Bawden ©2010
Der Folk-Gitarrist David Rea ist am 27. Oktober im Alter von 65 Jahren in Portland, Oregon gestorben. Rea hat zahlreiche Solo-Alben veröffentlicht und spielte in den 60er Jahren in Kanada für Gordon Lightfood und Ian & Sylvia Tyson. Er begleitete Joni Mitchell auf dem Mariposa Folk-Festival und ergänzte als Gitarrist das Allen-Ward-Trio.

Craig Allen und David Rea
Craig Allen und David Rea
Zusammen mit dem Gitarristen des Allen-Ward-Trios, Craig Allen hat David Rea Ende 1965 in Toronto Neil Young einige Tricks für die Folk-Gitarre gezeigt. In seiner Biographie "Shakey" erinnert sich Neil Young an David Rea als großartigen Gitarristen, der ihm "Fingerpicking" und das Spiel mit "Open Tunings" beibrachte.
"'I believe I was the first person to show Neil the open-D tuning,' said Rea." (Shakey, 2003)
Auch seine ersten Erfahrungen mit Haschisch machte Neil Young zusammen mit David Rea und Craig Allen in Reas Apartment in Toronto. Dieses Erlebnis schilderte Neil Young später auch im Song "Hitchhiker".
"That's where I got high the first time. In David Rea's apartment, with some members of the Allen Ward Trio." (Shakey, 2003)
Von David Rea stammte zudem die 12-saitige Gibson-Akustikgitarre, mit der Neil Young Ende 1965 seine Solo-Gigs in den Folk-Kneipen von Toronto absolvierte. In einem Interview mit einem Gitarrenmagazin erzählte Young, er habe sich die Gitarre damals von David Rea geliehen.

Oktober 28, 2011

Von allen Bands, in denen Neil Young zu Beginn seiner langen Karriere spielte, war wohl "Four To Go" die mit Abstand erfolgloseste. In dem knappen Vierteljahr ihrer Existenz hatten sie nur einen einzigen Auftritt. Das gilt zwar auch für Neil Youngs erste Band "The Jades", aber da waren alle Mitglieder ja noch Teenager. Mit "Four To Go" dagegen, wollte der damals 20-jährige Neil Young als richtiger Profimusiker in Toronto Erfolg haben.

Die Band hatte mit Martin Onrot sogar einen Manager. Der konnte zwar anderen Künstlern zu Auftritten und Plattenaufnahmen verhelfen, bei "Four To Go" bleiben jedoch alle Bemühungen erfolglos. Fast alle! Denn ein einziges Mal, am Vorabend von Allerheiligen, am 31. Oktober 1965, sollte "Four To Go" doch noch auf einer richtigen Bühne und vor Publikum stehen.

Halloween-Party 2011
Allerdings stand der Aufritt in einer für den Aprés-Ski-umgebauten Scheune im Ski-Gebiet von Killington im US-Bundesstaat Vermont statt. Der Gig im sogenannten "Wobbly Barn" stand unter einem ebenso schlechten Stern wie die gesamte "Karriere" dieser unglücklichen Band.

Am 29. Oktober 2011 feiert die die "Wobbly Barn" ihre diesjährige große Halloween-Party. Ein guter Anlass, um mit einem großen Halloween-Special an Neil Youngs von Legenden umranktes Desaster im Oktober 1965 zu erinnern:


Oktober 24, 2011

"In April 1965 [!!] Stephen Stills came to town [in Ft. William] to play the 4-D with folk group The Company, and was blown away by the opening act Neil Young and the Squires. (...)

What Stills witnessed that night was Neils unique blend of traditional folk with rock`n`roll. 'We did classic folk songs with a rock`n`roll beat and changed the melody. We did a really weird version of "Tom Dooley" which was like rock`n`roll in a minor key, and we did "Oh Susannah" (...) It was different from anything i did before or after. It was funky.' "

Aus: John Einarson,  "Neil Young - The Canadian Years" (Omnibus Press, 1993)

(Auf Deutsch: "Im April 1965 [!] kam Stephen Stills in die Stadt [Ft. William], um im 4-D mit der Folk-Gruppe 'The Copmany' zu spielen, und wurde von der Vorgruppe 'Neil Young and the Squires' weggeblasen. (...) Was Stills erlebte in dieser Nacht, war Neils einzigartige Mischung aus traditionellen Folk und Rock`n Roll. 'Wir haben klassische Folksong mit einem Rock`n Roll-Beat gespielt und die Melodie geändert. Wir spielten eine wirklich seltsame Version von 'Tom Dooley', die wie Rock`n Roll in einer Moll-Tonart war, und wir spielten 'Oh Susannah'' (...) Es war anders, als alles, was ich vorher oder nachher spielte. Es war funky.' ")

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