Mittwoch, 23. Dezember 2015

Der Neil Young Adventskalender - Türchen #23

An Tür Nummer 23 klebte im Jahr 2010 der unten abgebildete Aushang. Darin bittet Neil Young die Konzertbesucher, nicht zu pfeifen, nicht zu rufen und auch keine Ton- oder Fotoaufnahmen zu machen. Mobiltelefone und Kameras dürfen während des Konzerts nicht benutzt werden. Neil Young war damals solo auf seiner Twisted-Road Tour in den USA unterwegs und spielte neben Klassikern die Songs seines Albums "Le Noise".

Besucher sollten solche Hinweise durchaus ernst nehmen. Neil Young ist bekanntlich kein Freund von Zwischenrufen und hochgehaltenen Handys. Mehr als ein Mal unterbrach er bei Konzerten seine Show, um rufende oder fotografierende Konzertbesucher zurechtzuweisen. Naturgemäß fühlt sich Neil Young bei intimeren Solo-Shows mehr gestört, als wenn er bei den elektrischen Sets mit "Crazy Horse" oder - wie derzeit - mit "Promise of the Real" auf der Bühne steht. Dabei ist der Musiker in der Wortwahl nicht gerade zimperlich. Auch sein durchdringender Blick hat schon so manchen Zuschauer in Angst und Schrecken versetzt.

So hatte der zuletzt im Oktober in San Diego einen Konzertbesucher mit "Du A...loch kannst mich mal" beschimpft. Er solle doch besser nach Hause gehen und seine "eigenen verdammten CDs hören". Der Man hatte es gewagt, Neil Youngs einführende Worte zu einem Song mit dem Ausruf "Spiel lieber Musik" zu unterbrechen. Er hätte wohl besser den Aushang an der Tür gelesen ...


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Tür Nummer 22 ist die einzige Tür, die es bei Neil Young jemals auf ein Album-Cover geschafft hat. Es handelt sich dabei um eine Tür zum Gäste-Cottage auf Neil Youngs Anwesen in Wai’alea Bay auf Big Island, Hawaii. Der Musiker fing sie auf dem verwackelten Selfie ein, das er auf dem Coverfoto seines 2009 erschienenen 30. Studioalbums "Fork in the Road" verwendete.

Das Album von 2009 wirkt heute wie eine Blaupause für sein 2015 erschienenes Album "The Monsanto Years". Schon sechs Jahre zuvor hatte er das Thema Umwelt zum roten Faden eines ganzen Albums gemacht. "Fork in the Road" drehte sich um seinen zum Hybrid-Fahrzeug umgebauten 1959er Lincoln Continental und die Erfahrungen, die er auf den Reisen mit dem Wagen machte. Neben Huldigungen des Wagens und des Autofahrens an sich, bekamen auch damals schon Politik und Ölkonzerne ihr Fett weg. Auch die Produktion der Songs war ähnlich: roher, kompromissloser, live aufgenommener Rock. Dazu gab es - ebenfalls wie bei "The Monsanto Years"  mit "Light A Candle" eine einsame Ballade als Kontrast zum lauten Rockbrett.

Die auf dem Cover abgebildete Tür bleibt Neil Young seit 2015 übrigens versperrt. Der Musiker hat sein Anwesen auf Hawaii vor ein paar Wochen für 20 Millionen Dollar verkauft. 

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Tür Nummer 21 ist die wohl bekannteste im Werk von Neil Young: Es ist jene Kellertür im Song "The Needle and the Damage Done", an der ein Junkie klopft und um Drogen bettelt - "I caught you knockin' at my cellar door / I love you, baby, can I have some more / Ooh, ooh, the damage done".

Der Song entstand 1970 und erschien 1972 auf Neil Youngs Studioalbum "Harvest" als Live-Take. Der Junkie, der da auf der Suche nach Stoff für den nächsten Schuss an die Kellertür klopfte war Danny Whitten, Gitarrist der Urfomation von "Crazy Horse". Whitten spielte zuvor schon mit Billy Talbot and Ralph Molina in der Doo-Wop Gruppe "Danny and the Memories", einer Vorläuferband von "Crazy Horse". 1968 stieß Neil Young auf die drei, engagierte sie als seine Band und nahm mit ihnen das Album "Everybody knows This is Nowhere" auf. Dessen epische Songs wie "Down By The River" oder "Cowgirl In The Sand" sind geprägt vom fast symbiotischen Zusammenspiel Neil Youngs mit Danny Whittens, der da schon an der Nadel hing.

Die folgenden Tourneen und das nächste Album, "After The Gold Rush", litten bereits unter den drogenbedingten Aussetzern Whittens. Neil Young beendete die Zusammenarbeit mitten in den Aufnahmen zum Album und schrieb jenen Song mit der berühmten Kellertür-Methaper über seinen Freund und kongenialen Gitarristen, den er an das Heroin verloren hatte. Auch Talbot und Molina beendeten die Zusammenarbeit 1972. Danny Whitten starb am Abend des 18. November 1972 an einer fatalen Kombination aus Valium und Alkohol. Tagsüber hatte ihn Neil Young mit 50 Dollar in der Tasche von den Proben zur "Time Fades Away"-Tour von seiner Ranch weggeschickt, nachdem der Versuch einer erneuten Zusammenarbeit nicht funktionierte.



Tür Nummer 20 ist die Beifahrertür von Neil Youngs legendärem Tourbus "Pocahontas". Den Bus der Marke Eagle, Baujahr 1973, hatte Neil Young irgendwo entdeckt, gekauft und von Kunstschreiner Roger Somers in eine Art rollendes Gesamtkunstwerk verwandeln lassen. Er diente ihm über viele Jahre bei unzähligen Tourneen als Wohnmobil.

Beim Umbau wurde der Bus außen mit einer Holzverkleidung versehen, die wie Flügel wirken sollten. Auf die Oberseite von "Pocahontas"  ließ Young die Dächer von zwei PKW der Marke Studebaker und Hudson schweißen. Noch aufwändiger war der Innenraum des Tourbusses gestaltet. Er besaß eine voll ausgestattete Küche, luxuriöse Betten und eine Dusche, von der man über eine Luke zum Abtrocknen auf ein Sonnendeck klettern konnte. Die Isolierung mit Blei sorgte für Ruhe, machte das Fahrzeug aber auch sehr schwer. Kunstschreiner Somers fertigte für die Innenräume aufwändige Holz- und Intarsienarbeiten an, die freizügige, sexuelle Motive darstellten. Neil Young ließ die meisten davon dann entschärfen. In seinen Memoiren beschreibt er den Bus so: "Gib einem Hippie zu viel Geld und alles wird möglich."

"Pocahontas" brannte 1996 nach einem Kurzschluss aus. Neil Young begrub ihn auf seiner Ranch unter einem Eukalyptushain. Im gleichen Jahr begann er mit dem Ausbau des Nachfolgebusses, den er dann "Zuma" nannte. Den nutzt Neil Young bis heute für seine Tourneen.

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"Knock, Knock, Knocking on Neil Young's Door"- Hinter Tür Nummer 19 wohnten 2008 die Kiernans. Als Herr Kierman am 2. November jenes Jahres aus dem Fenster schaute, sah er seine Frau, die vor der Haustüre mit zwei Fremden plauderte. Überraschung: Es war kein geringerer als Bob Dylan, der seinen Manager dabei hatte.

Dylan war auf seiner Tournee nach Winnipeg für ein Konzert im MTS Centre gekommen. Bei einem Abstecher in die Grosvenor Avenue wollte er das Wohnhaus besichtigen, in dem Neil Young in den frühen 1960er Jahren seine Jugend verbrachte. Neil Young und seine Mutter waren damals nach deren Scheidung in die Hauptstadt von Monaitoba gezogen und lebten ab 1963 in der oberen Etage jenes Hauses, in dem jetzt die Kiernans lebten. Bob Dylan, der etwa 500 Kilometer südlich in den USA groß wurde, erkundigte sich bei den Kiernans auch nach Neil Youngs Zimmer und schaute nachdenklich aus dem Fenster, aus dem der junge Neil Young damals schaute, während er Musik hörte oder Songs schrieb.

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Tor Nummer 18 steht stellvertretend für die Tore im ehemaligen "eisernen Vorhang", die für für die Menschen dahinter verschlossen waren. Die Klaus-Renft-Combo, legendäre Rockband aus der ehemaligen DDR, besang diese Tore und die Hilflosigkeit angesichts der versperrten Freiheit in einer Coverversion von Neil Youngs "Helpless" mit deutschem Text. Die Aufnahme des Songs erschien 1993 nachträglich auf der Kompilation "Renft - Zwischen Liebe und Zorn", war aber auch schon in den frühen 1970er Jahren im Live-Programm der Band.

Die 1958 in Leipzig gegründete Klaus-Renft-Combo hatte sich Zeit ihres Bestehens gerade wegen kritischer Texte wie in "Hilflos" mit der DDR-Obrigkeit herumzuschlagen. Die Behörden verhängten mehrfach Auftrittsverbote, weil die Musik von Renft "nicht mit den Prinzipien sozialistischer Kulturpolitik in Einklang" stehe. Auch Erscheinungsbild und Lebensweise der Musiker waren dem staatlichen Kulturbetrieb ein Dorn im Auge, verschafften der Band aber Glaubwürdigkeit und einen legendären Ruf bei den Rockfans in der DDR. Nachdem sich Renft über staatliche Auflagen hinwegsetzte und weiterhin Texte des regimekritischen Liedermachers Gerulf Pannach verwendete, kam Ende 1975 für die Klaus-Renft-Combo das endgültige Verbot. Klaus Renft reiste 1976 aus der DDR aus, lebte in Griechenland, später in West-Berlin und ließ nach der Wende die Band wieder aufleben. Er verstarb 2006.

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Tür Nummer 17 ist eine vergitterte Zellentür. Die ziert das Frontcover von Neil Youngs Album "Life", das er 1987 auf dem ungeliebten Geffen-Label veröffentlichte. Es ist das einzige "Neil Young & Crazy Horse"-Album, das bei Geffen Records erschien.

"Life" ist zudem das letzte Album, das Neil Young bei Label-Boss David Geffen ablieferte, der ihn zuvor vor Gericht verklagt hatte. Nach "Life" schob Geffen nur noch eine Kompilation mit unveröffentlichten Titeln nach. Das Live-Album "Life" enthält Aufnahmen von der "Live In A Rusted Out Garage"-Tour mit Crazy Horse vom 18. und 19. November 1986. Dazu gibt es mit "We Never Dance" einen Song, den Neil Young im Studio  mit Jack Nitzsche produzierte, mit dem zuvor lange zerstritten war.

Die vergitterte Zellentür und die hinten in die Zellenwand eingeritzten fünf Striche symbolisieren das Verhältnis von Neil Young zu seinem damaligen Label: Neil Young fühlte sich wie ein Gefangener, der in seiner Zelle fünf Alben für Geffen aufgenommen hatte - ein "Prisoner of Rock'n'Roll".

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Tür Nummer 16 war ein knappes Jahr lang der Eingang in die Wohnung der Familie Young. Die war 1954 von Omemee in Ontario, wo Neil Young den glücklichsten Teil seiner Kindheit verbrachte, nach Winnipeg gezogen. Die Ehe von Rassy und Scott Young war in eine Krise geraten und der Umzug nach Winnipeg, wo Verwandte der Mutter wohnten, sollte sie wieder ins Lot bringen.

Die Youngs bezogen ein Haus in der Hillcrest Avenue 95 - und dessen Eingangstür hatte eine Besonderheit, wie Neil Young in seinen Memoiren "Special Deluxe" schreibt: "Soweit ich mich erinnere, war es das erste Mal, dass wir eine Hausnummer über der Tür hatten." (Foto rechts: Das Haus heute)

Der kleine Neil ging damals in die dritte Klasse und erkundete mit Freunden die Gegend auf seinem Fahrrad der Marke Werlich, das ihm sein Großvater zu Weihnachten schenkte. Donnerstags verbrachte er seine Nachmittage oft bei Squaredance-Veranstaltungen im örtlichen Gemeindeclub, scheibt Neil Young in seinen Memoiren. Dort schaffte er es hin und wieder, dass Mädchen mit ihm tanzten.

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Tor Nummer 15 gehört zu einer Scheune auf Neil Youngs Ranch. Davon gab es viele, und jede hatte eine unterschiedliche Funktion. So gab eine eigene Scheue für seine Modelleisenbahn und eine für seine Autosammlung. 

In einer der Scheunen fanden 1971 auch die Aufnahmen für die elektrischen Songs des Albums "Harvest" statt. Die Instrumente und Verstärker standen zwischen Strohballen und Heugabeln, als Neil Young und die "Stray Gators" Songs wie "Alabama" oder "Words" probten und aufnahmen. Als das Album schließlich fertig war, verwandelte Neil Young die Scheune sogar in einen riesigen Lautsprecher. Er ließ im Scheunentor die rechte Box der PA-Anlage stellen, die linke stand vor seinem Wohnhaus. Dann lud er CSNY-Kumpel Graham Nash in ein Ruderboot ein, mit dem die beiden dann auf dem Ranch-Teich paddelten. Young wollte Nash den fertigen Mix von "Harvest" präsentieren. Als "Alabama" aus Scheune und Wohnhaus erklang, rief jemand Young zu: "Und, wie ist es?" Young rief zurück: "Mehr Scheune!"

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Tür Nummer 14 ist wieder eine Kellertür. Wobei das "Cellar Door" in Washington - wie schon die gleichnamige Musikkneipe in Winnipeg aus Türchen Nummer 1 - ein Auftrittsort in Neil Youngs langer Karriere ist. 

In Washingtons "Cellar Door" gastierte Neil Young im Rahmen seiner Solo-Tour 1970. In dem damals angesagten Club in der 34. Straße im historischem Viertel Georgetown der US-Bundeshauptstadt traten große Namen aller Genres der Musikszene auf. Neil nahm sein Konzert in dem 163-Sitze-Club auf und wollte später eigentlich ein Live-Doppelalbum mit einer elektrischen und einer akustischen Seite herausbringen. Das Projekt wurde dann zugunsten von "Harvest" zurückgestellt. Ein Live-Album mit Aufnahmen der vier Auftritte im "Cellar Door" kam im Dezember 2013 im Rahmen der Archive Performance Serie heraus.

Im "Cellar Door" trafen sich auch zum ersten Mal Neil Young und der damals erst 17-Jährige Nils Lofgren. Der lebte in Washington und wollte mit seiner Band "Grin" nach Kalifornien. Neil Young gab ihm Tipps und forderte Lofgren auf, sich doch bei ihm zu melden, wenn er in Kalifornien ankommt. Das tat der nur wenig später und landete gleich als Pianist auf Neil Youngs Album "After The Gold Rush".

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Tür Nummer 13 teilen sich Neil Young & Bob Dylan. Die beiden Singer-Songwriter-Giganten spielten im März 1975 im Kezar Stadium an der Golden Gate Bridge in San Francisco ein Benefizkonzert zugunsten der örtlichen öffentlichen Schulen. Deren Budget wollte die Schulbehörde kürzen, was Konzertveranstalter Bill Graham zur Organisation eines der ersten großen Charity-Events der Rockgeschichte veranlasste. Bei seinem SNACK-Festival (= "San Francisco Needs Athletics, Culture, and Kicks") taten sich unter anderem Neil Young, Bob Dylan und Mitglieder von "The Band" zusammen, um ein paar Songs der beiden Künstler zu spielen.

Neil Young steuerte sein berühmtes "Helpless" von 1970 zum gemeinsamen Set bei, das von einem örtlichen Radiosender übertragen und aufgezeichnet wurde. Der Song kann im Text schon mit einer "mit Ketten verschlossenen Tür" aufwarten.

"Helpless" geht dann in Bob Dylans ebenso berühmtes "Knockin' on Heavens Door" über, dessen Titelzeile aus unerfindlichen Gründen in "Knockin' on The Dragon's Door" geändert wurde. Möglicherweise war mit dem "Drachen" der Leiter der Schulbehörde von San Francisco gemeint, an dessen Bürotür mit dem Festival kräftig geklopft werden sollte, damit er die geplanten Budgetkürzungen zurücknimmt. Was er auch tat.

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Tür Nummer 12 hat die Karriere Neil Youngs in ganz besonderer Weise beeinflusst: Die Bürotür von Manager Elliot Roberts. Natürlich ist Roberts seit der Übernahme von Neil Youngs Management im Jahr 1968 auch so einer der wesentlichen Garanten für dessen Karriere. Er hielt ihm stets den Rücken frei für alle musikalischen Irrungen und Wirrungen. Er regelte das Vertragliche und lenkte die Karriere - soweit sich ein Neil Young überhaupt lenken lässt. 

Im Frühjahr 1978 half ihm dazu aber vor allem seine Bürotür. Damals besuchte ihn Neil Young mit der Idee für sein nächstes Album und die nächste Tour mit Crazy Horse. In den Flitterwochen mit Pegi Young auf seinem Segelschiff WN Ragland hatte der Musiker ein detailliertes Konzept für eine gigantische Bühnenshow ausgearbeitet. Er wollte riesige Verstärkerattrappen auf die Bühne stellen, Roadies mit Mönchskutten und leuchtenden Augen verkleiden, verrückte Wissenschaftler sollten die Bühne einrichten und per Tonband Songschnippsel und Ansagen von Woodstock erklingen. 

Was heute für eine Neil Young Show völlig normal erscheint, war 1978 ein Schock. Elliot Roberts versuchte Neil Young die verrückte Idee auszureden, doch der blieb stur. Schließlich sprühte er den geplanten Titel von Album und Tour - "Rust Never Sleeps" - mit Lackfarbe an Elliot Roberts Bürotür. "So, hier ist die Werbung. Jeder, der vorbei kommt, fragt dich, was das ist. Und sagst ihnen: mein neues Album", erklärte ihm Neil Young. Die Tour mit den beiden Alben dazu sind inzwischen Musikgeschichte und Roberts besitzt die Tür angeblich noch heute.

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Tür Nummer 11 ist eine weltberühmte Gruppe von Türen: "The Doors". Die Band um den 1971 verstorbenen Jim Morrison ist eng mit den Anfangstagen Neil Youngs in Kalifornien verbunden. Im Mai 1966, nur wenige Wochen nach ihrer Gründung, spielte Neil Youngs Band "Buffalo Springfield" im legendären Musikclub Whisky a Go Go" am Sunset Strip in Los Angeles.

"The Doors" waren im Sommer 1966 die Hausband des Clubs und eröffneten für die dort gebuchten Musikgruppen. Neben "Buffalo Springfield" unter anderem für die "Byrds" und "Captain Beefheart". Neil Young erinnert sich an diese Zeit: "The Doors. Ich habe mit ihnen die ganze Zeit im Whisky gespielt. Die eine Woche waren es die Doors mit den Springfield, in der nächsten Woche waren es die Springfield mit den Doors - über Wochen und jeden Abend gespielt. Die Leute kamen in Scharen. The Doors waren verdammt gut."

Jack Holzman, Chef des ELEKTRA-Labels sah die "Doors" im Whisky und nahm sie unter Vertrag. Am liebsten hätte er auch "Buffalo Springfield" genommen, obwohl sein Label nur sechs Monate zuvor Neil Young nach Probeaufnahmen in New York abgelehnt hatte. Andere waren diesmal schneller: "Buffalo Springfield" mit Neil Young öffnete Atlantic Records 1966 die Türen für eine Weltkarriere.

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Tür Nummer 10 werden vor allem die Fans von Neil Young & Crazy Horse in unangenehmer Erinnerung haben. Es handelt sich um eine Tür im Tourbus der Band, die in der Nacht vom 7. auf den 8. August 2013 dafür sorgte, dass die laufende Europatournee und die anschließenden Festivalauftritte in den USA abgesagt werden mussten. 

Die vermaledeite Tür trennte den oberen und unteren Bereich des schwarzen SETRA Nightliner-Busses der Firma "Beat The Street", dem führenden Tourbus-Vermieter in Europa. Gitarrist Frank "Poncho" Sampedro und die beiden anderen Mitglieder von "Crazy Horse" waren damit nach der Show in Oslo auf den Anreise zum nächsten Auftritt nach Göteborg in Schweden.

Auf dem Weg nach unten, hielt sich der Sampedro mit der linken Hand an der Tür fest, als der Bus über ein Schlagloch rumpelte. Das hatte schmerzhafte Folgen, denn im gleichen Moment versuchte der Tourmanager gerade, die Tür von der anderen Seite aus zu schließen. Bittere Diagnose: "Poncho" erlitt drei Brüche am Mittelfinger und zwei am Ringfinger. Er konnte die Tour nicht zu Ende spielen und brauchte fast ein Jahr bis die Hand wieder geheilt war. Die ausgefallenen Stationen wurden dann 2014 im Rahmen einer neu angesetzten Europatour nachgeholt - im selben Bus.

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Tür Nummer 9 gibt es gleich doppelt: Es sind zwei die Notausgangstüren im Heck eines Passagierflugzeugs, die auf dem Plattencover von Neil Youngs Album "Landing On Water" von 1986 zu sehen sind. Die abgebildete Zeichnung enthält eine Darstellung des Fluchtwegs, über den man im Fall einer Notwasserung durch die beiden Türen zu bereitgehaltenen Schlauchbooten gelangt.

Eine Art Notausgang war auch dieses 15. Studio Album Neil Youngs. Es entstand nach der außergerichtlichen Einigung mit Youngs Plattenlabel Geffen, das den Musiker auf Schadenersatz wegen nicht verkaufbarer, uncharakteristischer Musik verklagt hatte. Young legte mit "Landing On Water" und "Life" pflichtgemäß noch zwei Alben vor, bevor er 1988 den ungeliebten Geffen-Flieger durch die Notrutsche verließ, um zu Warner/Reprise zurückzurudern.

Das zusammen mit Danny Kortchmar produzierte Album wird von Synthesizer und elektronischem Schlagzeug im typischen 1980er-Jahre-Stil dominiert. Überwiegend arbeitete Neil Young Material auf, das er 1984 mit Crazy Horse vergeblich auf ein Album zu pressen versuchte. Herausragender Song ist "Hippie Dream", eine Abrechnung mit der Flower-Power-Ära mit direkten Anspielungen auf CSN&Y.

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Tor Nummer 8 war über 40 Jahre lang der Eingang zum Allerheiligsten: Neil Youngs Broken Arrow Ranch in La Honda, Kalifornien. Das Tor an der Bear Gulch Road passierten auserwählte Besucher, um nach einem längeren Weg über das weitläufige Anwesen zu den Gebäuden und Scheunen zu gelangen, in denen Neil Young Wohnungen, Studios und Lagerräume für Autos und Musikequipment eingerichtet hatte.

Die Ranch kaufte er 1970 und baute das einfache Holzhaus mit Scheune nach und nach aus. Auch  Land kaufte er hinzu. Als später die Plattenverkäufe nachließen, verkaufte er es teilweise wieder. Später reduzierte er zunächst seine Fahrzeugsammlung und zog im Zuge seiner Trennung von Ehefrau Pegi 2014 ganz von der Ranch, auf der seit "Harvest" unzählige Alben aufgenommen wurden - auch die anderer Künstler wie Jewel. Nach der vollzogenen Scheidung wohnen jetzt Pegi Young mit Sohn Ben auf der Ranch. Ben betreibt dort weiterhin seine Hühnerfarm, deren Bio-Eier er auf dem Wochenmarkt in Half Moon Bay verkauft und an Abnehmer in die Umgebung liefert.

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Tür Nummer 7 ist wieder eine Kellertür. Sie führte in ein Coffehouse in der Yorkville Aveneue Nr. 134 in Toronto, das ein deutscher Auswanderer aus Berlin namens Bernie Fiedler 1964 eröffnet hatte. Fiedler nannte sein Lokal "The Riverboat" und dekorierte es mit Bullaugen und Holzpaneelen wie einen Flussdampfer.

Das "Riverboat" mit seinen 120 Sitzen wurde in der quirligen, studentischen Musikszene von Toronto schnell zu einer Institution. Viele damalige Musikgrößen gastierten auf der kleinen Kellerbühne. Neil Young war Ende 1965, Anfang 1966 oft als Zuschauer dort. Montags durfte er auf den sogenannten Hootnanny-Abenden ohne Gage als Mitglied der zusammengewürfelten Folk-Truppe "Public Futilities" auftreten.

Einen regulären, bezahlten Auftritt als Solomusiker bekam er im "Riverboat" aber erst 1969, als er sich in Kalifornien schon einen Namen gemacht hatte. Bei diesem Gastspiel in seiner Geburtsstadt Toronto dürften die Schlange vor der Tür des "Riverboat" ähnlich lang gewesen sein, wie rechts auf dem Foto von 1978, als das "Riverboat"endgültig schloss. Sogar Neil Youngs Vater Scott kam 1969 während des einwöchigen Engagements  seines Sohnes durch die Tür ins Lokal. Die Auftritte im "Riverboat" sind auf einer Archiv-CD dokumentiert.

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Tür Nummer 6 befindet sich ganz hinten an einem berühmten Auto: Neil Youngs 1948er Buick Roadmaster Leichenwagen. Den hatte sich im August 1964 der damals 18-jährige Nachwuchsmusiker als Transportvehikel für seine Band "The Squires" für 125 Dollar gekauft. Das Geld kam von der Mutter.

In einem Inserat in der “Winnipeg Free Press“ hatte Neil Young gleich zwei Leichenwagen entdeckt, die ein Bestattungsunternehmen verkaufte. Er fuhr hin und was er fand, beschreibt er in seinem Memoiren so: "Zwei 1948 Buick Roadmaster Leichenwagen. Sie waren riesig, mit sehr großen Hecktüren und Rollen, um die Särge in den mit Samt gepolstert Laderaum rein und wieder raus zu schieben. 'Perfekt für unser Equipment!', rief ich mir selbst zu." Der Wagen, den er dann kaufte, machte schon im nächsten Juni mit Getriebeschaden schlapp.

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Tür Nummer 5 ist eine zoologische Besonderheit: Eine Falltüre, die von einer Spinnenart hergestellt wird. Die Falltürspinnen, auf englisch "Trapdoor Spider", graben sich in die Erde ein und verschließen ihre Wohnröhre mit einer selbstgesponnenen Falltüre, auf die sie zur Tarnung Erde und Blätter streuen.

Die Familie der Falltürspinnen besteht aus 128 Arten in 9 Gattungen. Eine Art wurde im Jahr 2007 im US-Bundesstaat Alabama entdeckt und zu Ehren von Neil Young "Myrmekiaphila Neilyoungi" getauft. Mit der Benennung sollte das soziale Engagement des Musikers gewürdigt werden.

Bei der Jagd lauern die Spinnen in ihrer Röhre übrigens bei halb geöffneter Falltüre auf ihre Beute, die sie dann in die Wohnröhre ziehen und dort verspeisen. Die Falltüre wird dazu wieder verschlossen.

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Bei Tür Nummer 4 geht es um eine dramatische Geschichte, die Neil Young in seinem umstrittenen Song "Let's Roll" aufgreift. Es ist die Tür zum Cockpit von Flug United Airlines 93. Am 11. September hatten Terroristen das Flugzeug entführt, um sich damit auf ein Gebäude in Washington zu stürzen. Zuvor waren andere Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York und ins Pentagon eingeschlagen.

Die Passagieren von Flug 93 hatten die Ereignisse über ihre Mobiltelefone mitbekommen. Eine Gruppe von ihnen überwältigte in einer verzweifelten Aktion ihre Bewacher und versuchten, die verschlossene Cockpit-Tür aufzubrechen, um die Selbstmordpiloten zu stoppen. Nachdem sie die Tür öffnen konnten, gab es einen Kampf im Cockpit, in desses Verlauf das Flugzeug abstürzte. 44 Menschen kamen ums Leben.

Neil Young hatte nach dem 11. September den patriotischen Song in sein damals schon fast fertiges Album "Are You Passionate" aufgenommen und ihn 2002 auch live im Programm. Im Video rechts die Version mit Booker T. & MG's 2002 in Nürnberg.

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Türchen Nummer 3 zeigt ein Detail einer Tür. Es ist der blankpolierte Türknauf an der Haustür von Neil Youngs Broken Arrow-Ranch. Das Foto schoss Joel Bernstein 1971. Es erschien als Innencover von "Harvest", Neil Youngs einzigem Nummer-Eins-Album.

Im Türknauf spiegeln sich Neil Young und der Fotograf selbst. Young hatte die Ranch kurz zuvor mit dem Geld aus seinen Solo- und CSN&Y-Alben gekauft. Bei Arbeiten an herumliegenden Holzstämmen zog er sich eine langwierige Rückenverletzung zu, die ihn zeitweilig außer Gefecht setzte. Während seines Krankenlagers lernte er die Schauspielerin Carrie Snodgress kennen und lieben, die ihre Leinwandkarriere aufgab zu ihm auf die Ranch zog.

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Bei Türchen Nummer 2 handelt es sich um die Tür zu Jack Whites "Recording Booth". In dieser "Telefonzelle" mit eingebauter Aufnahmetechnik für Schelllackplatten hatte Neil Young sein Album "A Letter Home" aufgenommen - in altertümlicher Low-Fi-Qualität.

Während die Tür der Kabine trotz der Enge bei Aufnahmen mit der Gitarre geschlossen blieb (Video rechts), musste sie bei den Pianoaufnahmen und den Duetts mit Jack White offen bleiben. Grund: Das in der "Recording Booth" fest eingebaute Mikrofon hätte ansonsten den draußen stehenden Jack White gar nicht erfasst.

Das skurrile Album erschien dann im April 2014 und spaltete die Fan-Gemeinde genauso wie das im Herbst nachgeschobene Album "Storytone", bei der Young das genaue Gegenteil machte: statt Low-Fi in der Kabine gab es eine Mega-Produktion mit Symphonieorchester.

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Türchen Nummer 1 ist eine berühmte Kneipentür aus dem kanadischen Winnipeg. Die Tür des inzwischen abgerissenen Clubs "The Cellar" steht heute in einer Ausstellung über die Musikszene von Winnipeg, die in den 1960er Jahren unzählige Bands hervorbrachte. Eine davon waren "The Squires" - Neil Youngs erste eigene Band, in der er zuerst Lead-Gitarre zu Instrumentals spielte und später auch sang. Die "Squires" hatten sich in der Winnipeg-Szene schnell eine Namen gemacht und gehörten bald zu den häufig gebuchten Acts der Stadt.

"The Cellar" war ein verrauchter Club in der Fort Street. Neil Young trat dort mit den "Squires" in den Jahren 1963 und 1964 auf. Anders als in den sogenannten "Community Clubs" der Schulen und Kirchen mit ihren biederen Teenager-Tanztees gab es im "The Cellar" laute Beatmusik und manchmal auch Prügeleien. 

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