Freitag, 21. September 2012

"Please Take My Advice" - Tipps von Tante Toots

Obwohl Neil Young schon Hunderte von Songs schrieb, ist er als Buchautor ein absoluter Anfänger. Wer da keinen Ghostwriter hat, tut sich in der Regel schwer. Gut, wenn da eine erfahrene Tante in der Familie ist, die mit hilfreichen Tipps und klugen Ratschlägen hilft.

Neil Youngs Tante Lavinia „Vinia“ Hoogstraten war so ein hilfreicher Geist. "Aunt Toots", wie die Schwester von Neil Youngs Mutter Rassy in der Familie genannt wurde, gab nämlich Unterricht in kreativem Schreiben. Die Autorin für Presse und Rundfunk war außerdem Präsidentin der „Canadian Authors Association“ (CAA) – einem landesweiten Zusammenschluss von Autoren. Dort kümmert man sich um Rechtfragen und tauscht sich über die Schriftstellerei aus. Neil Youngs Tante stand als Präsidentin von 1966 bis 1969 an der Spitze der CAA.

In English
Am 9. Juli 1966 berichtete die “Winnipeg Free Press”, die Lokalzeitung in Vinia Hoogstratens Heimatstadt, über die neue Präsidentin der CAA. Der Artikel gibt erstaunliche Einblicke in das Frauenbild der 60er Jahre – und hat manch guten Tipp für den Schriftstellerlehrling Neil Young parat. Selber fragen konnte der Musiker seine Tante „Toots“ leider nicht mehr. Sie verstarb schon 2003, lange bevor ihr berühmter Neffe seine Memoiren "Waging Heavy Peace" schrieb.


Neil Youngs Tante Vinia in der Winnipeg Free Press, 1966
(Click to enlarge)
„Schreiben ist Arbeit", brachte Neil Youngs Tante die Schriftstellerei auf den Punkt. Vor allem die Anfänger unter den Autoren sehen sich dabei allerlei Problemen gegenüber. Diese hängen "üblicherweise mit der Art des Werkes zusammen, das man schreibt", erläuterte Vinia Hoogstraten. "Ausufernder Wortschwall - es dauert zu lange, um auf den Punkt zu kommen - ist eines der schlimmsten", fährt "Tante Toots" fort.

Andere Probleme seien Schwierigkeiten mit Blickwinkeln, mit der Annäherung an sein Thema sowie mit der Frage, an welchen Markt sich das fertige Werk denn überhaupt richten soll. Ihr Rat an den Anfänger sei es daher, Kontakt mit etablierten Autoren zu suchen, die wertvolle Hilfe leisten können.

Ob Neil Young bei seinen Memoiren den Ratschlägen seiner Tante folgte bleibt abzuwarten. "Ausufernder Wortschwall", ohne auf den Punkt zu kommen, erscheint aber eher eine  Gefahr zu sein, als die Wahl eines falschen Marktes. Das werden seine Agenten und Manager schon abgeklärt haben. Probleme mit dem Blickwinkel dürfte es bei den Memoiren auch nicht gegeben haben. Alles andere als Neil Youngs eigene Sicht wäre doch ziemlich überraschend.

Überraschend sind auch die weiteren Erkenntnisse, die Neil Youngs Tante in dem Artikel zum Besten gibt. Vor allem die Tipps für weibliche Autoren wirken doch ein wenig aus der Mode: "Mit einem Werk zu beginnen, ist der schwierigste Teil", erläutert Vinia Hoogstraten. Sie selber schrubbe stattdessen lieber einen Fußboden (!), "wenn das Werk aber einmal begonnen wurde, übt es einen Zwang aus".

Die damalige Präsidentin der „Canadian Authors Association“ äußerte sich auch zu den besonderen Schwierigkeiten ihres Landes. Dessen enorme Weite sei ein großes Problem für Autoren, die als Gruppen oder Individuen isoliert sind. Als Präsidentin wolle sie die Autoren mit Hilfe der CAA näher zusammenbringen. Außerdem kämpfe man immer noch für bessere Copyright-Gesetze in der Region. Vinia Hoogstratens über ihre Kollegen in dieser Frage: "Autoren sind generell eine naive Gruppe. Sie merken nicht, dass sie davon profitieren, bis es zu spät ist."

Auch in Fragen des Geschäftssinns scheint Neil Young also nicht weit von den Ansichten seiner Tante entfernt. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm ...


Ähnliche Artikel:
  1. Family Business - Die vielen Bücher der Familie Young
  2. Album und Buch: Neil Young und Patti Smith im Gleichschritt
  3. Lies mal wieder! Ein ganzer Stapel rostiger Bücher

0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen