Neil Young stand am Samstag nicht auf der Bühne und war trotzdem einer der heimlichen Hauptdarsteller des "Power to the People Festival" im Merriweather Post Pavilion in Columbia, Maryland. Das eintägige Festival verstand sich ausdrücklich als politische Protestveranstaltung und als Gegenpol zu den offiziellen Feierlichkeiten zum 250. Jubiläum der USA.
Bereits Ende Mai hatte Organisator Tom Morello ("Rage Against the Machine") die Veranstaltung angekündigt - während des Abschlusskonzerts von Springsteens "Land of Hope and Dreams"-Tour im Nationals Park in Washington. Dort stand er als Mitglied der Tourband auf der Bühne. Der Termin war bewusst gewählt: Genau einen Monat vor den Midterm-Wahlen sollte das Festival Wählerregistrierung und zivilgesellschaftliches Engagement stärken.
Auf zwei Bühnen standen neben Springsteen und Morello unter anderem Foo Fighters, Joan Baez, Dave Matthews, Brittany Howard, Dropkick Murphys, Jack Black und Cypress Hill. Plakatkünstler Shepard Fairey legte zudem als DJ auf. Ein Teil aller Ticketerlöse sowie sämtliche Netto-Einnahmen aus dem VIP-Verkauf gingen an die Wahlrechtsorganisationen VoteRiders und HeadCount. Beide halfen vor Ort bei Registrierung und Ausweisfragen.
Einen Höhepunkt des Abends lieferte ausgerechnet ein Song, dessen Autor gar nicht im Line-Up stand. Bruce Springsteen und befreundete Musiker spielten "Rockin' in the Free World", allerdings mit einer aktualisierten Strophe - gesungen von Dave Matthews. Neil Young veröffentlichte sie auch auf seiner Website. Darin prangert er soziale Ungleichheit, Waffengewalt, Umweltzerstörung an und kritisiert US-Präsident Trump. Als Neil Young im April 2025 bei der "Fighting Oligarchy"-Kundgebung von Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez in Los Angeles auftrat, kamen Joan Baez und Maggie Rogers mitten im Song auf die Bühne. Sie heizten das Publikum mit Sprechchören wie "Power to the People" an, also genau mit dem Slogan, den das Festival in Maryland nun als Namen trägt.
Während Neil Young selbst fehlte, vertrat Stephen Stills die alte Garde. Der ehemalige Bandkollege aus Buffalo Springfield und Crosby, Stills, Nash & Young spielte unter anderem "For What It's Worth". Den Song hatte er Ende 1966 unter dem Eindruck der Sunset-Strip-Unruhen in Los Angeles geschrieben, und er gilt bis heute als einer der zeitlosen Protestsongs der amerikanischen Rockgeschichte.
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