Ab heute hat Rusted Moon die umfangreiche Neil-Young-Coverdatenbank online gestellt. Fast 2.300 Coverversionen von Neil Young-Songs von 1967 bis heute wurde über Jahre detailliert erfasst, statistisch aufbereitet und - soweit verfügbar - auch zu ihrem YouTube-Video verlinkt (Zugriff auf die Seite auch oben im Menu). Die Datenbank wird ständig aktualisiert und dokumentiert eindrucksvoll den Einfluss Neil Youngs auf die internationale Musikwelt. Rusted Moon stellt in unregelmäßiger Folge besondere Coverversionen mit eigenen Artikeln vor. Zum Start der Datenbank geht es um einen der ältesten Einträge: "Mr. Soul" in der Version der Istanbuler Band "Mavi Işıklar" aus dem Jahr 1967.
Neil Young schrieb "Mr. Soul" für "Buffalo Springfield". Der Song erschien im Juni 1967 als B-Seite der Single "Bluebird". Die Single erschien in den USA bei Atco, einem Sublabel von Atlantic, und war 1967 auch in der Türkei erhältlich: Atlantic brachte sie dort als Pressung mit äußerst sparsam bedruckten Etiketten heraus (Katalognummer 45-6499). "Mavi Işıklar" konnten den Song also auch im heimischen Plattenhandel finden und nahmen ihn nur wenige Monate später, noch 1967, für ihre erste LP auf. Die Aufnahme zählt damit zu den frühesten Neil Young-Coverversionen überhaupt und ist die erste bekannte Coverversion von "Mr. Soul". Ausgerechnet in Istanbul also, nicht in Los Angeles oder London, begann die lange und umfangreiche Geschichte der Neil Young-Cover. [Weiter: Alles über die türkische Coverversion von Mr. Soul ...]
Blaue Lichter: Surfmusik aus dem türkischen Jungengymnasium
Wegen ihrer einheitlichen Anzüge galten sie bald als "türkische Beatles". Ganz so brav waren sie allerdings nicht: Sie traten auch schon mal im Pyjama auf und stellten Betten auf die Bühne. Großes Aufsehen erregte die Band bei dem einflussreichen Musikwettbewerb "Altın Mikrofon" ("Goldenes Mikrofon"), der von der Tageszeitung "Hürriyet" veranstaltet wurde: Sowohl 1965 mit der Single "Helvacı" als auch 1966 mit "Çayır Çimen Geze Geze" belegte die junge Formation jeweils den zweiten Platz und setzte sich gegen etablierte Künstler durch. Die Finalisten durften eine Single aufnehmen und durchs Land touren, wodurch die neue Musik auch jenseits der Großstädte ankam. Ihre Single "Ankara Rüzgarı" schaffte es in die Top 10, während die Beatles mit "Paperback Writer" an der Spitze standen. "Mavi Işıklar" gehören damit zu den Wegbereitern einer Musikrichtung, für die sich erst nach einem Moğollar-Album von 1971 der Begriff Anadolu Pop, später Anadolu Rock durchsetzte.
Zwischen Beat und Volkslied: Der Sound
Das Markenzeichen der Band war, türkische Musik mit westlichen Instrumenten, westlicher Technik und westlichem Stil neu zu formen. Ihre selbstbetitelte LP von 1967 spiegelt das wider: Englischsprachige Cover wie "You're So Good To Me" der Beach Boys stehen neben türkischen Adaptionen wie "Yalnızım" ("Yesterday") und Volksweisen wie "Kanamam" und "Fındık Dalları" im Beat-Gewand. Plattenhändler preisen sie heute als heiligen Gral des türkischen Surf-Rock.
Neil Youngs "Mr. Soul" findet sich hier also in Nachbarschaft anatolischer Volkslieder wieder. Dabei war das Original alles andere als leichte Kost: Young hatte den Song im Krankenhaus geschrieben, nach eigenen Angaben innerhalb von fünf Minuten. Dort war er eingeliefert worden, nachdem er bei einem frühen "Buffalo Springfield"-Konzert einen epileptischen Anfall erlitten hatte; der Text spiegelt sein Gefühl wider, sterben zu müssen. Musikalisch lebt der düstere Song von der Dropped-D-Stimmung, die Young später auch für "Ohio" und "Cinnamon Girl" nutzte.
"Mavi Işıklar" machen daraus eine knapp zweiminütige, straffe Nummer, die westliche und östliche Musikelemente zu einer eigenen Synthese verschmilzt. Die Energie von Beat- und Surf-Musik trifft dabei auf traditionelle türkische Melodien, Skalen und Rhythmen. Vor allem das Gitarrensolo klingt eher nach einer türkischen Bağlama-Langhalslaute als nach einer Gretsch-E-Gitarre – nach Istanbul statt nach Laurel Canyon.
Blaue Lichter im Wortsinn: Das Coverfoto
Das Coverfoto der LP von 1967 nimmt den Bandnamen wörtlich: Die fünf Musiker posieren in blauen Anzügen mit roten Krawatten vor einem Gebäude im Stil der 1960er Jahre, jeder an eine eigene Gartenlaterne gelehnt, einer von ihnen mit Sonnenbrille. Die Mischung aus Beatles-Uniform und Architekturkatalog-Kulisse wirkt heute etwas kurios – passt aber zu einer Band, die sich auch im Pyjama auf die Bühne traute.
Die Wehrpflicht von Toksoy und Metin Yavuzdoğan und die aufkommende Arabesk-Welle mit starken arabischen Einflüssen beendeten die Karriere Anfang der 1970er Jahre. Erst 1990 fand die Band wieder zusammen. Die LP erschien 1998 neu, und 2002 brachte eine Compilation der alten Singles die Musik einer neuen Generation näher.
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Wow, einfach nur wow, was Du uns da wieder präsentierst.
AntwortenLöschenGroßartiger Service!
Vielen Dank für Deinen unermüdlichen Einsatz.
mic
Ein kurzer Test ergibt Beeindruckendes: selbst Art Napoleon mit einem "Pocahontas"-Cover in Cree-Sprache von der labelfreien CD "Creeland Covers" kann ermittelt werden. Ist diese Suchfunktion mit Discogs verbunden?
AntwortenLöschenNein, alles basiert auf einer über Jahre gepflegten eigenen Excel-Tabelle (und einer Vorliebe für fremdsprachige und exotische Coverversionen).
LöschenGroßartige Arbeit - vielen Dank!
AntwortenLöschenVery impressive. Thanks for compiling. Danke
AntwortenLöschenDanke!
AntwortenLöschenWaaaaahnsinn!!! Ich bin sprachlos, einfach nur GEIL!!
AntwortenLöschenDa kommt richtig Freude auf. Dieses neue Tool verspricht stundenlanger Spass!
Herzlichen Dank - grossartige Arbeit!
R.B.