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September 10, 2025

Neil Young weist Kritik an Protestsong 'Big Crime' zurück

Neil Young  - Foto (c) dhlovelife
Neil Young hat seine Vorwürfe an US-Präsident Donald Trump bekräftigt und auf Kritik an seinem Anti-Trump Song "Big Crime" reagiert. In seiner ausführlichen Antwort auf einen Leserbrief eines Konzertbesuchers an seine Webseite begründete er seine Haltung und wies Kritik daran zurück, er habe zuvor eine unpolitische Tournee versprochen.

Hier eine deutsche Übersetzung von Neil Youngs Antwort, einschließlich der im Original gefetteten Textstellen:

"Hallo,

ich lese jede Woche jeden Brief. Meine Aussage über eine Tour ohne Politik war, bevor Trump Truppen auf die Straßen von Washington schickte, und ich lag falsch. Ich predige nicht. Das sind deine schwachen Worte. Ich erzähle die Geschichte so, wie ich sie sehe.

Amerika, wo ich seit 55 Jahren lebe, immer noch lebe, Steuern zahle und die Staatsbürgerschaft besitze, ist ein großartiges Land, in dem wir alle frei sind, unsere Meinung zu sagen und unsere Lieder zu singen. Ich lehne die Ideen von Präsident Trump entschieden ab:

  • Die Vorherrschaft der Weißen ist so altmodisch, schwach und falsch.
  • Gezielt gegen People of Color vorzugehen, ist falsch, unamerikanisch und schwach.
  • Truppen auf unseren Straßen zu stationieren, gegen den Willen des Gouverneurs des jeweiligen Staates, ist falsch.
  • Gezielt gegen von Demokraten regierte Städte vorzugehen, ist falsch und schwach.
  • Sexueller Missbrauch von jungen Mädchen ist falsch, krank und illegal.
  • ICE-Truppen (= US Einwanderungsbehörde) in unmarkierten Autos ohne Kennzeichnung sind unamerikanisch und falsch.
  • Das amerikanische Volk täglich zu belügen, ist falsch.
  • Zu leugnen, dass Medicaid gekürzt wurde, obwohl es so ist, ist falsch. Es wird die Gesundheit älterer Menschen beeinträchtigen, und das ist falsch.
  • Gezielt gegen schwarze Frauen vorzugehen und dafür zu sorgen, dass sie aus lebenslangen Anstellungen entlassen werden, ist falsch.

Meiner Meinung nach liegst du falsch, wenn du den Mann unterstützt, der die Dinge auf dieser unvollständigen Liste tut – und das amerikanische Volk, das für ihn gestimmt hat, täglich darüber belügt. Wenn es dich beleidigt, mein von Herzen kommendes Lied zu hören, dann hör es dir nicht an. Das ist dein Recht, so wie es mein Recht ist, es zu singen. Das ist die Realität, und das ist nicht falsch.

Die Gesetze dieses großartigen Landes müssen befolgt oder geändert werden, in genau dieser Reihenfolge. Ich habe aufgrund der aktuellen Probleme gewählt und wollte einfach nur in Amerika leben und nicht belogen werden. Ich werde jeden Präsidenten offen verurteilen, der lügt und seine Versprechen nicht einhält, so wie es mein Recht als Amerikaner ist. Ich werde in ein paar Jahren wieder wählen, und wir werden gewinnen.

Ich hoffe, du liest das. Abgesehen davon, wünsche ich dir alles Gute!
Danke
LOVE, Neil"

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Anti-Trump-Song 'Big Crime' offiziell als Single erschienen

Neil Young - Big Crime
Neil Young hat seinen Anti-Trump-Song "Big Crime" jetzt auch offiziell veröffentlicht. Das Stück, das sich direkt gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump richtet, ist seit dem 4. September als Single auf Streaming-Portalen verfügbar. "Big Crime" zeichnet sich durch seine bemerkenswert kurze Entstehungsgeschichte aus: Es wurde am 27. August während eines Soundchecks der aktuellen "Love Earth"-Tour mit seiner Band "The Chrome Hearts" live aufgenommen.

Auf seiner Website beschreibt Young jetzt den Prozess: „Letzte Woche Mittwoch kam ‚Big Crime‘ als Song daher … Fertiggeschrieben bis Mittag … Um 16 Uhr hatten wir Soundcheck.“ Die Aufnahme folgte dann Youngs langjähriger Maxime: „Beim Rock ’n’ Roll ist der Moment alles. Erfasse ihn. Erschaffe ihn nicht“, schreibt der Musiker und verrät, dass der fünfte und vorletzte Take der erste vollständige Durchlauf war, dessen rohe Energie er für die Veröffentlichung bewahren wollte. Nachdem bereits am Tag der Aufnahme eine erste Rohfassung auf Youngs Website zu hören war, folgte am Tag darauf ein Video auf seinem YouTube-Kanal. Eine final gemasterte Version schickte er dann an sein Label Reprise, das den Song nun auf den Streaming-Portalen einstellte. 

Diese Methode, unmittelbar auf politische Ereignisse mit Musik zu reagieren, ist in Youngs Karriere nicht neu. Der Prozess ähnelt der Entstehung einiger seiner bekanntesten Werke. So wurde sein berühmtester Protestsong "Ohio" 1970 nur wenige Tage nach den Schüssen an der Kent State University geschrieben und umgehend zusammen mit Crosby, Stills & Nash im Studio aufgenommen. Die Single stand nur wenige Wochen später in den Plattenläden – eine für die damalige Zeit blitzschnelle Reaktion.

Ein ähnlicher Fall ist der Song "After Berlin". Beeindruckt von der Atmosphäre der geteilten Stadt und frustriert vom enttäuschenden Verlauf der Tour schrieb Young den Song 1982 direkt vor seinem zweiten Konzert in Berlin, dem finalen der damaligen Trans-Tour. Er präsentierte das fertige Lied noch am selben Abend seiner überraschten Band. Eine Veröffentlichung als Single oder auf einem Album blieb allerdings aus. Der Song ist nur im Konzertfilm "Neil Young in Berlin" zu hören.

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Protestsong 'Big Crime' - Das Weiße Haus schlägt zurück

Neil Young vs. The White House
Neil Youngs neues Protestlied "Big Crime" hat zu erwartbaren Gegenreaktionen geführt. In dem Song, der am Mittwoch in Chicago Premiere hatte und auch am Freitagabend beim Konzert in Milwaukee in der Setlist stand, kritisiert der Musiker drastisch die Politik von Donald Trump. Dessen Einsatz der Nationalgardisten und die Übernahme der Polizeikontrolle in der Hauptstadt werden als „faschistische Regeln“ und „Schwerkriminalität im Weißen Haus“ bezeichnet.

Während der von Young angegriffene US-Präsident - anders als nach der Kritik von Bruce Springsteen - bislang dazu schwieg, gab es offizielle Reaktionen aus seinem Umfeld. Abigail Jackson, Sprecherin des Weißen Hauses, äußerte sich gegenüber Fox News und bezeichnete den Song als "peinlich" ("cringe"). Anstatt sein Vermächtnis mit solchen Songs zu beschmutzen, solle Young stattdessen mit Einwohnern von Washington D.C. sprechen, die dank Präsident Trump keine Opfer von Gewaltverbrechen geworden seien, so Jackson. Sie verteidigte die Maßnahmen der Regierung und behauptete, dass Gewaltverbrechen in D.C. bereits um 44% und Autodiebstähle um 87% reduziert worden seien.

Auch vom rechtsgerichteten Medium "Breitbart News" kam scharfe Kritik. Alex Marlow, Chefredakteur von Breitbart und Moderator der "Alex Marlow Show", sprach über Neil Youngs Song. Marlow nannte den Songtext den "am wenigsten kreativen, direktesten Text, die man je gesehen habe". Er spottete über mangelnde Originalität und Vielfalt in Youngs Werk, indem er sarkastisch bemerkte, alle seine Lieder klängen wie "Old Man". Laut Marlow sei der Song nur ein weiteres Beispiel für die unaufhörlichen und unkreativen Angriffe auf Trump, die lediglich darauf abzielten, ihn als Faschisten zu bezeichnen. Youngs Lyrics würden als kreative Schreibaufgabe in der Schule nur ein "F" (schlechteste Schulnote in den USA) erhalten. 

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