Samstag, 15. Dezember 2012

Neues Album nur ein psychedelischer Mückenstich

Kriebelmücke - Black Fly
"Psychedelic Pill", das neue Album von Neil Young & Crazy Horse setzt in vielerlei Hinsicht Maßstäbe: Nie war ein Studioalbum länger. Noch nie gab es überhaupt ein Studiodoppelalbum. Zum ersten Mal erschienen zwei Studioalben mit Crazy Horse in einem Kalenderjahr. Es enthält auch den längsten Song, den Neil Young jemals aufgenommen hat. Die Aufzählung ließe sich noch fortsetzen. In einem Punkt allerdings herrscht auf dem Album ein deutlicher Mangel: An Tieren. 

"Rusted Moon" hat die zoologische Vielfalt in Neil Youngs Werk genau analysiert und schon mehrfach berichtet, dass es in seinen Texten üblicherweise vor Tieren nur so wimmelt. Umso enttäuschender fiel das Ergebnis für "Psychedelic Pill" aus. Nur ein einziges, noch dazu winzig kleines Tier kommt vor: Die gemeine Kriebelmücke.

Artensterben bei Neil Young?

Shakeys Arche
Shakeys Arche
Im Song "Born In Ontario" besingt Neil Young die "Black Flies" (Deutsch: Kriebelmücken, lateinisch: Simuliidae), die seine kanadische Heimat mit ihren vielen Seen bevölkern. "Shakeys Arche", die Liste der in Neil Youngs Texten erwähnten Tierarten, ist also gerade einmal um ein winziges Insekt erweitert worden.

Bereits auf dem letzten Album "Americana" kamen nur wenige Tiere vor - sechs weiße Pferde und ein Hahn (Red Rooster). Als Entschuldigung mag hier gelten, dass "Americana" traditionelle Folksongs enthielt, die Neil Young nicht selber getextet hat. Trotzdem: Es scheint, als ob der statistisch eindeutige Trend zu immer längeren Songs und längeren Alben mit einem traurigen Artensterben in den Texten einhergeht. 

So gesehen bietet "Psychedelic Pill" auf jeden Fall noch einen zusätzlichen Superlativ: Es ist Neil Youngs Album mit dem schlechtesten Tier-Spieldauer-Quotienten: Nur 1 Tier in 87 Minuten. Jeder Spaziergang um den Häuserblock bietet in dieser Hinsicht mehr.

Die Kriebelmücke (Black Fly)

(C) Wikipedia
Kriebelmücke
Die Kriebelmücke (lateinisch: Simuliidae) wird nicht größer als zwei bis drei Millimeter. Sie ähnelt vom Aussehen eher kleinen Fliegen als den Mücken. Ihr Biss ist aber erheblich schmerzhafter als der Stich einer Mücke. Insgesamt gibt es über 1.500 Arten, von denen in Deutschland etwa 50 Arten vorkommen.

Kriebelmücken ernähren sich überwiegend von Nektar und Pflanzensaft. Bei einzelnen Arten saugt das Weibchen auch Blut von Säugetieren. Kriebelmücken treten in riesigen Schwärmen auf, die vor allem Weidetieren gefährlich werden können.

Hauptverbreitungsgebiet sind Gegenden mit hohem Wasseranteil, weil Kriebelmücken für ihre Larven klare Fließgewässer benötigen. Kanadas Süden mit seinen vielen Seen, Flüssen und Bächen ist daher ein idealer Lebensraum für diese Insekten.

Neil Young und die Mücken

Neil Youngs Mort und Black Flies
Mort und die Mücken (Montage)
In seiner Heimat Ontario hat Neil Young also hinreichend Bekanntschaft mit den Mücken machen können. Nicht umsonst gehören sie zu den zentralen Erlebnissen, über die er in seinem Song "Born in Ontario" berichtet.

Auch John Einarson, Autor des Buchs "Don't Be Denied" über Neil Youngs Jugendzeit, schreibt über die erste Reise der "Squires" mit Leichenwagen Mort von Winnipeg nach Fort William am Lake Superior im November 1964.

Der als anfällig bekannte Wagen mit Baujahr 1948 blieb damals irgendwo in der Wildnis liegen. Neil Young musste mit seinen "Squires" zu Fuß weiter, um Hilfe zu holen. Dabei wurden sie von einem Schwarm Kriebelmücken überfallen, die sie völlig einhüllten. Ein Trapper rettete die "Squires" und ließ sie in seiner Holzhütte übernachten, ehe Neil Young  am nächsten Tag seinen Leichenwagen Mort für die Weiterfahrt wieder flott machen konnte.


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