Freitag, 20. April 2012

21. April - Record Store Day mit Single der "Mynah Birds"

Am Samstag, 21. April, ist Record Store Day. An diesem Tag wird auf der ganzen Welt der guten alte Vinyl-Schallplatte gehuldigt. Der Record Store Day wurde 2008 in den USA ins Leben gerufen, ist aber inzwischen auch in vielen anderen Ländern ein Feiertag für Vinylplattenfans geworden. In Deutschland beteiligen sich ebenfalls unzählige Plattenläden an der Aktion und laden zum Stöbern ein. (Liste hier auf der offiziellen Record Store Day Internetseite).

Für die Fans von Neil Young lohnt sich der Record Store Day in diesem Jahr ganz besonders. Unter den limitierten Platten-Veröffentlichungen, die eigens für diesen Tag gepresst wurden, befindet sich auch eine Single mit zwei Titeln der „Mynah Birds“. Die A-Seite enthält "It's My Time", die B-Seite "Go On And Cry".

Neil Young hatte zu Beginn des Jahres 1966 für einige Wochen in der Band um den späteren Funkmusiker Rick James gespielt. Der nannte sich damals noch Ricky James Matthews. Bassist Bruce Palmer, der später Buffalo Springfield mit gründete, hatte Neil Young damals als Ersatz für den ursprünglichen Leadgitarristen in die Band geholt.

Die weltweit auf 5.000 Exemplare limitierte Single der „Mynah Birds“ enthält zwei Songs, die seinerzeit von der Band in Detroit für ein geplantes Album bei Motown aufgenommen wurden. Die Veröffentlichung wurde gestoppt, nachdem Sänger Rick James Matthews verhaftet wurde, weil er sich in Kanada der Einziehung in die US-Armee entzogen hatte.

Die kurze Phase bei den "Mynah Birds" gehört zu den dunklen Kapiteln in der Karriere Neil Youngs. So existieren fast keine Photos, die ihn mit der Band auf der Bühne zeigen. Auch der Zeitpunkt, zu dem er als Ersatz für den ausgestiegenen Gitarristen Tom Morgan einstieg, steht nicht genau fest. Angeblich soll Bruce Palmer Neil Young getroffen haben, als dieser mit Gitarre im Arm und Verstärker auf der Schulter die Yonge Street in Torontos angesagtem Stadtteil Yorkville entlang spazierte.

Die  Szene, wenn sie denn stimmt, spielte sich vermutlich im Januar 1966 ab, nachdem Neil Young mit seiner in "Four To Go" umgenannten Band "The Squires" gescheitert war. Die brachte es nur auf einen einzigen desaströsen Auftritt in einer Skihütte am Halloween-Abend des Jahres 1965. Neil Youngs anschließende Solo-Kariere als Folksänger mit 12-saitiger Akustikgitarre blieb ebenso erfolglos. Toronto, Neil Youngs Geburtsstadt, erwies sich damals als schwieriges Pflaster.

Einziges Foto der "Mynah Birds"
mit Neil Young (links)
Das sollte sich auch mit seinem Einstieg bei den "Mynah Birds" nicht ändern - Auch wenn zu Anfang alles nach einem Glücksgriff aussah: Die Band hatte unter ihrem ersten Manager, dem skurrilen Coffeehouse-Betreiber Colin Kerr, schon Singles veröffentlicht. Mit John Craig Eaton hatten sie danach einen wohlhabenden Sponsor gefunden.

Der Sohn der reichen Eaton-Dynastie, die in Kanada eine große Kaufhauskette betrieb, stattete die Band mit neuem Equipment aus und sorgte für Auftritte. Die Band hatte auch schon einen Plattenvertrag mit dem Motown-Label in der Tasche. Im Grunde waren also alle Weichen auf Erfolg gestellt.

Die Plattenaufnahmen in Detroit brachten dann die erste Ernüchterung. Die Motown-Profis ließen die Bandmitglieder in einer fast einwöchigen Session die Tracks jeweils seperat einspielen. Viele Parts wurden sogar von Studiomusikern übernommen. Neil Youngs 12-saitige Gibson B-25-12 Akustikgitarre aus seiner kurzen Folk-Ära, die er mit einem DeArmons-Pickup verstärkt hatte, war auf dem endgültigen Mix so gut wie gar nicht mehr zu hören.

Rick Kames Memoiren
Finanzier Eaton spendierte Neil Young danach zwar eine nagelneue 6-saitige Rickenbacker E-Gitarre, aber viel Freude hatte der nicht mehr daran. Erst stellte sich heraus, dass der heroinabhängige Bandmanager Morley Shelman den Vorschuss unterschlagen hatte, den Motown den "Mynah Birds" zahlte. Und schließlich wanderte Sänger Ricky James Matthews wegen Fahnenflucht hinter Gittern. Die bereits für den 5. März 1966 angekündigte Single "I've Got You In My Soul" erschien ebenso wenig, wie das geplante Album. Die Band löste sich vorerst auf.

Neil Young am Record
Store Day 2010
Neil Young und Bruce Palmer versetzten einen Großteil des Bandequipments und kauften von dem Geld einen alten Leichenwagen, mit dem sie im März 1966 nach Kalifornien fuhren - der Beginn einer Weltkarriere.

Die machte später auch Ricky James Matthews. Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, kam er erneut bei Motown unter Vertrag und veröffentlichte als "Rick James" zahlreiche Alben. Mit seinem extrovertierten Charakter und glamourösen Auftreten gehörte Rick James zu den schillerndsten Vertretern des Motown-Funks. Er starb 2004 im Alter von 56 Jahren. Seine Memoiren wurden posthum 2007 unter dem Titel "Confessions of A Superfreak" veröffentlicht.

Übrigens wurde Neil Young am Record Store Day 2011 beim Besuch eines Plattenladens in Los Angeles fotografiert. Während er im Hintergrund interesiert eine LP von "It's A Beautiful Day" betrachtet, ist im Vordergrund eine LP von Rick James im Plattenregal zu sehen. Der Record Store Day ist also für viele Überraschungen gut ...


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