Donnerstag, 23. Februar 2012

Harvest und das rollende Studio der Rolling Stones

Das Mobile Studio innen
Als Neil Young zusammen mit seinem Produzenten und Orchester-Arrangeur Jack Nitzsche am 1. März 1971 die Aufnahmen mit dem „London Symphony Orchestra“ (LSO) für „Harvest“ einspielten, stand draußen vor der Halle der Aufnahmewagen der „Rolling Stones“. Neil Young hatte das fahrbare Tonstudio gemietet, weil die Versammlungshalle im alten Rathaus des Londoner Stadtteils Barking – die Barking Town Hall“ zwar eine tolle Akustik für klassische Aufnahmen hatte, aber keine Aufnahmetechnik.

Der Mobile Studio Truck
Die Orchester-Session, bei der Neil Young am Piano live mit dem Orchester spielte, wurde damit von demselben mobilen Studiowagen aufgenommen, das für viele berühmte Aufnahmen verantwortlich war. Die „Die Rolling Stones” selber haben unter anderem ihre Alben "Sticky Fingers" (1971) und "Exile On Main St" (1972) sowie zahlreiche Live-Aufnahmen mit dem Mobile Sudio produziert.

Berühmt ist auch die Aufnahme des „Deep Purple“ Albums „Machine Head“, als der Aufnahmewagen unmittelbar neben dem in Brand geratenen Aufnahmeort, dem Casino in Montreux, parkte. „Deep Purple“ haben sich bekanntlich von dem brennenden Casino am Genfer See zu ihrem Mega-Hit „Smoke on the Water“ inspirieren lassen. Im Songtext kommt auch das fahrbare Studio der Stones vor: "We all came out to Montreux on the Lake Geneva shoreline / To make records with a mobile - We didn't have much time ".

Die “Rolling Stones” hatten die Idee zu ihrem “Mobile Studio” 1968 umgesetzt, als sie in aller Ruhe in Mick Jaggers Landhaus in Stargroves, England produzieren wollten. Kurzerhand wurde der Kontrollraum für die Aufnahmen von der Firma "Helios Electronics" in einen Lastwagen eingebaut. Fertig war das erste mobile Mehrspur-Tonstudio der Welt.

Barking Town Hall, London
Die Idee der "Rolling Stones" schlug in der Musikszene ein wie eine Bombe und der Studiowagen wurde auch von vielen andere Bands gebucht. Einer der langjährigen Tontechniker, die mit dem Studio im Truck arbeiteten, war Glyn Johns, der auch die Regler bei Neil Youngs Aufnahmen für „Harvest“ in London bediente.

Das Mobile Studio der "Rolling Stones" erhielt im Laufe der Zeit immer wieder eine Aufrüstung der eingebauten Studiotechnik. Später kam sogar Rundfunktechnik hinzu, um den Wagen auch bei TV-Übertragungen einsetzen zu können. 1993 stellten die Stones den Wagen dann außer Dienst.

Drei Jahre später, 1996, ersteigerte ein Studio in New York den Wagen und setzte ihn noch für einige Jahre bei Undergroundproduktionen ein - unter anderem mit den Ramones und Patti Smith. Seit Ende 2000 ist der Wagen endgültig stillgelegt und befindet sich im Besitz einer Stiftung im kanadischen Calgary, die ihn in einem Museum ausstellt.

Neil Young hat das Konzept der "Rolling Stones" für sein Album "Harvest" übernommen. So wie die Stones in Mick Jaggers Landhaus aufnahmen, so produzierte Neil Young auch den zweiten Teil des Albums auf seiner Ranch in Nord-Kalifornien. Die Sessions in einer Scheune der "Broken Arrow"-Ranch wurden mit einem mobilen Aufnahmestudio der Wally Haider Studios aus Los Angeles aufgenommen.


Video: Dokumentaraufnahmen von Neil Youngs Session mit dem „London Symphony Orchestra“ 1971



Video: Das rollende Studio in einem Museum in Calgary




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