Vor 50 Jahren - am 18. März 1976 - stand Neil Young zum ersten Mal auf einer deutschen Bühne. Zusammen mit seiner legendären Backing-Band "Crazy Horse" führte ihn die zehnte Station der Japan und Europa-Tour in eine beschauliche Kleinstadt in Baden-Württemberg, unmittelbar vor den Toren Heidelbergs gelegen. Schauplatz von Neil Youngs Deutschlandpremiere war die Rhein-Neckar-Halle in Eppelheim.
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| Rhein-Neckar-Halle Eppelheim |
Rock-Mekka Eppelheim
Eppelheim war in den 70er und 80er Jahren so etwas wie ein Mekka der Rockmusik. Die Rhein-Neckar-Halle, ein schlichter Mehrzweckbau mit einem Fassungsvermögen von 8.000 Besuchern, war die größte Halle im Rhein-Neckar-Kreis und stand damals auf dem Tourneeplan vieler Bands. Der große Einzugsbereich um Heidelberg und Mannheim sowie die vielen in der Region stationierten amerikanischen Soldaten garantierten guten Besuch.
Das galt auch für den ersten Auftritt von Neil Young in Deutschland. Die Eintrittskarten gingen zum „Einheitspreis“ von 16 D-Mark "zzgl. Vorverkaufsgebühr" über die Theke der Theaterkassen – das Internet war ja noch nicht erfunden. Einen Tag später in Offenbach kostete die Karte übrigens mit 16,50 D-Mark satte 50 Pfennig mehr. Wie üblich, gab Young ein akustisches und ein elektrisches Set. Er spielte eine Mischung aus Klassikern seiner Alben bis Harvest und neuen Stücken, die in Youngs sehr kreativen Jahr 1975 geschrieben, zum Teil aber erst Jahre später auf Platte erschienen.
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| Eintrittskarte |
Unter den Besonderheiten der Eppelheimer Setlist ragt unter anderem das bis heute unveröffentlichte "Sad Movies" heraus, das er in jenem Jahr 1976 überhaupt erstmals live - und das auch nur auf fünf Konzerten - präsentierte. Erst über 30 Jahre später, im Jahr 2007, sollte der Song dann wieder in Youngs Setlisten auftauchen. Auch "Let it Shine" hatte Neil Young zuvor nur zwei Mal in Japan gespielt.
Der Song stammte aus seinen vor Crazy Horse verheimlichten Platten-Aufnahmen mit Stephen Stills in Miami zu Beginn des Jahres 1976. Er wurde später im Jahr auf Youngs und Stills' Album "Long May You Run" veröffentlicht. Live tauchte der Song nach der Show in Eppelheim nur noch in Amsterdam und London wieder im Programm auf. Danach stand er nur noch drei Mal auf der Setlist der unglückseligen US-Tour der Stills-Young-Band im Sommer 1976.
Als Zugabe und als Tourdebut ab es "Barstool Blues" vom ein Jahr zuvor erschienenen Album „Zuma“, ebenfalls erst zum zweiten Mal überhaupt in einer Live-Version zu hören. Insgesamt 17 Songs spielten Neil Young & Crazy Horse an diesem Abend und standen dabei etwa 85 Minuten auf der Bühne.
| Cover des Bootlegs |
Die Japan und-Europa Tour von Crazy Horse im Jahr 1976 ist auf Band und Film gut dokumentiert. Das Konzert am 11. März in der Budokan Hall in Tokio wurde ebenso offiziell mitgeschnitten wie die Show am 31. März im Londoner Hammersmith Odeon. Beide Mitschnitte wurden inzwischen auf CD und als DVD in den Neil Young Archives Vol. 3 offiziell veröffentlicht. Vom ersten deutschen Konzert in Eppelheim existiert eine Bootleg-CD.
Musikalisch bot die Tour rauen, ungeschliffenen Crazy-Horse-Sound vom Feinsten, den die vier Musiker meist unter erheblichem Drogeneinfluss produzierten. Legendär sind die Versionen von "Like a Hurricane", das ein Jahr zuvor entstand und 1977 auf "American Stars ’n Bars" erschien.
Viele Tour-Geschichten ranken sich dann auch um Konsum und Beschaffung von LSD und Marihuana. In "Shakey" zitiert Autor Jimmy McDonough Gitarrist Frank "Poncho" Sampedro mit einer Anekdote vom Abflug in Hamburg nach Paris. Bereits im Flugzeug sitzend, versuchte Sampedro damals verzweifelt, ein Päckchen Haschisch erst in den Sitz und dann in seine Hose zu stopfen, da plötzlich mit Maschinenpistolen bewaffnete deutsche Polizisten vor ihm auftauchten. Seine Panik verging erst, als sich die uniformierten Beamten als harmlose Autogrammjäger entpuppten.
Fun Facts
Mit der Horse-Tour 1976 wurde "Like A Hurricane" erstmals live präsentiert. In Eppelheim war Neil Youngs Klassiker zum ersten Mal in Deutschland zu hören. Ob Eppelheim darüber glücklich war, ist allerdings die Frage. Im gleichen Jahr 1976 wurde die Region um die Stadt nämlich von einem schweren Sturm heimgesucht, der erhebliche Schäden anrichtete. Dabei wurde unter anderem auch das Wahrzeichen der Stadt Eppelheim, der Wasserturm von 1907, beschädigt. Der Sturm verbog dessen Spitze, die dann aufwändig repariert werden musste. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Deutschlandpremiere von "Like A Hurricane" ist allerdings nicht belegt.
Interessant: Im Jahr 1976 gastierten in Eppelheim auch noch andere Künstler, die einen direkten Bezug zu Neil Young hatten: Am 13. Juni traten dort James Taylor und Linda Ronstadt auf, die beide Backing Vocals auf Youngs vier Jahre zuvor erschienenem Hit-Album "Harvest" sangen. Auch Neil Youngs CSNY-Kumpels David Crosby und Graham Nash gastierten am 13. September in der Rhein-Neckar-Halle - auch sie ebenfalls erstmals in Deutschland auf Tournee.
Die 1970 erbaute Rhein-Neckar-Halle in Eppelheim wurde Anfang 2024 abgerissen. Sie durfte da wegen Brandschutzmängeln schon seit mehreren Jahren nicht mehr für Großveranstaltungen genutzt werden. Für große Rockkonzerte in der Region steht heute vor allem die SAP-Arena in Mannheim auf dem Tourplan vieler Bands. Neil Young gastierte 2019 dort mit "Promise of the Real" – 43 Jahre nach seinem Konzert in Eppelheim.
Hinweis: Dies ist die aktualisierte Version eines Artikels vom 18. März 2016, der zum 40. Jahrestag des ersten Konzerts von Neil Young in Deutschland auf "Rusted Moon" erschien.




Nette Erinnerung, hab ihn damals in Offenbach gesehen.
AntwortenLöschen"Mellow my mind"
Gruss
K-H
Ich mag derartige Erinnerungen auf besondere Ereignisse. Aber dabei gilt, stets den Blick für's Heute zu bewahren.
AntwortenLöschenAuffallend ist, dass Neil mit 30 bereits als legendär galt.