Januar 30, 2026

Wegen Trump: Verlässt Neil Young seine Plattenfirma?

Neil Young - Donald Trump - Warner Music
Neil Young macht ernst. Aus Wut über die Trump-Administration ruft der Musiker zum Boykott aller Unternehmen auf, die den US-Präsidenten unterstützen. Auf seiner Website veröffentlichte er eine Liste dieser Firmen inklusive der Kontaktadressen ihrer Eigentümer, damit Bürger ihrem Ärger Luft machen können.

Young selbst hat seine Musik bereits von Amazon abgezogen und plant, aus Protest seinen Mobilfunkanbieter Verizon zu wechseln. Auch auf neue Apple-Computer will der Musiker künftig verzichten. Apple-CEO Tim Cook wirft er vor, die Premiere des Melania-Trump-Films im Weißen Haus besucht und damit "Trumps Hintern geküsst" zu haben. Zudem beteiligte er sich am "National Shutdown" – einem landesweiten Streik am 30. Januar gegen die Tötung zweier US-Bürger durch ICE-Kräfte –, indem er an diesem Tag seinen offiziellen Webstore schloss.

Auf seiner Homepage kündigte Neil Young zudem an, sich sukzessive von allen Unternehmen zu distanzieren, die das seiner Meinung nach "faschistische Trump-Regime" unterstützen. Dabei macht er womöglich nicht einmal vor seinem eigenen Plattenlabel halt. "Und was ist mit meiner großartigen Plattenfirma Warner Bros. Records? Ich halte euch auf dem Laufenden", schrieb der 80-Jährige, der – mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos bei Geffen Records – seit fast 60 Jahren mit Warner zusammenarbeitet. [Weiter: Warner Music & Trump ...]

Dessen Musiksparte wurde 2011 aus dem Warner-Brothers-Konzern ausgegliedert und gehört seitdem als "Warner Music Group" dem russischstämmigen US-britischen Milliardär Leonard "Len" Blavatnik. Er erwarb die Gruppe im Mai 2011 über seine Beteiligungsgesellschaft Access Industries für 3,3 Milliarden US-Dollar und integrierte sie in sein weitreichendes Portfolio, das auch Investitionen in Chemie, Immobilien und Telekommunikation umfasst.

Im Juni 2020 brachte Blavatnik Warner Music zurück an die Börse (NASDAQ), hält aber weiterhin die Mehrheit und damit maßgeblichen Einfluss. Aufgrund seiner finanziellen Verbindungen zu Donald Trump und dessen Umfeld – etwa durch Spenden an das Inaugurationskomitee – birgt Blavatniks Eigentümerposition politische Sprengkraft. Dies könnte Neil Youngs Geschäftsbeziehungen zu dem Label, das seine Musik über das Unterlabel Warner/Reprise vertreibt, auf eine harte Probe stellen.

Das komplexe Netzwerk: Blavatniks Verbindungen zu Donald Trump

Len Blavatnik Foto: Mark Neyman/Government Press Office of Israel
Len Blavatnik 2018

Die Beziehung zwischen dem Milliardär Blavatnik und Donald Trump ist weniger durch direkte persönliche Freundschaft als vielmehr durch ein dichtes Geflecht aus finanzieller Unterstützung und gemeinsamen Schlüsselfiguren geprägt. Der in der Sowjetunion geborene Unternehmer, der sein Vermögen unter anderem durch die Privatisierung russischer Staatsbetriebe machte, gilt als einer der reichsten Menschen der Welt.

Politisch agierte Blavatnik zunächst ambivalent. Während er im Vorwahlkampf 2016 noch Millionen an republikanische Rivalen Trumps und sogar an eine Anti-Trump-Gruppe spendete, änderte sich dies nach der Wahl: 2017 unterstützte Blavatnik Trumps Inaugurationskomitee mit einer Million US-Dollar. Diese Zuwendungen rückten ihn später in den Fokus des Berichts von Sonderermittler Robert Mueller zur Untersuchung russischer Einflussnahme auf die US-Politik. Zudem waren zwei Mitglieder der ersten Trump-Regierung zuvor als Lobbyisten für Blavatniks Firma Access Industries tätig.

Weitaus bedeutender sind die indirekten Verbindungen über Geschäftspartner. So unterhält Blavatnik enge geschäftliche Beziehungen zu Steve Witkoff, Trumps engem Vertrauten und Sondergesandten für Russland. Berichten zufolge haben beide gemeinsam über eine Milliarde Dollar in Immobilien in New York und Florida investiert. Auch zu Steven Mnuchin, Trumps Finanzminister der ersten Amtszeit, bestand eine Verbindung: Mnuchin war Partner der Filmfinanzierungsfirma RatPac-Dune, an der Blavatnik später Anteile hielt. RatPac zählt zudem zu den Produzenten des Dokumentarfilms über Trumps Ehefrau Melania, dessen Lizenzrechte sich Amazon für 40 Millionen US-Dollar gesichert hatte. Regisseur von "Melania" ist Brett Ratner, dessen Geschäftsanteile an RatPac 2017 von Blavatniks Investmentfirma Access Industries übernommen wurden.

Jüngst traten auch ideologische Parallelen zutage. Als Großspender der Harvard University fror Blavatnik seine Zuwendungen ein, da er der Universitätsleitung – im Einklang mit der Kritik aus Trumps Lager – vorwarf, nicht entschieden genug gegen Antisemitismus auf dem Campus vorzugehen. Trotz gelegentlicher Spenden an Demokraten bleibt Blavatnik durch sein Investitionsnetzwerk fest im Trump-Lager verankert.

Trennung von Warner/Reprise wäre kompliziert

Neil Young - Shakey Picture Records logo
Ob Neil Young dies letztlich zum Anlass nimmt, seine langjährige Verbindung zu Warner/Reprise infrage zu stellen, bleibt abzuwarten. Zwar besitzt der Musiker mit Vapor Records ein eigenes Label und hat bereits mehrere Archivalben über "Shakey Pictures Records" veröffentlicht, auf die Vertriebswege und Logistik des Warner-Konzerns wird er jedoch kaum verzichten können. Das gilt erst recht für aufwendige Produktionen wie seine ORS-Boxsets oder die noch ausstehenden Ausgaben der "Neil Young Archives".

Warner/Reprise Zeitungsanzeige 1969
Auch Fragen zu Musikrechten und vertraglichen Verpflichtungen könnten eine rein politisch motivierte Trennung zu einer langwierigen und komplexen Angelegenheit machen, die sich ein inzwischen 80-Jähriger sicher zwei Mal überlegen wird. Aber überraschende Entscheidungen gegen haben die Karriere des eigensinnigen Rockmusikers schon immer begleitet. Neil Youngs Ankündigung, die Öffentlichkeit über seine Überlegungen zum Verhältnis Warner/Trump auf dem Laufenden zu halten, dürfte daher in den kommenden Wochen noch für Spannung sorgen.

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8 Kommentare :

  1. Danke nochmals für diese spannende Hintergründe von Warner. Wusste ich noch nicht. Deine Seite wird immer gehaltvoller. Bin mittlerweile jeden Tag hier. Wenn Du zur Finanzierung deiner Seite Spenden annehmen würdest . Lass es uns wissen. Gerade in diesen Zeiten brauchen wir unabhängige Seiten bzw Journalismus! Danke MM

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  2. In Deutschland erscheinen seine Aufnahmen dann auf dem Omimi Label, in Italien auf nonnana usw ;-)

    Gruss

    K-H

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    1. Die Platten uerfen natuerlich nur in Tante Emma Laeden verkauft werden, Anlieferung mit Postkutsche ;-)

      Gruss

      K-H

      PS Natuerlich auch in Onkel Emil Laeden

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  3. Kann die Wut von Neil verstehen aber er wird durch diese Aktion nicht viel bewirken. Die Konzerne sind so mächtig das es ihnen komplett egal ist was Neil denkt.

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    1. Alternative? Einfach alles so weiterlaufen lassen? Ein Versuch ist es doch wert. Und wenn wir, die Konsumenten, ihn unterstützen und z.B. auf Amazon verzichten kann es doch was werden. LG, A.

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    2. Wo fängt man mit einem Boykott an und wo hört man auf. Wenn man die Gesinnung von Neil zu Grunde legt dürfte man auch keine Produkte aus China kaufen.
      Die einzige Möglichkeit diesen Albtraum zu beenden fängt bei den Zwischenwahlen an und hört bei der nächsten Präsidentenwahl auf mit der Hoffnung das die nächste Regierung mit dem ganzen Müll aufräumt.

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    3. Ja, da hast du nicht Unrecht. Alles und jeden der irgendwie Dreck am Stecken hat wird man nicht boykottieren können. Dennoch leben die Großkonzerne, wie etwa Amazon, letztendlich von unserem Kapital und wenn man auf deren Dienstleistungen verzichten kann sollte man es meiner Meinung nach tun. Und natürlich hoffe ich wie du auf die Zwischenwahlen und die nächsten Präsidentschaftswahlen. LG, A.

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  4. Nichts für ungut, aber solange Hr. Young seine Archives (https://neilyoungarchives.com/) über AWS (Amazon Web Service) hosted ist das so eine halbherzige Sache

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