Montag, 30. Juni 2014

Leichter Schlaganfall: Billy Talbot sagt Europa-Tour ab

Billy Talbot
Schlechte Nachrichten kurz vor Start der Europatour: Neil Young & Crazy Horse müssen auf ihren Bassisten Billy Talbot verzichten. Wie heute offiziell von Neil Youngs Plattenlabel Warner mitgeteilt wurde, kann das 70-jährige Gründungsmitglied der Band wegen eines leichten Schlaganfalls nicht bei der kommenden "Alchemy Tour 2014" dabei sein. Talbots Ärzte, so die Mitteilung weiter, erwarten eine vollständige Genesung, raten aber von einer Tourteilnahme ab. Für Billy Talbot rückt Rick "The Bassplayer" Rosas nach. Außerdem werden die Sängerinnen Dorene Carter und YaDonna West von Gruppe "Mahogany Blue" als Backkground-Sängerinnen auf der Tour dabei sein.

Damit bestätigen sich Gerüchte, die seit einer Woche im Internet kursierten. Unter andere hatte Ian McNabb, Freund der Band und Opening Act beim Konzert in Liverpool berichtet, dass Talbot gesundheitlich angeschlagen sei. Schlagzeuger Ralph Molina sprach auf Facebook von keinem "ernsthaften Gesundheitsschaden". Gott habe Billy Talbot geschützt und mit "leichten Schmerzen" einen "Weckruf" erteilt, so der Crazy Horse-Drummer. Es gebe keinen Grund, sich Sorgen zu machen, Talbot gehe es gut.

Neil Young musste Ersatzmann Rick Rosas bei seiner Ehefrau Pegi loseisen. Die will im Juli mit ihrer Band "The Survivors" auf US-Tournee gehen, um ihr kommendes Album zu promoten. Rick Rosas Part in Pegi Youngs Band wird jetzt James Hutch Hutchinson übernehmen, Bassist bei Bonnie Raitt. [Weiter mit Rick Rosas ...]

Rick Rosas
Rick Rosas
Billy Talbot war bislang in allen Line-Ups von "Crazy Horse" dabei. Ohne ihn hätte es die Band und die Zusammenarbeit mit Neil Young auch wohl nie gegeben. Es war Talbots Haus im Laural Canyon, in dem sich die Mitglieder der Vorgängerband "The Rockets" und andere Bewohner des Canyons zu ausgedehnten Jams trafen. Neil Young stieß damals dazu und rekrutierte 1968 Billy Talbot, Ralph Molina und Danny Whitten als Begleitband für eine Tour und sein Album "Everybody Knows This Is Nowhere" von 1969. Seit dem hat der Bassist kein Album Youngs mit "Crazy Horse" und keine Tournee mit der Band verpasst - bis zum Sommer 2014.

"Ersatzmann" Rick Rosas hat seit der Bluenotes-Tour von 1988 über die Jahre in verschiedenen Begleitbands und auf zahlreichen Alben für Neil Young gespielt. Bis auf das aktuelle Material vom Album "Psychedelic Pill" hat er nahezu alle Songs auf seinem Lakeland-Bass begleitet. Zusammen mit Schlagzeuger Ralph Molina stand Rosas zuletzt 2008 während der Continental-Tour auf der Bühne. Auch mit Frank "Poncho" Sampedro spielte er schon in einer von Youngs Bands zusammen. Mit den beiden verbliebenen "Crazy Horse"-Musikern ist Rick Rosas also ebenso vertraut wie  mit Neil Young selbst. Laut Datenbank von sugarmtn.org stand er bisher 281 Mal mit ihm auf der Bühne.

Yadonna West
Im Background:
Yadonna West
Trotzdem ist "Crazy Horse" mit Rick Rosas natürlich etwas Anderes, als mit Billy Talbot. Schließlich spielt die Band in der Formation mit Young, Talbot, Molina und Sampedro seit 1975 unverändert zusammen. Talbots Background-Gesang spielt zudem eine wichtige Rolle im typischen Gesamtsound von "Crazy Horse". Vor allem Talbots Gesangsparts in den Songs von "Psychedelic Pill" wird Rick Rosas nicht ersetzen können. Die Entscheidung Neil Youngs, zwei Background-Sängerinnen mit auf Tour zu nehmen, macht daher Sinn. Schon auf der Tour mit "Crazy Horse" 2001 hatte Neil Young mit Pegi und Astrid Young eine ähnliche Besetzung.

Wichtig aber ist: Billy Talbot geht es gut, er wird sich nach Meinung der Ärzte erholen, nur drauf kommt es an. Und zweitens: Eine Tour mit Rick Rosas als Teil von "Crazy Horse" ist immer noch besser, als keine Tour. Eine erneute Tourabsage nach dem Abbruch wegen "Poncho" Sampedros Handverletzung im letzten Jahr war für Neil Young keine Alternative. 18 ausgefallene Shows, davon viele Premieren in Ländern, in denen die Band noch nie gespielt hat, wären ein hoher Preis gewesen. Die Lösung mit Rick Rosas, so sehr der Verlust Billy Talbots im Line-Up auch schmerzen mag, ist mehr als akzeptabel. 

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