Freitag, 18. Oktober 2013

Zwei Denker am Mischpult: Jim Morrison und Neil Young

Neil Young, Jim Morrison 1967
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Zwei Musiker, zwei Bands, dasselbe Studio, dieselbe Pose: Neil Young und Jim Morrison 1967 als Rodins "Denker" im Kontrollraum der "Sunset Sound Studios" in Los Angeles. Noch ein interessantes Detail: Beide Musiker sitzen abseits ihrer jeweiligen Kollegen an der Konsole, während der Rest der Band mitsamt Begleitung aufgereiht auf der Besucherbank davor sitzen.

Zwischen den beiden Fotos liegen nur wenige Wochen. "The Doors" haben im "Sommer 1967 (Mai bis August) im Studio One des "Sunset Sound" ihr zweites Studioalbum "Strange Days" aufgenommen. "Buffalo Springfield" produzierten dort von Sommer bis Herbst 1967 ebenfalls ihr zweites Album: "Buffalo Springfield Again". Das Foto von Jim Morrison und "The Doors" stammt von Fotograf James Fortune, während Neil Young und Buffalo Springfield von Tom Gundelfinger O'Neal fotografiert wurden. Dessen Aufnahmen stammen von September 1967. Zu der Zeit produzierte Richie Furay seinen Song "Sad Memory" für das Album. Neil Young bastelte im gleichen Monat an einem Großteil der 117 Takes seiner Songcollage "Broken Arrow". [Weiter mit Neil Young & "The Doors" ...]

Rodins "Der Denker"
Welchen Moment O'Neal genau festhielt, lässt sich nicht ganz genau klären. Neil Youngs Platz an der Konsole spricht aber für die Aufnahme von "Broken Arrow", zumal im Vordergrund Stephen Stills zu sehen ist. Der spielte wie Richie Furay einen der drei Gitarrenparts in "Broken Arrow". Furay ist auf anderen Fotos der Serie ebenfalls zu sehen. Toningenieur bei dem Song war Jim Messina, der im "Sunset Sound" als Techniker arbeitete, bei "Buffalo Springfield" später Bruce Palmer am Bass ersetzte und 1968 das dritte und letzte Album der Band produzierte. Auf dem oben Foto ist Jim Messina hinter Neil Young an der Konsole zu sehen - Ein weiteres Indiz dafür, dass das Foto während einer Aufnahmesession für "Broken Arrow" entstand.

Fast wären Album und Foto gar nicht entstanden: Neil Young war nämlich nur wenige Wochen zuvor zu "Buffalo Springfield" zurückgekehrt, nachdem er die Band im Juni 1967 verlassen hatte. Die ohnehin latent vorhandene Spannung zwischen Neil Young und Stephen Stills war im Streit um einen Auftritt in der Johnny Carson TV-Show und der Teilnahme von "Buffalo Springfield" am Monterey Popfestival eskaliert. Neil Young stieg aus und arbeitete zusammen mit Jack Nitzsche an einem Soloprojekt. Während dieser Zeit nahmen Young und Nitzsche den Song "Expecting To Fly" auf, der später ebenfalls auf dem zweiten Album der Band erscheinen sollte. Die beiden hatten sogar ernsthaft Pläne verfolgt, nach England auszuwandern. Erst kurz vor der geplanten Abreise im August entschied sich Neil Young dann doch, in Kalifornien zu bleiben - und stieg Mitte August wieder bei "Buffalo Springfield" ein.


Der Anfang vom Ende

Dennoch war danach nichts mehr wie in den Anfangstagen der Band. Während das erste Album "Buffalo Springfield" in der damals üblichen Weise weitgehend bei Studio-Live-Sessions aufgenommen wurde, kam die Band beim zweiten Album "Buffalo Springfield Again" fast nie zusammen ins Studio. Die Songwriter Neil Young, Stephen Stills und Richie Furay produzierten ihre eigenen Songs selbst. Meist wurden in mehreren Sessions aufwändig einzelne Tracks aufgenommen und übereinander gemixt. Selten standen die "Buffalos" dabei gemeinsam im Aufnahmeraum. Bei vielen Tracks wurde auch mit Gastmusikern gearbeitet.

Die aufwändige Produktion, bei der viel mit Effekten und Soundcollagen gearbeitet wurde, war auch das Ergebnis des im Sommer erschienenen Beatles-Album "Sgt. Pepper". Statt einfacher Bandmusik waren plötzlich Konzeptalben mit abgedrehten Soundtüfteleien angesagt. Vor allem bei Neil Youngs Songs "Expecting To Fly" und "Broken Arrow" ist der Einfluss von "Sgt. Pepper" deutlich spürbar.

Beach Boys - Buffalo Springfield
Die "Beach Boys" und die Büffel
Ebenfalls interessant: Neben Stephen Stills sitzt der damalige Bassist der "Beach Boys", Bruce Johnston auf der Studiobank. Von Johnston und Young existiert noch ein anderes Fotos aus dieser Zeit, das beide Musiker beim Einkauf zeigt. Die enge Kooperation zwischen "Buffalo Springfield" und den "Beach Boys" wird außerdem auf dem Cover des Albums deutlich: In der Liste der Danksagungen tauchen auch die Namen der "Beach Boys"-Bandmitglieder auf.

Im November 1967 - dem Erscheinungsmonat des Albums "Buffalo Springfield Again" -  gingen die Bands sogar gemeinsam auf Tour. Die "Buffalos" eröffneten dabei als Vorgruppe für die "Beach Boys". Es war die allererste große Tournee für Neil Young, der bis dahin mit seinen "Squires" nur per Leichenwagen und Zug in Kanadas Provinz getingelt war. Die "Beach Boys Thanksgiving Tour 1967" wurde dagegen im Privatflugzeug der Surf-Band absolviert.


Neil Young und "The Doors"

Whisky A Go Go - 1967
"Doors" und "Byrds" im "Whisky", Mai
1967 - Buffalo Springfield spielten auch
Neil Young und Jim Morrison kannten sich seit den ersten Tagen von "Buffalo Springfield". "The Doors" eröffneten im Mai 1966 im Whisky-A-Go-Go in Los Angeles als Vorgruppe für "Buffalo Springfield", deren Karriere sich dann erheblich schneller entwickelte, als die der "Doors". Beide Bands spielten danach oft zusammen im "Whisky" und liefen sich in dieser Zeit auch bei anderen Gigs über den Weg.

Neil-Young-Biograph Jimmy McDonough liefert in "Shakey" eine nette Anekdote aus den gemeinsamen Anfangstagen der Bands: Barry Friedman und Paul Rothchild, die beiden damaligen Manager der Bands, sitzen im "Whisky" und sehen sich die Auftritte von "Buffalo Springfield" und "The Doors" an. Man diskutiert darüber woran man erkennt, ob eine Band nur gehypet wird oder echten Erfolg hat. Darauf Paul Rothchild, Manager der "Doors": "Ganz einfach: An der Klasse der Frauen, die um sie herum sind. Die Frauen um die "Springfield" haben sehr viel Klasse!"

Morrison-Biograph Stephen Davis schreibt in "Jim Morrison: Life, Death, Legend", dass der Doors-Sänger Neil Youngs "Mr. Soul" besonders mochte und später eine Vorabkopie von Neil Youngs Album "Everybody knows this is Nowhere" in Dauerrotation hatte. Neil Young wohnte während seiner Zeit im Laurel Canyon in unmittelbarer Nachbarschaft zum Drummer der "Doors", John Densmore.

Auch bei den Aufnahmesession für die beiden Alben im "Sunset Sound Studio" 1967 gibt es ein verbindendes Element: Toningenieur Bruce Botnik war an beiden Alben beteiligt. Vor allem bei der aufwändigen Produktion von Neil Young "Expecting To Fly" war Botnik laut Aussagen von Jack Nitzsche maßgeblich beteiligt.


Frühes Plattencover

Das Cover war vorher fertig
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Eine weitere Verknüpfung bildet Eve Babitz. Die Künstlerin und Autorin, Patenkind von Igor Strawinski, war eine schillernde Figur und Chronistin der L.A. Musikszene. Sie war mit zahlreichen Protagonisten der Szene liiert, darunter auch Jim Morrison von den "Doors".

Auch mit Stephen Stills von den "Buffalo Springfield" war sie kurz zusammen. In "Shakey" wird Babitz mit der Aussage zitiert, dass Stills ihr gehörig auf die Nerven ging, weil er Platten von "Buffalo Springfield" immer und immer wieder auf ihrem alten Mono-Plattenspieler abspielte. Er wollte auf diese Weise hören, wie sie im Autoradio klingen würden. Ebenfalls in "Shakey" beschreibt sie Neil Young während seiner frühen Zeit in Los Angeles als "ein wenig unheimlich" und dass sie Angst vor ihm hatte.

The Doors - Strange Days
Cover "Strange Days"
Trotz dieser wenig schmeichelhaften Erlebnisse gestaltete Eve Babitz das Cover für "Buffalo Springfield Again". Auf den Fotos von Tom Gundelfinger O'Neal von der Session in den Sunset Sound Studios im September 1967 ist dieses Cover überraschend zu sehen. Es lehnt vor Neil Young an der Konsole. Das Cover des Albums war also mehr als zwei Monate vor der Veröffentlichung Mitte November 1967 fertig - noch bevor die letzten Takes aufgenommen wurden.

"Strange Days", das Album der "Doors" erschien einen Monat eher am 16. Oktober 1967. Im August 1967 erschien im L.A. Magazin "This Is Happening" ein interessanter Text von Ray Giles über die Aufnahmen zu "Strange Days", der die Atmosphäre gut wiedergibt. Ein Nachdruck des Artikels (in Englisch) ist hier auf der Webseite der "Doors" verfügbar. 


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