Donnerstag, 7. Februar 2013

"Old Black" vs. "Blondie" - Zwei Legenden im Vergleich

Neil Young und Bruce Springsteen
Neils Old Black und Bruce mit Blondie
Am Freitagabend steht Neil Young während der MusiCare-Gala zu Ehren von Bruce Springsteen auf der Bühne in Los Angeles. Über die beiden "Titanen des Rock" ist schon viel geschrieben worden – über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Die Geschichte der beiden Musiker ist aber auch die Geschichte von zwei legendären Gitarren. Denn auch die beiden Trademark-Instrumente von Neil Young und Bruce Springsteen weisen – genau wie ihre Spieler – einige erstaunliche Gemeinsamkeiten und Eigenheiten auf. Zugleich markieren sie als archetypische Gibson- und Fender-Gitarren die beiden Eckpfeiler des Gitarrenrocks. Ja, sie stehen für zwei unterschiedliche Lager von Gitarristen.
Hier ein Vergleich der beiden Gitarren-Legenden:


"Old Black"

Neil Youngs 1953er Gibson Les Paul "Old Black" ist eine Goldtop des zweiten Produktionsjahres. Davon war aber schon nicht mehr viel übrig, als er sie im Sommer 1968 von Jim Messina im Tausch gegen eine Gretsch 6120 bekam.

Neil Youngs "Old Black"
Youngs Old Black
Das Gold war schwarz überlackiert worden. Der Trapez-Saitenhalter war durch ein Bigsby B3 Vibrato ersetzt, und anstelle des P90 Pickups am Steg kam ein Gretsch Dynasonic Singlecoil zum Einsatz. Das Kunststoff-Schlagbrett war durch eines aus verchromten Messing ersetzt. Das gleiche Material kam auch als Stellstab-Abdeckung an der Kopfplatte zum Einsatz.

Die Kopfplatte unterschied sich zudem deutlich von Standard Les Pauls dieses Jahrgangs: Sie hatte ein weißes Binding und wurde durch ein Inlay anstelle des „Les Paul“-Schriftzugs verziert. Wegen des Inlays wird sogar vermutet, dass die Les Paul möglicherweise sogar einmal den Hals einer Gibson SG eingebaut bekam.


"Blondie"

Bruce Springsteens Fender
Springsteens Fender
Auch Bruce Springsteens Fender ist so ein "Humunkulus" von Gitarre. Lange Zeit als Esquire identifiziert gab der „Boss“ inzwischen preis, dass der Korpus in Wahrheit zu einer Telecaster aus den 1960er Jahren gehört. Der Hals hingegen stammt von einer Fender Esquier von Ende der 1950er Jahre. Die Esquire war ein Anfangs als Billigausgabe der Telecaster verkauftes Modell mit nur einem Pickup.

Springsteen kaufte seine Gitarre Anfang der 1970er Jahre vom Gitarrenbauer Phil Petillo in New Jersey, der über viele Jahre auch seine Gitarren betreute. Phil Petillo ist für Springsteen das, was Larry Cragg für Neil Young war.

Wie bei Neil Youngs Les Paul, so ist auch von Springsteens Fender Esquire/Telecaster nicht mehr viel von der ursprünglichen Farbe übrig. Das „Butterscotch Blonde“ ist im Laufe des Bühnenlebens fast verschwunden. Das darunterliegende nackte Holz prägt den Working-Man-Look der Gitarre. Auch das Schlagbrett entspricht – wie auch bei Neil Young - nicht dem Original. Auf dem Albumcover von „Born To Run“, wo die Gitarre 1975 erstmals zum Einsatz kam, ist ein Lederschlagbrett zu sehen, das in der Mitte ein Bild aufweist. Im Lauf der Jahre hat Springsteen immer wieder weitere Änderungen am Schlagbrett vorgenommen.

Phil Petillo, Larry Cragg
Phil Petillo, Larry Cragg
Das gilt auch für den Rest der Gitarre: Die Pickups sind Sonderanfertigungen von Phil Petillo. Die Mechaniken der Fender entsprechen ebenfalls nicht den Originalteilen. Auch Neil Young ersetze die Klusons von Gibson übrigens durch Schaller M6. Springsteen tauschte zeitweilig auch die Telecaster-Klinkenbuchse gegen ein Gibson-Modell aus. Neil Young wiederum ließ einen Schalter einbauen, der es ihm ermöglicht, die Toneregler der Les Paul zu umgehen.

Wie Neil Young, der das Bigsby B3 im Jahr 1973 durch ein B7 ersetzen ließ, variierte auch Bruce Springsteen die Brücke seiner Fender mehrmals und wechselte zum Beispiel von drei Saitenreitern auf sechs Reiter. Auch auf der Kopfplatte prangt ungewöhnliches: gleich zwei Saitenniederhalter aus unterschiedlichen Jahrgängen. Zudem sind die Bünde Spezialentwicklungen von Phil Petillo.  

"Born To Run" 1975
"Greatest Hits" 1995 
Die unzähligen Änderungen an Springsteens Fender waren über die Jahre zu umfangreich, um hier alle aufgeführt zu werden. Fest steht jedenfalls: Sowohl Neil Young als auch Bruce Springsteen spielten einzigartige Unikate statt einfacher Serienmodelle.

Einziger Unterschied: Während Neil Youngs „Old Black“ bis heute im Einsatz ist, hängt Bruce Springsteens Fender schon im Museum. Sie ist sozusagen schon in Rente. Die Gitarre kann hinter Glas in der „Rock and Roll Hall of Fame“ in Cleveland, Ohio besichtigt werden. Springsteen selber spielt einen Nachbau oder andere Telecaster-Modelle.


Video: Die Geschichte von Old Black





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