Samstag, 16. Juni 2012

Zurück in die Kindheit: Das etwas andere "Americana"-Album

Americana Auto-Album
Neil Young sagt, die Inhalte seines neuen "Americana"-Albums kenne jeder seit der Kindheit. In Deutschland hatten aber viele Fans schon in ihrer Kindheit "Americana"-Alben zu Hause. Mit Inhalten, die auch jeder kennt: Bunte Sammelbilder.

Die Sammelalben und Sammelbilder der Firma "Americana Kaugummi München" waren in den 1960er und 1970er Jahren sehr beliebt. Lange vor den heute populären Panini-Alben bediente der bayrische Kaugummiproduzent die Sammelwut von Kindern, Teenager - aber auch von vielen Erwachsenen. Die Sammelbilder steckten anfangs als Einwickelpapier in den Kaugummipäckchen von "Americana-Kaugummi". Das war Mitte der 1960er Jahre - Neil Young spielte damals in seinen ersten Bands.

Das Erfolgsgeheimnis: Die "Americana"-Bilder deckten viele Themenbereiche ab. Von Fußball über Comics, Autos, Flugzeuge, Karl-May-Filmen bis hin zu Fernsehserien wurde so ziemlich alles auf bunte Klebebildchen gedruckt. Bestseller waren aber klar die jährlichen Sammelalben mit den Mannschaften der Fußball-Bundesliga.

Ab 1971, Neil Young produzierte gerade sein Erfolgsalbum "Harvest", vertrieb das Unternehmen die Bilder dann separat in Tütchen - ohne Kaugummi. Aus "Americana-Kaugummi" wurde der Markenname "Americana München".

Eingeklebt wurden die Bilder in spezielle Sammelalben, die es für 50 Pfennige am Kiosk zu kaufen gab. Für 1,20 Mark konnte man sie auch direkt bei "Americana" in München bestellen. Wer nicht alle Bilder am Kiosk erwischte, musste entweder auf dem Schulhof mit anderen Sammlern tauschen oder die fehlenden Exemplare beim "Americana Bilderdienst" nachbestellen. Die Regeln dafür waren skurril ("Stecke pro Bild eine 10-Pfennig-Briefmarke in einen Briefumschlag") und streng ("Wir tauschen nicht. Man kann nicht mehr als 10 Bilder bestellen").

All diese Varianten, die klaffenden Lücken im Album zu schließen, waren also kein billiges Vergnügen. Ein vollständiges Sammelalbum hatte wegen der vielen doppelten und teuer zu erkaufenden oder zu tauschenden Fehlbilder einen stolzen Endpreis. Der Mythos, bestimmte Bilder seien absichtlich seltener als andere in den Tütchen, hält sich bei Sammlern bis heute.

Aber wie so oft, war ja der Weg das Ziel. Wer hat nicht mit solchen Bildern seine ersten "geschäftlichen Erfolge" erzielt, wenn man einen einzigen Beckenbauer gegen fünf oder sechs weniger prominente Kicker tauschte? "Americana" weckte geschickt die Urinstinkte der Sammler und Jäger - als gar kein so großer Unterschied zu Alben von Neil Young.

"Americana München" brachte 1981 sein letztes von über 50 Alben auf den Markt. Neil Young hatte da gerade sein elftes Studioalbum "Re-Ac-tor" veröffentlicht. Bis zu Neil Youngs "Americana"-Album sollten noch mehr als 30 Jahre vergehen. Der Musiker kommt damit auf insgesamt 34 Studioalben.

Hier eine kleine Auswahl alter "Americana"-Alben und Sammelbilder:


  

           


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Americana München Fan Homepage


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