November 25, 2010

Weihnachtsbastelei: Neils Paula zum Sparpreis

Weihnachtszeit ist Bastelzeit. Passend zum bevorstehenden 1. Advent hier ein Vorschlag, wie man für sich oder für einen Nachwuchs-Rustie eine „Les Paul Goldtop“ im Neil-Young-Style selber bauen kann. Und welche Gitarrenfarbe würde sich besser für ein Weihnachtsgeschenk eignen? Neil Young benutzt ja zwei Goldtops als Ersatz für seine „Old Black“ – die aber bekanntermaßen ja auch nur eine schwarz überlackierte „Goldtop“ ist.

Der Bauvorschlag berücksichtigt bewusst nur preiswerte "Les Paul“-Kopien und keine teuren Gibson-Originale. Je nach Preissegment der Kopie liegt der Gesamtpreis einschließlich der Zusatz- und Umbauteile bei ca. 435 bis 615 Euro. Also durchaus bezahlbar. Vorteil: Das Bigsby-Tremolo und den Mini-Humbucker kann man auch noch weiternutzen, wenn man später auf eine teurere Gitarre oder gar eine Original Les Paul umsteigt.

Grundlage der Bastelei ist zunächst eine preiswerte „Les Paul“-Kopie in Goldtop-Ausführung mit P90-Pickups. Es gibt auch Goldtop-Varianten mit zwei Humbuckern, aber da müsste man gleich zwei Pickups austauschen. Außerdem würden die neuen Tonabnehmer dann nicht in die vorhandenen Humbucker-Fräsungen passen. Hier sind drei Vorschläge aus dem recht unübersichtlichen Angebot an preiswerten LP-Kopien mit P90-Pickups:

1. Empfehlung: Eine VINTAGE V100GT des englischen Anbieters Vintage Icon, die mit brauchbarer Wilkinson-Hardware ausgestattet ist und eine halbwegs authentische Kopfplatte besitzt. Preis: ab 339,- €.

2. Eine Epiphone LES PAUL 56 GOLDTOP aus der Special-Run-Collection. Deren Kopfplatte entspricht nicht dem Gibson-Original, dafür sind im Gegensatz zu anderen Kopien die Korpusmaße authentisch. Epiphone ist ja eine Gibson-Tochter. Preis: ab 332,- €, aber nicht überall verfügbar.

3. Eine JACK & DANNY LSC GT GOLDTOP. Dieses Modell ist ein Beispiel für die Eigenmarken der großen Musikversandhäuser, in diesem Fall der MUSICSTORE in Köln. Hier wird für wenig Geld eine halbwegs authentische Form geboten, bei Holz und Hardware müssen qualitativ aber schon deutliche Abstriche gemacht werden. Ideal für Einsteiger und Anfänger. Preis: ab 159,- €.

Neil Young spielt seine Paulas aber nicht im Originalzustand. Es muss also „gepimpt“ werden. So hat der Meister bei seinen Paulas jeweils ein Bigby-B7-Tremolo angebaut. Ein Original Bigsby B7kostet im Handel ab 175,- €. Preiswertere Nachbauten sind schwer zu beschaffen. Gelegentlich findet man eine lizensierte Kopie unter der Bezeichnung B70. Es gibt von Düsenberg auch Bigbsy-ähnliche Tremolos, die sogar besser funktionieren als das Original - aber leider nicht mit der korrekten Neil-Young-Optik aufwarten. Da man ein Original Bigsby aber auch auf anderen Gitarren verwenden oder ohne große Verluste weiterverkaufen kann, rate ich zum Originalteil.

Am Steg verwendet Neil Young anstelle des P90-Pickups einen Mini-Humbucker, der aus einer Gibson-Firebird stammt. Ein solcher Original Austausch-Pickup wäre aber viel zu teuer. Daher hier als Vorschlag ein SEYMOUR DUNCAN SM-1 B Mini-Humbucker in Bridge-Ausführung, der ebenfalls brauchbare Dienste leistet. Preis: ab 89,- €. 

Der Mini-Humbucker passt in die Fräsung des ausgebauten P90 und wird direkt ins Holz geschraubt. Ein Rahmen verbessert natürlich die Optik und deckt unschöne Ränder ab. Ein passender Rahmen für Mini-Humbucker wäre z.B. der Göldo PL18C für schlappe 6,90 €. 

Neil Young hat das Kunstoffschlagbrett seiner Les Paul gegen eines aus Aluminium getauscht. Das kann man sich entweder selber aus einem Stück 1,5 - 2 mm dicken Aluminiumblech aussägen - das alte Schlagbrett einfach als Umriss übertragen - oder man besorgt sich dünneres Aluminiumblech (ca. 0,5), das man leicht mit einer Blechschere ausschneiden und mit Kontaktkleber auf das vorhandene Kunststoffschlagbrett kleben kann. Alublech gibt es in dickerer Ausführung in der örtlichen (KfZ)-Schlosserei, beim Schildermacher oder bei OBI (30x50cmx1,5 mm für 5,50 €). Als Mindestgröße reicht ca. 20 mal 30 cm aus. Dünneres Blech zum Aufkleben gibt's in Bastel oder Modellbauläden. Um auch die Trussrod-Abdeckung auf der Kopfplatte Neil-mäßig in Alu erstrahlen zu lassen, geht man genauso vor. Wer es sich ganz einfach machen will, pinselt alles einfach mit silberner Farbe für Plastikmodelle an oder besorgt sich selbstklebende BMF (=Bare-Metal-Foil) Aluminiumfolie im Modellbauhandel.

Für die Bastelei braucht man neben etwas Zeit und Geduld nur einen Lötkolben für die PU-Verdrahtung, einen Holzbohrer für die Schraubenlöcher von Bigsby und Humbucker nebst Rahmen sowie ggf. eine Metallsäge oder Blechschere für das Alublech. Schaltpläne, damit man weiß, wie man den Mini-Humbucker verdahten muss, sind im Netz, z.B. bei Seymour Duncan, zu finden. 

Fertig! Wer ganz authentisch sein will, baut sich noch einen Minischalter ein, mit dem die Pick-Ups direkt auf auf die Ausgangsbuchse gelegt werden können, und übermalt den Goldlack mit schwarzer Farbe für den original "Old Black"-Look. Aber das ist eher was für Experten oder den Gitarrenbauer.

Klanglich kann so ein Eigenbau natürlich nicht mit den teuren Gibson-Originalen aus den 50er Jahren mithalten. Aber für Nachwuchsgitarristen, die Wert auf authentische Optik legen, oder für das typische Neil-Young-Feeling zum Jammen zu Hause reicht es allemal.

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