Neil Youngs Broken Arrow Ranch in Nordkalifornien war für den Musiker mehr als nur ein abgeschiedener Wohnort. Seit dem Kauf in den frühen 1970er Jahren bis zu seinem Wegzug im Jahr 2014 nach der Scheidung von Pegi Young war das weitläufige Anwesen der Ort, an dem Young seine Musik unter eigenen Bedingungen aufnehmen und abmischen konnte. Im Laufe der Jahrzehnte entstand dort ein Studio, dessen technische Entwicklung wie ein Spiegelbild von Youngs musikalischer Karriere wirkt. Aufnahmekonsolen kamen und gingen, analoge Technik wurde durch digitale Systeme ersetzt – und umgekehrt. Und so manches hochmoderne und teure Gerät erwies sich am Ende als weniger willkommen als ein betagtes Röhrenpult.
Es gibt nur wenige Fotos und einige Videoschnipsel, die das Innere des Studios zeigen. Die detaillierteste Beschreibung stammt von Toningenieur Andy Stewart, der 2006 den "heiligen Ort” für ein Interview mit Youngs Toningenieur John Nowland betreten durfte. In seinem Artikel für das australische Magazin Audio Technology beschreibt er das Redwood Studio als langes Holzgebäude, das aus dem Holz der umliegenden Redwood-Mammutbäume errichtet wurde. Es liegt in einem Waldstück inmitten stiller Natur. Innen gleicht es einer gemütlichen kalifornischen Bungalow-Hütte mit dunklen Holzwänden, Giebeldecken und persönlichen Erinnerungsstücken als Dekoration. Der Regieraum blickt direkt in den Wald und weicht völlig von modernen Studiodesigns ab. Auch der angrenzende kleine Aufnahmeraum wirkt wie ein normales Wohnzimmer, denn es gibt keine dicken Trennwände oder Studiofenster, und auch er besteht komplett aus Holz. Insgesamt wird keinerlei Gefühl eines kommerziellen Studios vermittelt.
Neil Young bezeichnete das Studio auf seiner Ranch einmal als sein "Redwood Rocketship”. Der Name spielt auf die Gestaltung des Regieraums an. Der Kunstschreiner Morris Shepard fertigte aus dem Holz der umliegenden Redwoodbäume kunstvolle Gehäuse und Regale für die technische Studioausstattung an. Young wollte beim Bau und der Einrichtung im Jahr 1971 aber nicht einfach irgendein Studio erschaffen. Wie sich Produzent Elliot Mazer erinnert, wollte Young dessen legendäres Quadrafonic-Studio in Nashville möglichst genau nachbauen – inklusive der technischen Ausstattung und der besonderen, intimen Wohnzimmeratmosphäre. Dort hatte Neil Young kurz zuvor sein Erfolgsalbum "Harvest" aufgenommen. Deshalb war das Herzstück seines neuen Redwood Studios von Anfang an die gleiche Konsole wie in Mazers Nashville-Studio.
Die großen Mischpulte wechselten über die Jahrzehnte mehrfach. Einige Spezialkonsolen blieben dagegen erstaunlich konstant. Neben der jeweiligen Haupt-Mischposition standen fast immer das sogenannte Green Board und später das Brass Board. Die Geschichte des Redwood Studios ist deshalb nicht einfach eine Chronik immer modernerer Technik. Sie erzählt von den unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie Musik aufgenommen und gemischt werden sollte. Rusted Moon dokumentiert in diesem Artikel die Chronologie des Studios und der dort verwendeten Aufnahmetechnik.
Quad Eight: Der Anfang des "Rocketship"
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| Neil Young 1973 (c) Joel Bernstein |
Als Young sein Studio 1971 einrichtete, wurde eine "Quad Eight 2082" zur zentralen Konsole. Ein Foto von Joel Bernstein aus diesem Jahr dokumentiert das Pult auf der Ranch. Der Musiker ist darauf zu sehen, wie er auf der Konsole das Soundtrack-Album "Journey Through the Past" abmischt.
Die Quad Eight Model 2082 war das damalige Flaggschiff-Mischpult des US-amerikanischen Herstellers Quad Eight und wurde im Zeitraum von 1971 bis 1982 hergestellt. Sie stand im Zentrum der wichtigsten amerikanischen Tonstudios ihrer Ära und etablierte sich als fester "Hollywood-Standard". Technisch zeichnete sich die Konsole durch ein flexibles, modulares Design in einer Split-Monitor-Architektur (Split Layout) aus. Sie konnte je nach Studio-Anforderung mit 16 bis 40 Kanälen bestückt werden (Youngs Exemplar hatte 16), verfügte über 8 bis 16 Gruppen und war mit einem präzisen 3-Band-Equalizer ausgestattet.
Klanglich war das Pult vor allem für seine charakteristische, musikalische "West Coast warmth" (Westküsten-Wärme) bekannt und geschätzt. Wegen dieses warmen Klangcharakters war das Model 2082 in den bekanntesten Studios der amerikanischen Westküste zu finden, darunter in den A&M Recording Studios und dem Record Plant in Hollywood sowie bei Wally Heider Recording in San Francisco. Die historisch bekannteste Produktion, die über diese Konsole gefahren wurde, ist das Album "The Last Waltz" vom Abschiedskonzert von "The Band" im Winterland Ballroom in San Francisco, das von Martin Scorsese gefilmt und von Rob Fraboni produziert wurde. Und natürlich mischte Produdzent Elliot Mazer 1971 Neil Youngs Album "Harvest" mit so einer Konsole in seinem Studio in Nashville. Die Quad Eight 2082 war schließlich von 1971 bis 1981 auch die Hauptkonsole auf Youngs Ranch.
Der Ärger um "Compufuck"
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| CSNY 1973 mit Compumix-Aufsatz |
Der technikbegeisterte Neil Young ergänzte sein Quad Eight 2082 schon bald um eine Erweiterung namens "Compumix", eines der frühen computergestützten Automatisierungssysteme für Mischpulte. Ein Foto aus dem Jahr 1973 von den CSNY-Sessions zum gescheiterten Reunion-Album "Human Highway", die nach Hawaii auf Youngs Ranch fortgesetzt wurden, zeigt den Compumix-Aufsatz, der durch zwei dicke Kabel mit einer Steuereinheit verbunden ist.
Das vermeintlich revolutionäre System war zwischen 1971 und 1973 bei Quad Eight entwickelt worden. Was sich für Laien nach einer simplen Erleichterung anhört – der Computer merkt sich, wann welcher Regler bewegt wurde, und kann diese Bewegung beim nächsten Durchlauf wiederholen –, war in der Praxis Anfang der 1970er Jahre allerdings eine technisch anspruchsvolle Angelegenheit. Neil Young und sein Umfeld bekamen damit zwar eine Möglichkeit an die Hand, Abmischungen wiederholbar zu machen. Gleichzeitig brachte die frühe Computertechnik aber neue Probleme in den analogen Studioalltag.
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| Compomix-Werbung |
Vor allem David Briggs, Youngs langjähriger Produzent, konnte mit dem System wenig anfangen. Er gab dem Compumix den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Compufuck". Briggs hielt die Technik für kompliziert und unzuverlässig und war überzeugt, dass sie sogar den Klang und den Arbeitsprozess beeinträchtigte. Besonders bei den Arbeiten an „Tonight’s the Night“ Anfang 1974 auf der Ranch soll das System die ohnehin schwierigen Mix-Sessions beinahe zum Scheitern gebracht haben.
Schon ein Jahr zuvor war die Arbeit am Live-Album "Time Fades Away" von den Möglichkeiten und Problemen des Systems geprägt. Was eigentlich Zeit sparen sollte – gespeicherte Mischungen reproduzieren zu können –, eröffnete zugleich neue Möglichkeiten für endlose Veränderungen. Young wollte Mixe weiterentwickeln, während Briggs der Ansicht war, die Arbeit sei längst abgeschlossen. Die Technik wurde damit zu einem Teil eines kreativen Konflikts.
Später war der "Compufuck" einer der Gründe, warum "Time Fades Away" lange Zeit nicht auf CD erscheinen konnte. Während die Bänder der 16-Spur-Aufnahmen der Songs noch vorhanden waren, ging das Band mit den vom Compumix-System separat gespeicherten Reglereinstellungen verloren. Die originale Vinyl-Abmischung konnte für eine CD-Version daher nicht mehr wiederhergestellt werden.
Mit der Harrison zu Modern Recorders
Anfang der 1980er Jahre endete die Ära von Quad Eight und "Compufuck". Um 1980 oder 1981 wurde die Konsole durch eine Harrison 3232C ersetzt. Dieses Pult ist in einem Ranch-Video des französischen Musikjournalisten Antoine de Caunes aus dem Jahr 1982 zu sehen. Auch auf einem Foto, das Young beim Abmischen von "Trans" zeigt, ist die Harrison-Konsole zu sehen (Fotogalerie rechts).
Die Harrison 3232C war als Teil der Harrison-32-Serie im Jahr 1975 von dem neu gegründeten US-amerikanischen Hersteller Harrison Audio eingeführt worden. Das Pult etablierte sich schnell als technischer Meilenstein und grundlegendes Design für moderne analoge Mischkonsolen. Die bedeutendste Innovation der Harrison 3232 war das bahnbrechende In-Line-Design. Vor dieser Entwicklung nutzten Mischpulte wie die von Young zuvor genutzte Quad Eight meist eine sogenannte "Split-Monitor-Architektur", bei der die Kanäle für die Aufnahme (Recording) und die Kanäle zum Abhören des Tonbands (Monitoring) räumlich auf der Konsole getrennt waren.
Die Kombination der zuvor getrennten Signalpfade platzsparend direkt auf jedem einzelnen Kanalzug (Channel Strip) sparte zudem im Regieraum extrem viel Platz, vereinfachte den Workflow bei komplexen Mehrspuraufnahmen drastisch und wurde nach dem Erfolg des Pultes zum weltweiten Industriestandard. Die bekanntesten mit dieser Konsole abgemischten Alben sind Michael Jacksons "Thriller" und "Bad".
Gegenüber seiner alten Quad Eight verfügte Neil Young im Redwood Studio nun über eine Konsole mit 32 statt 16 Kanälen, die zudem statt eines 3-Band- einen 4-Band-Equalizer besaß. Auch sonst rüstete Young sein Studio technisch weiter aus. Auf dem oben erwähnten Video und dem Foto aus der "Trans"-Ära 1982 ist neben der Harrison 3232C auch eine neue Bandmaschine zu sehen: eine Otari MCR-90 zusammen mit einer Autolocator-Fernbedienung, mit der Bandstellen markiert und ohne manuelles Spulen direkt angesteuert werden konnten. Diese Kombination aus neuem Mischpult, Mehrspurmaschine und Fernsteuerung zeigt, wie stark sich der Produktionsalltag in Neil Youngs Studio zu diesem Zeitpunkt bereits verändert hatte. Mit dem Vocoder und dem Synclavier kamen noch neue Instrumente hinzu.
Dieser große Modernisierungsschritt im idyllischen Redwood Studio hat Neil Young vermutlich auch dazu veranlasst, das Studio in den Credits der in dieser Zeit dort produzierten Alben "Re-Ac-tor" (1981), "Trans" (1982) und "Everybody's Rockin'" (1983) in "Modern Recorders" umzubenennen.
MCI und der Schritt in Richtung digital
Die Verweilzeit der Harrison-Konsole und die Zeit von "Modern Recorders" war relativ kurz. Schon bald folgte der nächste Technikwechsel. Ab dem Frühjahr 1984 stand eine MCI JH-636 auf der Ranch, später auch als Sony-MCI bezeichnet. Ein im Mai 1984 um die Geburt von Youngs Tochter Amber Jean auf der Ranch aufgenommenes Video-Interview mit dem fiktiven Reporter "Dan Clear" dokumentiert die Neuerwerbung.
Die MCI JH-600-Serie wurde zwischen 1979 und 1987 gebaut und gilt als das fortschrittlichste sowie letzte große analoge Mischpult, das von dem US-amerikanischen Hersteller Music Center Incorporated (MCI) auf den Markt gebracht wurde. Zu dieser Zeit befand sich die Firma bereits in der Übernahme durch den japanischen Sony-Konzern. Die von Neil Young auf der Ranch verwendete MCI JH-636 ist eine imposante Großformat-Mischkonsole mit 36 Kanälen, die das zwei größte Pult der JH-600-Serie darstellt. Eingeführt Ender 1970er Jahre, bildet sie den technologischen Höhepunkt in der Endphase der analogen Ära des Herstellers MCI, bevor dieser vollständig in Sony aufging
Darüber hinaus setzte MCI bei der JH-636 auf wegweisende Steuerungstechnik: Die Konsole verfügte über eine VCA-Gruppierung mit Solo-In-Place-Funktion sowie über eine Vollautomatisierung für Pegel und Stummschaltung (bekannt als das "AF-Paket"). Optisch fielen vor allem die vertikal angeordneten, präzisen Plasma-Pegelanzeigen (Plasma Display Metering) ins Auge. Auch in Sachen Wartung und Benutzerfreundlichkeit setzte das Pult Maßstäbe: Dank praktischer Schnellverschluss-Stecker (quick-disconnect connectors) an allen Ein- und Ausgängen der Rückseite ließ sich die Konsole besonders unkompliziert im Studio installieren und warten.
Eingesetzt wurde die JH-600-Serie vor allem in kommerziellen US-Studios wie den berühmten Criteria Recording Studios in Florida, die historisch eng mit MCI verbunden waren und den berühmten, warmen "Sunshine Sound" prägten. Neil Young hatte in den Studios das Album "Long May You Run" aufgenommen und war dort wohl mit MCI-Technik in Kontakt gekommen.
Der Wechsel zur JH-636 markiert auch Youngs Einstieg in die digitale Produktion. Der Mix aus der gleichwohl noch analogen MCI/Sony-Konsole landete jetzt direkt auf digitalen Bandmaschinen von Sony. Neil Young hatte mit der Sony 3324 sogar eine der ersten in den USA verfügbaren digitalen 32-Spur-Maschinen gekauft. Später kam mit der Sony 3348 noch eine 48-Spur-Maschine hinzu. Der Einzug der digitalen Aufnahmetechnik in Youngs Studioumgebung war der Beginn einer neuen Ära, in der Alben bis einschließlich "Silver & Gold" in der von Neil Young heute verteufelten Digitaltechnik produziert worden waren. In den Credits dieser Alben ist daher auch der Studioname "Redwood Digital" zu lesen.
Die Neve 8078 und die "Schlacht um Weld"
Noch bevor Neil Young seinen Ausflug in die digitale Welt wieder beendete und zurück ins Analoge wechselte, stand der nächste Konsolenwechsel der Ranch-Geschichte an. Anfang der 1990er Jahre erwarb er eine Neve 8078, eine der berühmtesten analogen Studiokonsolen überhaupt.
Hergestellt in einer kurzen, handmontierten Serie zwischen 1978 und 1979 mit schätzungsweise nur 50 bis 100 gebauten Einheiten, markiert sie die letzte festverdrahtete ("hardwired") Großformat-Konsole aus Neves klassischer 80er-Serie. Festverdrahtet bedeutet vereinfacht: Die Signalwege sind nicht über eine digitale Oberfläche oder frei programmierbare Architektur organisiert, sondern durch eine aufwendige analoge Verdrahtung realisiert. Das Ergebnis ist ein komplexes, schweres und ausgesprochen aufwendiges Stück Studiotechnik – zugleich aber eine Konsole, deren Klang bis heute legendär ist. Im Gegensatz zu den vorangegangenen 8058 und 8068 kehrte Neve mit der 8078 bewusst zu einer klassischen Split-Monitor-Architektur zurück.
Das klangliche Geheimnis der Konsole sind die maßgeschneiderten, handgewickelten Transformatoren, die an jedem einzelnen Ein- und Ausgangskanal verbaut sind. Sie fügen dem Signal eine sanfte, harmonische Verzerrung hinzu, was messtechnisch zwar als Abweichung oder Defekt gilt, das menschliche Gehör aber als extreme Wärme, Tiefe, Dimension und Lebendigkeit wahrnimmt. Die Konsole formt einen Sound, der als spürbar lebendig beschrieben wird und weshalb die extrem seltene Konsole heute als "Heiliger Gral" der Studiotechnik gilt. Auf dem Gebrauchtmarkt erzielt sie im voll restaurierten Zustand astronomische Preise.
Als die Neve 8078 auf der Ranch eintraf, war sie noch eine technische Baustelle und nicht wirklich einsatzbereit. Jimmy McDonough beschreibt in seiner Young-Biografie "Shakey", wie Neil Young ausgerechnet dann sein neues Werkzeug unbedingt einsetzen wollte, um das Live-Album zur Ragged-Glory-Tour "Weld" abzumischen. Das Problem: Young, Briggs und John Hanlon hatten bereits im Indigo Studio eine fertige Version des Albums gemischt, mit der Hanlon zufrieden war. Young wollte dennoch einen anderen Weg einschlagen und bestand darauf, die Arbeit auf der Ranch fortzusetzen.
Was folgte, wurde zur legendären "Schlacht um Weld". Mixe wurden immer wieder verändert, Backgroundgesänge neu aufgenommen und bereits erledigte Arbeiten erneut aufgerollt. Briggs drängte schließlich auf eine Fertigstellung. Der Konflikt eskalierte: Young warf seinem Produzenten vor, ihn wegen einer anderen Verpflichtung im Stich zu lassen. Briggs forderte Young im Gegenzug auf, doch jemand anderen zu engagieren, und verließ wütend die Ranch.
Neil Young stellte "Weld" anschließend gemeinsam mit Billy Talbot an der Neve 8078 fertig. Das Ergebnis wurde im Vergleich zu den früheren Indigo-Mixen kritisch beurteilt und als "basslastiger Matsch" beschrieben. Die Auseinandersetzung bedeutete zugleich einen tiefen Bruch in der jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen Young und Briggs.
Ironischerweise wurde ausgerechnet die problematische Neve 8078 anschließend zu einer langfristigen Konstante des Redwood Studios. Sie kam bei zahlreichen weiteren Produktionen zum Einsatz, darunter "Harvest Moon", "Living with War" und "Psychedelic Pill".
Nach der Scheidung
Die Neve-Konsole blieb auch im Redwood Studio zurück, als Neil Young 2014 nach der Scheidung von Pegi Young aus der Broken Arrow Ranch auszog. In der Scheidungsvereinbarung bekam Youngs Ex-Frau das Anwesen zugesprochen und blieb dort bis zu ihrem Tod 2019 wohnen. In dieser Zeit veröffentlichte sie mit ihrer Band "Pegi & The Survivors" die Alben "??" und "Raw", die beide im Redwood Studio aufgenommen und abgemischt wurden. Fotos zeigen Pegi Young und ihren damaligen Produzenten Elliot Mazer mit der Neve-8078-Konsole.
Die konstanten Begleiter
Auch wenn die großen Aufnahmekonsolen alle paar Jahre ausgewechselt wurden, das Studio von analog auf digital und wieder zurück gestrickt wurde - Neil Young wäre nicht Neil Young, gäbe es nicht einige Geräte, die all die technischen Moden überstanden. So wie seine Les Paul "Old Black" und der alte Fender Deluxe Verstärker, so setzt er auch im Studio seit Jahrzehnten auf ein paar alte Vertraute.
Da ist zum einen das Green Board, eine legendäre, 12-kanalige Universal Audio 610 Röhrenkonsole, die Neil Young ehrfürchtig als das "beste Mischpult aller Zeiten" schätzt. Die Historie des Pults ist beeindruckend: Meilensteine wie das Album "Pet Sounds" von den "Beach Boys", "Disraeli Gears" von "Cream", das Monterey Pop Festival sowie Aufnahmen von Wilson Pickett wurden über dieses Board aufgezeichnet. Es stammte ursprünglich aus den Studios von Wally Heider, wo es unter anderem auch für Aufnahmen von Janis Joplin genutzt wurde.
Young und sein Produzent David Briggs verwendeten die geschichtsträchtige Röhrenkonsole erstmals im Jahr 1973 für die emotionalen nächtlichen Sessions zum Album "Tonight’s the Night". Briggs schlug ein Loch in die Wand des SIR-Instrumentenverleihs, in deren Lagerraum die Sessions statt fanden, um die Kabel zu der außerhalb aufgebauten Konsole zu legen. Danach kaufte Neil Young das Pult, das seitdem seinen festen Platz auf der Broken Arrow Ranch hat. Dort wird es parallel zu den wechselnden Hauptkonsolen betrieben und auch zu Plattenaufnahmen außerhalb mitgenommen.
Klanglich zeichnet sich das Green Board durch einen extrem warmen, „fetten“ analogen Sound aus, der durch die charakteristischen Reaktionen der Vakuumröhren entsteht. Im Redwood Studio wird das kompakte Röhrenpult häufig flexibel hinter der Haupt-Mischposition aufgebaut. Prominentes Beispiel für diesen Workflow ist das Album "Harvest Moon", von dem John Nowland Andy Stewart bei dessen Studiobesichtigung erzählte: Während Nowland an der großen Neve 8078-Konsole sogenannte "Stems" (vorgemischte Spurengruppen) erstellte, saß Neil Young direkt dahinter am Green Board und mischte diese live auf die finale Zwei-Spur-Maschine ab.
Der zweite jahrzehntelange Dauergast im Redwood Studio war das Brass Board, eine weitere geschichtsträchtige Mischkonsole, die bei Neil Youngs Albumproduktionen eine wichtige Rolle spielte. Das Pult wurde 1976 von Rick Davis gebaut, der 1990 auch die zweite Generation des "Whizzers" konstruiert hatte. Die Konsole verwendet die gleichen Komponenten von Universal Audio (UA) wie im Green Board, hat aber 16 statt 12 Eingänge. Seinen Namen hat es von dem imposanten Vollgehäuse aus Messing, in das Davis das Pult einbaute.
In der Studiogeschichte von Neil Young hinterließ das Brass Board einen bleibenden Abdruck: Toningenieur Niko Bolas, der mit Young das Produzentenduo "The Volume Dealers" bildet, berichtete, wie er es zusammen mit dem Green Board nutzte, um die berühmte LP-Version von "Rockin' In The Free World" für das Album "Freedom" (1989) abzumischen.
Eine spätere, prominente Verwendung fand das Brass Board ab Herbst 2011. Für die Sessions zu den Alben "Americana" und "Psychedelic Pill" baute der Toningenieur John Hanlon ein temporäres Studio im "White House" der Ranch auf. Im dortigen Schlafzimmer-Regieraum installierte er das 16-Kanal-Brass-Board an der Seite des 12-Kanal-Green-Boards, um mit diesem analogen Gespann den erdigen, orchestralen Sound von „Crazy Horse“ live einzufangen.
Die Geschichte der Mischpulte im Redwood Studio erzählt deshalb mehr als eine Folge von Modellnummern. Quad Eight, Harrison, MCI und Neve stehen nicht nur für unterschiedliche technische Epochen – von den frühen analogen Mehrspurproduktionen über erste Automationssysteme bis zum Übergang in die digitale Aufnahmetechnik. Sie erzählen auch von der Lebensgeschichte des inzwischen 80-jährigen Musikers, der einst im Alter von 26 Jahren begann, das Studio aufzubauen.
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