Montag, 28. November 2016

Neil Young wettert gegen Truthahn und Trump

Einen Tag nach dem amerikanischen Thanksgiving-Wochenende haben Neil Young und Lebensgefährtin Daryl Hannah auf Facebook eine bittere Abrechnung mit dem traditionellen US-Feiertag veröffentlicht. Die zugrunde liegende Geschichte, nach der 1621 die mit der Mayflower aus Europa eingewanderten Siedler in Plymouth ein Erntedankfest mit den indianischen Ureinwohnern feierten, sei schlicht falsch. Neil Young: "Thanksgiving ist eine fiktive Geschichte. Sie wurde erfunden, um den bösartigen Völkermord, der an den Eingeborenen dieses großartigen Kontinents verübt wurde, zu übertünchen."

Der Musiker postet zum Text auch ein Video mit einer Soloversion seines Songs "Show Me" (oben). Auch in seinem Text schlägt er dann einen Bogen von Thanksgiving zu den Auseinandersetzungen am Standing Rock-Reservat in North Dakota, wo sich Angehörige der amerikanischen First Nations und Umweltaktivisten gegen den Bau der Dakota Access Öl-Pipeline durch das Land der Standing Rock-Sioux wehren. Neil Young hatte im November seinen 71. Geburtstag im Camp der Pipeline-Gegner verbracht. "Es ist ein Erwachen", schreibt Neil Young. "Zusammen mit ihren nicht-einheimischen Verwandten bleiben alle hier standfest, angesichts der unverschämten, unnötigen und gewalttätigen Aggression auf der Seite der bewaffneten lokalen und staatlichen Strafverfolgungsbehörden und der Nationalgarde, die offensichtlich die Interessen der Profiteure der Dakota Access Pipeline schützen - zum Preis von hunderttausenden Dollars der Steuerzahler und über alle anderen Bedenken hinweg." [Weiter ...]

Young und Hannah rufen den amtierenden US-Präsidenten Obama zum Einschreiten auf, um die Gewalt gegen die friedlichen Wasserschützer in Standing Rock sofort zu beenden. "Wir werden zurückkehren, um die Wasserschützer erneut zu unterstützen", kündigen die beiden Aktivisten an, die auch den neugewählten US-Präsident Donald Trump heftig angreifen: "Der überraschend gewählte Präsident ist  nicht der Gewinner der Volksabstimmung, er hat kein Mandat zur Änderung der Ideale. Denken Sie daran: etwas mehr als zwei Millionen Menschen haben für einen anderen Kandidaten gestimmt."

"Augenblick der Wahrheit"


Der "Überraschungspräsident" sei auch nicht der Führer der freien Welt. Zweihundert Nationen in der Welt würden die Wissenschaft über die Gewinne der Öl-, Gas- und Kohleindustrie stellen und sich für Zusammenarbeit einsetzen, um die Zukunft vor einer unkontrollierten Klimakrise zu schützen. Der Überraschungspräsident, so Neil Young weiter, behaupte dagegen, er glaube weder an die Klimaforschung, noch an die von ihr prognostizierten Bedrohungen. Und seine Handlungen und Worte spiegelten diese Behauptung in anschaulicher und gefährlicher Weise wieder.

Neil Young und Daryl Hannah
Neil Young und Daryl Hannah 2014
"Dies ist unser Augenblick für die Wahrheit", endet der Aufruf. "Seid wie unsere Brüder und Schwestern in Standing Rock. Seid dort, wenn ihr könnt. Der Fortschritt, den wir über zweihundertundvierzig Jahre als eine Nation gemacht haben, ist immer zuerst von den Menschen gekommen. Vielen Dank. Neil & Daryl."

Hintergrund des Appells von Young und Hannah ist vermutlich die aktuelle Zuspitzung der Auseinandersetzung um den Bau der umstrittenen Dakota Accesss Öl-Pipeline am Standing Rock-Reservat in North Dakota. Gegner des umstrittenen Projektes und Behörden rüsten auf. Während am Sonntag Neil Youngs Musikerkollegen Dave Matthews und Jackson Browne jeweils ein Benefizkonzert zur Unterstützung der Pipeline-Gegner organisiert hatten, kündigte die US-Armee für den 5. Dezember die Räumung eines Teils des Geländes an, auf dem die Aktivisten seit Wochen kampieren und den Bau der Pipeline blockieren. Nach der Räumung sollen die Bauarbeiten für die Dakota Access Pipeline (DAPL) durch die Standing Rock Indian-Reservation beginnen. Das Protestcamp soll dann weiter nach Norden verlegt werden. Neil Youngs Ankündigung, zum Camp zurückzukehren, könnte sich daher auf den sich ankündigten Showdown am 5. Dezember beziehen. Daryl Hannah hatte bereits wiederholt gezeigt, dass sie Wasserwerfer und Verhaftungen nicht scheut.


Auch Musikerprojekt unterstützt Standing Rock


Songs For Standing Rock
Unterdessen hat auch die Musikszene eine Form der Unterstützung gefunden. Die Initiative "Songs For Standing Rock" ruft alle Musiker und Bands auf, eigene Songs einzusenden. Daraus sollen dann in regelmäßigen Abständen Alben entstehen, die gegen eine Spende heruntergeladen werden können. Das Geld kommt den Aktivisten gegen die Pipeline zugute und soll den Bau von wärmenden Hütten finanzieren.

Mit "Cliff Barnes and the Fear of Winning" um den Osnabrücker Gitarristen und Musikjournalisten Heinz Rebellius hat auch eine deutsche Band einen Song für das erste Album des Projekts beigesteuert. Wer selber Songs für Standing Rock einreichen oder die Alben kaufen will, bekommt weitere Infos auf der Webseite www.songsforstandingrock.com.

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