Sonntag, 1. März 2015

Als Kim Gordon für Neil Young Hühnchen kochte

Kim Gordon
Kim Gordon, Gründungsmitglied und Bassistin der US-Band "Sonic Youth", hat jetzt mit "Girl in a Band" ihre Autobiografie veröffentlicht. Das Buch ist in der englischen Originalausgabe am 24. Februar erschienen. Die deutsche Übersetzung folgt am 2. April bei Kiepenheuer & Witsch. Die heute 61-jährige Musikerin, Künstlerin und Produzentin Kim Gordon geht in ihren Memoiren in einigen Passagen auch auf Neil Young ein. Mit dem und "Crazy Horse" waren "Sonic Youth" 1991 als Vorgruppe auf Tour unterwegs. Im gleichen Jahr traten sie beim Bridge School Benefizkonzert auf.

Hier drei übersetzte Passagen aus der englischen Ausgabe des Buchs:

»Die Tour mit Neil Young war zermürbend: Tiefster Winter, ein frostiges Meer an endlosen Umkleideräumen in Veranstaltungshallen. Ab einem Zeitpunkt nahmen wir einen Plattenspieler und eine Lampe mit rein, um es ein wenig heimeliger in unserem Umkleidebereich zu machen, was half. Und da war immer die Hoffnung, dass Neil auf seinem Weg zur Bühne hereinplatzte, was einige Male vorkam. Die Person, die am meisten mit uns herum hing, war Neils langjähriger Gitarrist Frank Sampedro, besser bekannt als Poncho. Poncho war Neils Ohr, und so ziemlich alles, was wir in seiner Gegenwart gesagt haben, fand den Weg zurück zu Neil. Hier ein Beispiel. Unsere Freundin Suzanne war unsere Beleuchterin geworden und Poncho belauschte unsere Kommentare. Wir beide meinten, Neil könnte einen Haarschnitt gut gebrauchen. Eines Tages auf der Tour kam Poncho zu Suzanne hoch und fragte, ob sie bereit sei, Neil die Haare zu schneiden.« [Weiter: Koch Poncho läßt Kim Gordon an den Herd ...]

»Da sind zwei besondere Sachen, an die ich mich bei Poncho erinnere. Die erste ist, wie sehr er "die Damen" mochte. Was bedeutet, jedes Mal, wenn jemand in Neils Crew oder Band Geburtstag hatte, tauchten Stripperinnen neben der Bühne auf. Die zweite ist, dass Poncho nach jeder Show für Neil ein Abendessen in dessen Bus kochte. Eines Abends sagte ich ihm, ich mach's - Poncho konnte auswählen wann. Neils langjähriger Busfahrer, der stets freundlich zu uns war, bot an, die Zutaten für das Hühnchengericht zu besorgen, das ich machen wollte. Unglücklicherweise vergaß er es und machte am Ende eine Rettungsfahrt zu KFC, um ein paar ungekochte Hühnchenflügel zu ergattern. Ich hatte Befürchtungen, dass sie Neil 
krank machen könnten. Aber zum Glück taten sie es nicht.« 

»Während des Soundchecks [Anm. beim Bridge School Benefit 1991] konnten wir unsere Gitarren hören. Aber als wir zum Spielen raus gingen, hörten wir nichts. Für uns - eine Band, die auf dem Zusammenspiel der Gitarren beruht - war das die schlecht möglichste Situation. Dazu kam: Wir spielten vor einem Mainstream Rock-Publikum. Wir kamen nur halb durch eine Coverversion von "Personality Crisis", als ich "Fuck!" in das Mikrophon schrie und ich die nächst stehende akustische Gitarre zerschmetterte. Willie Nelson kam dann raus, um ein Medley seiner Songs zu spielen, gefolgt von Don Henley, begleitet von einer kompletten elektrischen Band. Ich fühlte mich schrecklich, weil ich "Fuck!" gebrüllt hatte. Besonders, als ich beim Rausgehen eine Reihe von Kindern in ihren Rollstühlen im Rücken der Bühne sah. Ich hatte vergessen, dass sie da waren. Später kam dann Neils Sohn Ben in seinem Rollstuhl zu mir. "Jeder hat manchmal einen schlechten Tag", sagte er zur mir.«


Deutsche Ausgabe:

Kim Gordon - Girl in a Band
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Deutsch, 352 Seiten, 19,99 Euro
Erscheint am 2. April 2015


Englische Originalausgabe:

Kim Gordon - Girl in a Band: A Memoir
Verlag Dey Street Books
Englisch, 288 Seiten, 14,99 Euro
Erschienen am 24. Februar 2015


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