Freitag, 28. September 2012

UPDATE#6 Neil Youngs Memoiren - Kritiken & Reviews

Klar, dass Neil Youngs Memoiren sofort die Literaturpäpste auf den Plan rufen. Die Kritiken sind überwiegend negativ. Vor allem an Form und Tonfall stoßen sich viele Kritiker. Es scheint fast, als habe man ein literarisches "Heart Of Gold" erwartet und nicht bedacht, dass der Autor musikalisch langatmige 16-Minuten-Songs und rohe One-Take-Aufnahmen bevorzugt.

Rusted-Moon stellt hier die Kritiken nach und nach in Auszügen vor.

UPDATE#6 Lothar Schröder, Rheinische Post:

"(...) Das ist vielleicht der größte Schatz dieser Autobiografie – ihre Unbedarftheit. Neil Young schreibt, was er so über die Welt denkt; und in diesen Momenten steigt er einfach vom Sockel des Rockstars herunter und erzählt uns allerlei Weisheiten, die allesamt keine sind. (...)"



"(...) Ein Hippie-Traum" ist literarisch keine Großtat und inhaltlich ein zweischneidiges Schwert. Von manchen Einblicken, vor allem zum Schaffen, hätte man gerne mehr. Andere Ausführungen hätte sich Neil Young dagegen sparen können. (...)"


UPDATE#4 Sarah Nicole Prickett, The Globe And Mail:

"Neil Youngs Memoiren: Ein sanfter Hurricane
(...) Young erzählt einem Dinge in einer Art und Weise so offen, so unbefangen, bewusst einfach, dass man davon ausgeht, er erzählt einem Alles. Man glaubt das Erzählte, auch wenn er schreibt, dass es vielleicht nur fabuliert ist. (...)"



UPDATE#3 Wesley Stace, The Wallstreet Journal:

"(...) "Waging Heavy Peace" wird vermutlich seine meisten Leser unter seinem Publikum finden - den "Rusties". Das ist eine Schande, denn das Buch ist grandios: bescheiden, ehrlich, lustig und häufig bewegend - ein Gegenmittel. "Waging Heavy Peace" ist, in Struktur und Ton, typisch für einen Mann, der zeitweilig nur in seiner Inkonsistenz konsistent schien, sowohl in seiner künstlerischen Leistung als auch in seinen Ansichten: ein Songwriter, der einmal Album nach Album verschrottet und nun alles veröffentlicht, ein Gitarrist, der überirdisches Rauschen erzeugt und dennoch durch kleinere Fehler auf der Aufnahme von "Like a Hurricane" verärgert ist. (...) Das Buch ist unberechenbar (wenn es nicht jeder tun würde, der Drang, seine Struktur mit einem seiner Gitarrensoli zu vergleichen wäre unwiderstehlich), charmant weltlich (ein Lobgesang auf seine Sonicare Zahnbürste nennt es "ein Produkt, das mich sehr beeindruckt ") und lustig sich wiederholend (fast alles in dem Buch wird zweimal gesagt, und wenn es um Mr. Young geht - wie es häufig der Fall ist - sogar noch viel öfter).(...)"


UPDATE#2 Christopher Borelli, Chicago Tribune:

"(...) Das Neil-Young-Buch, das man sich wünschte, ist ein Jahrzehnt alt - Jimmy McDonoughs krawalliges, unordentliches 800-Seiten starkes "Shakey" (Young hat selbst daran mitgewirkt). Auf der anderen Seite bekommen Sie mit dem Buch nicht die Arbeit eines Ghostwriter, immerhin. Dies ist clever (Young bekloppte Stimme kommt durch) und frustrierend (Young bekloppte Stimme kommt durch). So viel wie wir von großen Songwritern erwarten, dass sie literarische Geschichtenerzähler sind, so wenig wird es bei aller Heldenverehrung letztlich wahr. Young, etwas pragmatisch, weiß dies. (...)"


UPDATE#1 Thomas Steiner, Badische Zeitung:

"(...) Auf jeden Fall wirkt sein Engagement sympathisch. Wie einem überhaupt der Mensch Neil Young bei der Lektüre nahe rückt. Auch aus seinem Privatleben erzählt er. Von seinen geschiedenen Eltern, vom Vater, einem bekannten Autor. Von seinen Beziehungen, seinen Kindern.(...) Sehr sympathisch ist auch Youngs Art zu erzählen, er kommt von Hunden auf Drummer, von einem Stadionkonzert zum Stehpaddeln, vom Autofahren zum Waldspaziergang. "Euch ist vielleicht aufgefallen", schreibt er, "dass bei mir viel Zeit dafür draufgeht, lose Fäden zu verweben, Sachen rundzumachen und abzuschließen." Schön, dass es mit dem Buch geklappt hat. (...)



Simon Vozick-Levinson, Rolling Stone:

"(...) Ohne Co-Autor geschrieben, liest sich "Waging Heavy Peace" meist weniger wie eine traditionelle Autobiographie, mehr wie ein lebendiges Blog - voller Randbemerkungen, unvorhersehbarer Umwege und unbeantworteten Fragen, wenn er mit 66 Jahren auf sein Leben zurück blickt. (...) "Waging Heavy Peace" zeigt, dass Young immer noch im Vollbesitz dieses eigensinnigen, brillianten, einzigartigen Geistes ist. Er geht nicht immer genau dahin, wohin man ihn haben möchte, oder bleibt nicht lange genug dort, wenn er mal dahin gekommen ist. Aber hat irgendjemand ernsthaft etwas anderes erwartet? Den größten Vorwurf, den man machen könnte, ist, dass er diesen Geschichten eloquenter, wenn auch weniger direkt, schon in zeitlosen Liedern von "Helpless bis "Harvest Moon" nachgespürt hat. (...)"


Jan Küveler, DIE WELT:

"Gitarrengötterspeise mit Rückkopplungssoße (...) Er schreibt, wie er musiziert: Motive endlos umspielend, ohne sie jemals zu erreichen. Man wartet auf die Pointe, und es geht doch nur zehn Minuten so weiter. Was in der Musik groß ist, verläppert in der Literatur. (...) Beim Spielen meißelt er so Monolithen in die Luft, die es in ihrer erzählerischen Wucht locker mit dem Alten Testament aufnehmen können. Beim Schreiben verplaudert er sich bloß, kommt vom Fichte-Hölzchen aufs Redwood-Stöckchen, verläuft sich in der Dramaturgie der eigenen Geschichte wie in den mächtigen Wäldern seiner Ranch im Norden Kaliforniens, die er bereits als 20-Jähriger kaufen konnte, als zu raschem Reichtum gekommener Yuppie-Hippie.(...)"


Jean Martin Büttner, DIE ZEIT:

"(...) Und doch ist Neil Youngs Autobiografie missglückt. Sie leidet ironischerweise an den nachwirkenden Kollateralschäden durch seine Lieblingsdrogen: an der Unschärfe des Kiffers und der Selbstüberschätzung des Koksers. (...) Er lässt sich weder von Peinlichkeit, Widerspruch oder Erfolglosigkeit abhalten. Diese Haltung ehrt ihn als Individuum, sie hilft ihm als Musiker, als Autor hat sie ihm geschadet. (...) Es wirkt oft so, als schriebe hier nicht ein intelligenter, sensibler Musiker, dem die Welt zuhört, sondern der Herausgeber einer Schülerzeitung.(...) Der intellektuelle Druckabfall wird umso deutlicher, wenn man Neil Youngs Autobiografie mit den biografischen Fragmenten von Patti Smith und Bob Dylan vergleicht. Die beiden sind ihm sprachlich und formal weit überlegen, weil sie ihre Sprache rhythmisch strukturieren und lyrisch verdichten. (...) Mehrmals droht er weitere Bücher an. Lieber nicht.(...)"


Jim Faber, NEW YORK DAILY NEWS:

"(...) Young verbraucht mehrere einschäfernde Seiten mit Jammern über einen bellenden Hund seiner Frau Pegi und startet eine Tirade über Kaliforniens Entscheidung, den Bau von Kaminen in ein neuen Häusern zu verbieten. (...) Großzügige Seelen mögen diesen Ansatz als "unbekümmert" beschreiben oder "gemächlich." Weniger Zen Orientierte könnten es auch "schludrig" oder ein "Durcheinander" nennen. (...)"


Kyle Anderson, Entertainment Weekly:

"(...) Das Ergebnis ist eine wirre, leicht surreale Erzählung, die mit dem Schwung kämpft.Passenderweise  entfaltet sich der Frieden wie ein stürmischer Crazy Horse Jam: oft frustrierend, aber gelegentlich trifft man auf eine hinreißend Offenbarung, und erfordert reichlichen Vorrate an Leidenschaft und Geduld. Note: B-


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