Samstag, 20. August 2011

Neil Young und seine Exoten: Der Bridge-School-Hybrid

Neil Young mit Kramer-Ferrington
Photo (c) wolfgangsvault.com 
Neil Young wurde während seiner langen Karriere immer mal wieder mit exotischen Gitarren gesehen. Die spielte er entweder nur für eine einzelne Tournee wie die Gibson Sonderlinge „Flying V“ (1973) und „Explorer“ (1982). Oder er nahm sie nur bei besonderen Gastauftritten in die Hand wie die Stella Westerngitarre (1976) oder die „Studio 66“ aus Fieberglas (2010). Andere Exoten wie seine Fender Telecaster/Nocaster brachten es immerhin zu Plattenaufnahmen (1973 „Tonight’s the Night“). 

Einen besonders außergewöhnlichen Exoten präsentierte Neil Young während seines Auftritts beim „Bridge School Benefit“ 1990 in Mountain View, Kalifornien: Er kam mit einer "Kramer Ferrington" KFT-1 auf die Bühne. 

Diese ungewöhnliche Gitarre war ein Hybrid aus akustischer und elektrischer Gitarre, den der aus Nashville stammende Gitarrenbauer Danny Farrington entworfen hatte. Farrington baute zunächst in Nashville Einzelanfertigungen für prominente Gitarristen, als er 1985 mit dem Gitarrenhersteller Kramer den Bau einer neuartigen Modellreihe vereinbarte. Kramer war vor allem für seine "Super-Strats" bekannt, die durch Eddie van Halen und andere populär wurden. Die ersten dieser neuen elektro-akustischen Modelle kamen unter der Marke „Kramer-Ferrington“ 1986 auf den Markt und waren an den Korpusformen von Fenders Stratocaster und Telecaster angelehnt. 

Die „Kramer Ferrington“ Gitarren besaßen wie Akustikgitarren einen hohlen Korpus mit schwingenden Decken und hatten ein asymetrisches Schalloch. Der angeschraubte Ahornhals und die Kopfplatte in Bananenform erinnerten dagegen eher an Kramers E-Gitarren. Unter dem Steg der Gitarre saß ein Transducer-Pickup. Die Elektrik umfasste außerdem Schieberegler für Lautstärke und einen 3-Band Equalizer für den Klang, die in einer Kontrolleinheit auf der oberen Zarge saßen. Die Serie wurde kurz darauf um Bässe erweitert, die das gleiche elektro-akustische Konzept besaßen. Auch eine Variante mit Nylon-Saiten war verfügbar. 

Werbeanzeige für die KFT-1
Obwohl Kramer-Ferrington mit Eddie van Halen und Dweezil Zappa prominente Gitarristen für die Werbung verpflichtete, hielt sich der Erfolg dieser Hybriden in Grenzen. Dazu kam, dass Kramer zu dieser Zeit schon in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte und angekündigte Modelle dieser Serie nicht liefern konnte. Probleme mit der Fertigung in Korea und Rechtsstreitigkeiten beschleunigten den Niedergang weiter. Danny Farrington gründete daraufhin in Los Angeles die Firma „Ferrington Guitars, Inc.“ und fertigte noch bis etwa 1990 selber Gitarren dieser Reihe. Der Markenname "Kramer" wurde später vom Konkurrenten Gibson gekauft und wiederbelebt. Heute werden von Gibson wieder schnittige Superstrats mit Floyd-Rose-Vibrato und den "Kramer"-Logo auf der Bananenkopfplatte angeboten - ein sonderbarer Hybrid wie die KFT-1 ist aber nicht mehr im Programm.

Neil Young spielte beim „Bridge School Benefit“ 1990 übrigens eine KFT-1 in der Farbe „Tobacco Sunburst“. Das „T“ in der Modellbezeichnung steht für die Telecaster-Form. Die der Stratocaster ähnlichen Varianten hießen KFS-1 und KFS-2. Anders als das einfachere Modell KFT-2 war die KFT-1 mit Block-Inlays in Haifischzahn-Optik und dreifachem Binding etwas höherwertig ausgestattet. 

Die „Kramer Ferrington“ KFT-1 war ein gitarristischer One-Night-Stand Neil Young’s. Danach wurde der Hyprid nie wieder mit ihm gesehen.


Tolles Video von 1982: Linda Ronstadt und Nicolette Larson (†) - beides Wegbegleiter Neil Youngs - in der Gitarrenwerkstatt von Danny Ferringston in Nashville!



Eine Kramer-Ferrington KFT-2 mit (Joe Walsh Autogramm)  im Video



Links:
  • Infos und weitere Bilder zu den Ferrington-Gitarren auf vintagekramer.com
  • Exklusive Fotos des Bridge-School-Gigs 1990 bei "Wolfgang's Vault" (Danke für die Freigabe!)

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