Montag, 28. Februar 2011

Cowgirl im Wüstensand – Rockin’ for a Free World

Houssaine Kili
In Nordafrika rumort es: Tunesien und Ägypten haben ihre diktatorischen Regime schon beseitigt, in Libyen stehen Gaddafi und sein Clan mit dem Rücken zur Wand. Auch in anderen Staaten wie Algerien entlädt sich die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit ihren undemokratischen und korrupten Regimen.

Zugleich werden aber auch Spannungen deutlich, die einerseits zwischen religiös-islamisch und eher modern-liberal geprägten Bevölkerungsgruppen bestehen – Facebook gegen Koran, Jung gegen Alt. Andererseits ringt der Westen mit der paradoxen Situation, jetzt einen Wandel zu unterstützen, der sich gegen die über lange Zeit mit westlichen Waffen und Geld gestützten Machthaber richtet – Moral gegen Erdöl. Dazu wirkt auch immer noch die koloniale Vergangenheit vieler westlicher Länder in Nordafrika nach.

Ein Musiker der sich um die Verständigung zwischen seiner nordafrikanischen Heimat und der westlichen Welt bemüht, ist der Marokkaner Houssaine Kili. Der 1955 in Agadir geborene Kili ist Sänger und Multiinstrumentalist. Überwiegend spielt er aber die Gembri, ein traditionelles dreisaitiges afrikanisches Instrument.

Gembri
Kilis musikalische Entwicklung ist zugleich von Musik der Araber und Berber sowie der westlichen Rock- und Popmusik geprägt. Er spielte in Marokko parallel in Coverbands, die mit Top40-Pop in Touristenhotels auftraten, und in traditionellen Musikgruppen der südmarokkanischen Gnawa-Minderheit. In den 70er Jahren kam Houssaine Kili mit dem deutschen Krautrock in Kontakt und tourte mit der Gruppe Embryo auf Einladung des Goetheinstituts durch Marokko.

In den 80er Jahren war er zusammen mit einem Algerier als Sänger Mitglied der Nachfolgeband von Embryo und spielte auch in der späteren Embryo-Reunion. 1999 veröffentlichte Houssaine Kili sein erstes Soloalbum. 2003 erschien dann sein Album „Mountain to Mohamed“, das auch eine Coverversion von Neil Youngs „Cowgirl in the Sand“ enthält. Auch hier spielt Kili auf der traditionellen Gimbri, dem dreiseitigen ursprünglich westafrikanisches Instrument, das von Guinea im Mittelalter mit den Gnawa nach Marokko kam. Im Bandkontext setzt Kili die Gimbri als Bassersatz ein. Zum Einsatz kommen aber auch Gitarre, Schlagzeug und Geige.

Houssaine Kili sieht sich in seinem musikalischen Selbstverständnis als jemanden, der Brücken zwischen der westlichen Pop- und Rockmusik und der traditionellen Musik Nordafrikas schlägt. Selten waren solche Brücken wichtiger, als heute …





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