Samstag, 12. Februar 2011

Familienbande – Töchter, Söhne, Enkel covern Neil Young

Neil Young ist ein Familienmensch. Dabei umfasst sein Familienbegriff aber weit mehr als seine Frau Pegi, den gemeinsamen Sohn Ben, Tochter Amber Jean und Sohn Zeke aus der Beziehung mit Carrie Snodgress. Auf seiner Ranch umgibt sich der Kanadier auch stets mit langjährigen engen Freunden und musikalischen Wegbegleitern, die letztlich ebenso zur Familie gehören, wie umgekehrt Familienmitglieder wie Ehefrau Pegi oder Schwester Astrid Teil seines Ensembles auf der Bühne sind. Er selbst hilft auch Pegi musikalisch auf der Bühne aus, deren Tour-Band wiederum zum Teil aus Neils Musikern wie Rick Rosas oder Spooner Oldham besteht. It’s all one song. Aber auch: It’s all one family …

Interessante und vielschichtige Familienbande ergeben sich auch, wenn man einen Blick auf die unzähligen Coverversionen wirft, die von Neil Youngs Liedern seit 1967 erschienen sind. Einige Songs wurden nämlich von Töchtern, Söhnen oder Enkelkinder berühmter Künstler aufgenommen. Und einige der Väter und Großväter haben teilweise sogar selber mit Neil Young auf der Bühne gestanden. Und was, bitte schön, hat Angelina Jolie mit Neil Young zu tun? Hier sind einige der interessantesten und überraschenden Querverbindungen, die sich aus den Stammbäumen der Cover-Interpreten ergeben:

Hank Williams
Beginnen wir beim „Country-Adel“, dem man Holly Williams auf den ersten Blick nicht zurechnen würde. Die 30-jährige Sängerin und Gitarristin hat 2009 auf ihrem Album „Here With Me“ eine Coverversion von „Birds“ veröffentlicht. Holly Williams ist aber nicht irgendeine x-beliebige Countrysängerin, die sich an Neil Youngs Liedern versucht. Sie ist die Enkelin von Country-Mythos Hank Williams. Der 1953 verstorbene Hank Williams beeinflusste ganze Generationen von Nachville- Musikern. Neil Young spielt noch heute dessen alte Martin-Gitarre, die er liebevoll "Hank" nennt und die fast so etwas wie einen "heiligen Gral" der Countrymusik darstellt. Auch Holly Williams Vater, Hank Williams Jr., und ihr Bruder, Hank Williams III., sind erfolgreiche Countrymusiker. Damit steht das "Haus Williams" innerhalb des Nashville-Country-Adels auf solider Basis.

Eine echte Country-Legende ist zweifellos auch Fred Carter Jr. Der 2010 verstorbene Musiker wirkte als Studio- und Sessiongitarrist allerdings eher im Hintergrund. Der in Nashville lebende und arbeitende Fred Carter Jr. hat auf zahlreichen Alben bekannter Musiker seine Gitarrensounds hinterlassen. Am wohl bekanntesten ist seine Arbeit für das Folk-Duo "Simon und Garfunkel". Auf „The Boxer“ spielte Carter vier Gitarren und steuerte das weltbekannte Fingerpicking-Intro des Songs bei. Auf Bob Dylans „Lay Lady Lay“ vom Album "Nashville Skyline" ist er zudem als Bassist zu hören. Fred Carter Jr. spielte auch mit Neil Young, Joan Baez, Waylon Jennings und vielen anderen Größen. 2007 brachte seine Tochter Deana Carter ihr siebtes Album „The Chain“ heraus. Darauf interpretiert die 1966 in Nashville geborene Sängerin und Gitarristin Neil Youngs „Old Man“ vom Album "Harvest", das bekanntlich auch in Nashville, der langjährigen Wirkungsstätte ihres Vaters aufgenommen wurde.

Willie Nelson
Deana Carters Karriere startete übrigens erst, nachdem sie Willie Nelson zu „Farm Aid“ einlud. Willie Nelson kannte Deana Carter schon seit ihrer Kindheit und ist die dritte Country-Legende in dieser Aufzählung. Nicht nur weil er Deana Carter entdeckte, sondern vor allem als Vater von Sohn Lukas Nelson, der Ende 2010 mit seiner Band Promise of the Real sein erstes Album "Promise of the Real" auf den Markt brachte. Darauf findet sich auch eine Version des Songs „L.A.“, den Neil Young auf seinem nie als CD erschienenen Album „Time Fades Away“ veröffentlichte. Lukas’ Vater Willie Nelson ist Neil Young aber nicht nur freundschaftlich und über das gemeinsame Engagement für „Farm Aid“ verbunden. Auf seinem 2008 erschienen „One Hell Of a Ride Box Set“ findet sich eine eigene Coverversion von „Heart of Gold“. Zudem gibt es unzählige gemeinsame Auftritte bei den „Farm Aid“-Konzerten.

Von der Country- zur Jazz-Legende, die der 1917 in Alabama geborene Sänger und Pianist Nat King Cole zweifelsohne war. Cole hatte als Pianist mit seinem Trio in den 40er Jahren große Hits, als der Jazz noch zum Mainstream zählte. Später stand er eher als Sänger im Mittelpunkt. 1956 hatte er mit der „Nat King Cole Show“ als erster schwarzer Sänger eine eigene TV-Sendung. Nat King Cole starb 1965 an Lungenkrebs. Seine Tochter Natalie Cole trat als Sängerin in die Fußstapfen ihres Vaters und nahm seit 1975 mehrere Dutzend Jazz-, Soul- und Pop-Alben auf. Für das Album „Unforgettable ...“ arrangierte sie 1991 ein nachträglich zusammengesetztes Duett mit ihrem verstorbenen Vater, für das sie zahlreiche Preise erhielt. 2007 erschien ihr Album „Leavin'“, das auch eine Coverversion von Neil Youngs „Old Man“ enthält.

Eine Legende ist auch Loudon Wainwright III – zumindest in der Folk- und Singer-/Songwriter-Szene. Der 64-jährige aus North Carolina ist Vater der Folkmusiker, Rufus Wainwright und Martha Wainwright, die aus der Ehe mit der Folksängerin Kate McGarrigle hervorgingen. Auch seine Tochter Lucy Wainwright-Roche sowie seine Schwester Sloan Wainwright sind bekannte Folkmusiker. Auch der Wainwright-Clan hat ein Neil-Young-Cover hervorgebracht. Statt der Kinder musste hier aber Vaters Schwester ran: Sloan Wainwright glänzte 2008 auf dem Album „Rediscovery“ mit einer wunderbaren Interpretation von „After the Gold Rush“.

Schwesterlich ist auch die Beziehung von Allison Moorer zu ihrer älteren Schwester Shelby Lynne, einer Countrysängerin, die auch als Darstellerin von Carrie Cash in der Johnny-Cash-Filmbiografie „Walk the Line“ bekannt wurde. Ihre jüngere Schwester Allison Moorer ist mit Songwriter und Nashville-Outlaw Steve Earl verheiratet und legte 2003 auf „Show“ eine Version von „Don't Cry No Tears“ vor. Ein Titel, der sich in die traurige Familienbiographie von Allison Moorer einfügt, die als Kind mit ansehen musste, wie der Vater erst die Mutter und dann sich selbst erschoss. So verbergen sich also auch dunkle Familiendramen hinter der glitzernden Show-Fassade ...

Der amerikanischen Songwriter James Wesley Voight ist der Bruder des bekannten Schauspielers John Voight, der seit 1963 in unzähligen Filmen und TV-Serien spielte. Viele werden ihn als CIA-Mann aus „Mission Impossible“ kennen. John Voights Tochter ist übrigens Angelina Jolie, was Songwriter James Wesley Voight zu ihrem Onkel macht. Angelinas Onkel tritt unter dem Künstlernamen „Chip Taylor“ auf und hat unter diesem Namen eigene Songs aufgenommen und Songs für Bands wie „The Troggs“ geschrieben. Auf der CD-Beilage "Harvest Revisited" des englischen MOJO-Magazins, die im Februar 2011 dem 40-jährigen Jubiläum von Neil Youngs Album „Harvest“ gewidmet ist, steuerte Chip Taylor eine Coverversion von „Words (Between The Lines Of Age)“ bei.

Was Angelina Jolie fürs aktuelle US-Filmgeschäft ist, war Jane Birkin in den 60er und 70er Jahren für die französische Kulturszene. Die gebürtige Britin wurde durch Antonionis Kultfilm „Blow Up“ bekannt. Durch ihre Ehen mit dem Filmkomponisten John Barry und dem französischen Sänger, Komponisten und Regisseur Serge Gainsbourg war Jane Birkin auch eng mit der Musik verbunden. Als Sängerin bekannt wurde sie 1969 mit dem von Gainsbourg komponierten Song „Je t’aime… moi non plus“, den Birkin mehr hauchte als sang. 2006 legte Jane Birkin das Album „Fictions“ vor, auf dem sich auch eine Coverversion von „Harvest Moon“ findet - auch mehr gehaucht, als gesungen und mit hübschem französischen Akzent. Einer der Musiker, mit dem Birkin auf dem Album zusammen arbeitete, war übrigens Rufus Wainwright, Sohn von Loudon Wainwright III, womit die Wainwright-Familie nun an insgesamt zwei Covern beteiligt war.

Zurück zum Vater-Tochter-Schema: Alexa Ray Joel, gemeinsame Tochter von Songwriter Billy Joel und Supermodell Christie Brinkley, hat ihren zweiten Vornamen zu Ehren des großen Ray Charles erhalten. Eigentlich also allerbeste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Musikerkarriere. Bislang beschränkt sich diese aber auf eine einzige EP und einige wenig beachtete Singles auf Independent-Labels. Ein richtiges Album, für das auch ihr Vater Billy Joel im Studio war, sollte schon im letzten Jahr erscheinen, ist aber weiterhin nur angekündigt. Nur eine Single daraus ist schon vorab veröffentlicht worden. Alexa Ray Joel spielte für ihrer EP „Sketches“ von 2006 eine Version von Neil Youngs „Dont Let It Bring You Down“ ein.

Gleich zwei Töchter schickt Beach-Boy Brian Wilson ins Neil-Young-Cover-Rennen. Carnie und Wendy Wilson bilden zusammen Chynna Phillips das Trio „Wilson Phillips“. Die dritte im Bunde, Chynna Phillips, hat übrigens ihre Musiker-Gene gleich in doppelter Hinsicht von Mama und Papa geerbt: Sie ist die Tochter von John and Michelle Phillips. Beide waren Mitglieder der legendären Flower-Power-Gruppe „The Mamas & the Papas“. Das Trio „Wilson Phillips“ veröffentlichte 1990 sein Debütalbum und schaffte mit der Single „Hold On“ sogar einen Nummer-Eins-Hit. Das Album verkaufte sich weltweit über 10 Millionen Mal. Nach Trennung und Reunion im Jahr 2004 kam im gleichen Jahr ihr Album „California“ heraus, das mit "Old Man" auch eine Neil-Young-Coverversionen enthält.

Eine andere bekannte Tochter im Musikbusiness ist Coco, Tochter von "The Police"-Bassist „Sting“. Die hat sich den ungewöhnlichen Künstlernamen "I Blame Coco" zugelegt und Ende 2010 ihr Debüt-Album "The Constant" mit 14 Songs veröffentlicht. Auch Stings Tochter präsentiert auf ihrem Erstlingswerk ein Neil-Young-Cover: "Only Love Can Break Your Heart" aus Youngs 1970er Album "After the Gold Rush". Den Song hat sie elektronisch, mit deutlichen Raggae- und Ska-Einflüssen und sehr eigenständig interpretiert. Sie liegt mit diesem Arrangement auch verblüffend nah am alten Police-Sound. Der Apfel fiel also nicht sehr weit vom Stamm.

Große musikalische Nähe zum Vater zeigt auch James McCartney, Sohn von Ex-Beatle Paul McCartney. Der legte im September 2010 die EP "Available Light" mit fünf Titeln vor. Der stolze Vater hat das Album seines Sprösslings selber produziert, teilweise sogar in den legendären Abbey-Road-Studios in London. James McCartneys "Old Man" aus Neil Youngs 1972er Harvest-Album ist eine poppige Version mit leichtem Country-Einschlag, die des Vaters Handschrift als Produzent deutlich erkennen lässt. Paul McCartney selber ist Neil Young eng verbunden. Er spielte beim Bridge-School-Benefit 2004 und jammte mit ihm auf einem Londoner Neil-Young Konzert. Neil Young wiederum coverte McCartney „A Day in the Live“ auf vielen Live-Shows und führte den Engländer 1999 als Laudator in die "Rock and Roll Hall of Fame" ein.

Zum Schluss noch einmal echte „Familienbande“: Auch Neil Youngs Halbschwester Astrid hat ihren berühmten Bruder gecovert. Astrid Young ist seit 20 Jahren im Hauptberuf diplomierter Wein-Sommelier – spezialisiert auf Wein aus Kalifornien und Burgund. Sie betreibt die Weinberatung und hat in ihrer Heimatstadt Toronto Restaurants und Einrichtungen beim Aufbau von Weinkellern und Weinkarten beraten. Sie arbeitet auch als Restaurant-Manager in Wellington, Ontario, und veröffentlicht regelmäßig Artikel auf der Gourmet-Website Gremolata.com. Nebenbei malt sie auch noch – und macht Musik. 2007 steuerte Astrid Young für das Tribute-Album “Borrowed Tunes - Tribute To Neil Young, Vol. 2” eine Version von “Sleeps With Angels” bei.


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Kommentare :

  1. Danke für die vielen interessanten Hintergrundberichte zu Neil Young-Covern. Hier (s.o.) ist aber ein Fehler unterlaufen : Das Album "California" von Wilson Phillips erschien 2004 (nicht 2008) und enthält lediglich ein Neil Young-Cover. "Dance Dance Dance" ist eine Beach Boys-Nummer, hat aber den gleichen Titel wie ein gewisser Neil Young Song ;-))

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    1. Danke für den Hinweis. Korrektur ist erfolgt.

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