Freitag, 17. Dezember 2010

Studio 66 - Neil Youngs neuester "Saitensprung"

Neil Young Valco Studio 66
Eigentlich gehört Neil Young zu den eher treuen Gitarristen: Akustisch ist er bei Martin zu Hause, elektrisch sieht man ihn seit Jahrzehnten mit „Les Paul“ und „White Falcon“. Trotzdem bleiben in einem so langen Musikerleben gelegentliche Saitensprünge natürlich nicht aus. Akustisch sah man hin und wieder mit einer Gibson oder Taylor im Arm.

Die Reihe der elektrischen Ausflüge in andere Markengefilde war größer: Sogar vor Fenders Telecaster und Stratocaster schreckte Young nicht zurück. Im Gibsonlager gehörten auch schon mal eine „Flying V“ und die „Explorer“ zu seinem Bühnenequipment. Auf der Europatour 2009 war häufig eine „Les Paul Junior“ in Gebrauch. Auch Exoten haben bei Neil Young hin und wieder eine Chance. Akustisch ist das aktuell Daniel Lanois’ kleine, schrammelige Mahagoni Guild M-20. Elektrisch kam - etwa bei „Ordinary People“ - eine wüst aussehende Hertie-Caster zum Einsatz.

Seinen neuesten Saitensprung leistete sich Neil Young jetzt sogar in Gegenwart seiner Ehefrau Pegi. Als Teil der „Pegi Young Band“ spielte er am 16. Dezember beim Konzert im "Bell House" in Brooklyn eine Valco „National Studio 66“ aus den 60er Jahren. Dieses Schlachtschiff von einer Gitarre könnte man durchaus auch als die LincVolt unter den Saiteninstrumenten bezeichnen. Auch sie hat einen alternativen Antrieb: Der Korpus besteht nicht wie üblich aus Holz, sondern aus Fiberglas - und hat die weißen, geschwungenen Linien eines Lincoln Continental.

"Valco Studio 66"
Die 1942 gegründete Firma Valco aus Chicago hat aus dem Material, das sie „Res-O-Glas“ nannte, in den 1960er Jahren mehrere Modellreihen von E-Gitarren gebaut. Valco vertrieb die höherwertigeren Instrumente unter dem Markennamen „National“, preiswertere Instrumente wurden dagegen unter der Marke „Supro“ verkauft. Die Firma arbeitete zudem als Auftragsfertiger und ihre Produkte, zu denen u.a. auch Verstärker zählten, wurden unter Dutzenden weiterer Markennamen vertrieben.

Im Gegensatz zu den eher schlichten Holzgitarren der Firma, tobten sich die Designer bei den National- und Supro-Fiberglaskonstruktionen so richtig aus. Das Material erlaubte erheblich variantenreichere Formen als Holz. Die Studio 66“ (Foto rechts) gehört da mit ihrer eher klassischen „Les Paul“-Form noch zu den brav aussehenden Exemplaren.

Das von Neil Young verwendete Studio-Modell wurde in dieser Form von 1961 bis 1964 gebaut und war preislich unterhalb der Top-Modelle der "Glenwood"-Serie (Foto links) angesiedelt. Danach war die „Studio 66“ noch zwei Jahre in schwarz und mit geändertem Design erhältlich.

Technisch ist die Gitarre mit nur einem Pickup, je einem Tone- und Volumeregler, dem einfachen Trapezsaitenhalter und der nicht verstellbaren Holzbrücke eher schlicht gehalten. Da hatten die anderen Res-O-Glas-Modelle von Valco-National schon abenteuerlicheres zu bieten: Bis zu sechs Drehregler und Schiebeschalter steuerten die Elektrik.

1968 ging Valco in Konkurs. Heute sind von der Firma Eastwood wieder Replica der alten Valco-Gitarren erhältlich - die aber nicht mehr aus Fiberglas, sondern traditionell aus Holz gefertigt werden.

Neil Youngs mit seltenen Gitarrenmodellen
In flagranti erwischt - Neil Young bei einigen seiner Saitensprüngen


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