Freitag, 13. November 2015

UPDATED #11 Großes Special: Alles über 'Bluenote Café'

Neil Young - Bluenote Café - 2015
Willkommen im "Bluenote Café". Seit Freitag, 13. November, steht Neil Youngs neues Archivalbum aus seiner Rhythm & Blues-Ära in den Jahren 1987 und 1988 als Doppel-CD, Vierfach-Vinyl Pono- und MP3-Download in den Plattenläden und Online-Stores.

"Bluenote Café" ist Album Nr. 11 innerhalb der "Archive Performance Serie" mit zuvor unveröffentlichten Live-Konzerten aus der Frühzeit von Neil Youngs Karriere. "Bluenote Café" ist zudem die zweite offizielle Veröffentlichung in diesem Jahr nach dem Album "The Monsanto Years" im Juni.

"Rusted Moon" hat zum Release alle Daten, Fakten und Hintergründe zum neuen Archiv-Album von Neil Young zusammengestellt und aufbereitet. [Weiter zum großen "Bluenote Cafè"-Special ...]


Track List

Disc 1:

01. Welcome To The Big Room................7:30

02. Don’t Take Your Love Away From Me......9:30

03. This Note’s For You....................5:24

04. Ten Men Workin’........................8:31

05. Life In The City.......................3:51

06. Hello Lonely Woman.....................4:50

07. Soul Of A Woman........................5:53

08. Married Man............................3:05

09. Bad News Comes To Town.................8:00

10. Ain’t It The Truth.....................7:30

11. One Thing..............................6:41

12. Twilight...............................7:49



Disc 2:
01. I’m Goin'..............................5:34
02. Ordinary People........................12:50
03. Crime In The City......................7:20
04. Crime Of The Heart.....................5:36
05. Welcome Rap............................0:34
06. Doghouse...............................4:10
07. Fool For Your Love.....................4:12
08. Encore Rap.............................1:07
09. On The Way Home........................2:55
10. Sunny Inside...........................3:53
11. Tonight’s The Night....................19:26



Credits
  • Neil Young - Gitarre, Gesang
  • Rick Rosas - Bass
  • Chad Cromwell - Schlagzeug
  • Frank Sampedro - Keyboards
  • Steve Lawrence - Tenor Saxophon
  • Ben Keith - Alto Saxophon
  • Larry Cragg - Baritone Saxophon
  • Claude Cailliet - Posaune
  • Tom Bray - Trompete
  • John Fumo - Trompete
  • Billy Talbot – Bass
  • Ralph Molina - Schlagzeug
  • Produzenten: The Volume Dealers (Neil Young, Niko Bolas)
  • Mix: Tim Mulligan, Niko Bolas 
  • Bandrestaurierung, Analog/Digitalwandlung: John Nowland
  • Bearbeitung: Hohn Hausmann
  • Mastering: Ron McMaster, Jan Sefchick, Capitol Mastering
  • Post-Production: John Hausman
  • Ardirection, Design: Gary Burden, Jenice Heo

Verkaufsversionen
  • Doppel-CD
  • Low-Res Download (iTunes, Amazon, etc)
  • PONO FLAC-Download (16bit/44kHz)
  • Vierfach-Vinyl


Preview

Alle 21 Songs und 2 Ansagen des Albums sind hier auf "Rusted Moon" vorab als Stream zu hören.


Entstehungsgeschichte

Cabana Hotel Palo Alto
Hotel in Palo Alto: Hier wollte Neil
Young den Film "Big Room" drehen
Neil Youngs Leidenszeit beim Plattenlabel Geffen neigte sich 1987 endlich dem Ende zu. Geffen hatte Neil Young Ende 1983 wegen "Unkommerzialität" verklagt, sich später aber dann doch mit dem eigensinnigen Künstler außergerichtlich geeinigt. Die für beide Seiten unbefriedigende Zusammenarbeit sollte mit einem Studio- und einem Live-Album mit "Crazy Horse" enden. Das Live-Album mit dem sinnigen Titel "Life" kam dann im Juni 1987 heraus und enthielt Aufnahmen einer Tour aus dem Jahr zuvor.

Neil Young & Crazy Horse bewarben das Album - auf dessen Cover Neil Young hinter (Geffen-)Gittern zu sehen ist - mit einer weiteren US-Tour im August und September 1987. Der auf dieser Tour erstmals gespielte R&B-Titel "Welcome To The Big Room" sowie ein Reunion-Treffen mit seiner Jugendband "The Squires" in Winnipegs Blues-Kneipe "Blue Note Café" kitzelten bereits Neil Youngs Muse. Nachdem ihm "Squires"-Bassist Ken Koblun dann auch noch alte Notenblätter mit Blues-Songs schickte, die Neil Young Ende 1964 im Jimmy Reed-Stil in Fort William geschrieben hatte, war klar: Neil Young hatte den Blues.   

Als Anfang Oktober 1987 die Nachricht kam, er sei aus dem Vertrag mit Geffen Records entlassen, legte Neil Young mit Volldampf los: "Crazy Horse" wurde kurzerhand um eine Bläsergruppe erweitert. Neben neuen Blues-Arrangements der alten "Squires"-Songs schrieb er ein paar neue Stücke, sogar Pläne für einen Film nahmen Gestalt an. In einem alten Hotel, das einst der Schauspielerin Doris Day gehörte, wollte Neil Young eine Art "Las Vegas"-Musical um Musiker, Mafia und Glücksspieler drehen. Geplanter Titel des Films: "The Big Room".

Das Projekt scheiterte aber an der fehlenden Finanzierung, Nach den desaströsen Geffen-Jahren mit miserablen Plattenumsätzen wolle keiner mehr Geld in ein Neil Young-Projekt investieren. So ging er mit den "Bluenotes" auf eine Club-Tour und produzierte mit eigenem Geld ein neues Album. Das entstand Ende 1987 im SIR, Los Angeles, hieß "This Note's For You" und erschien 1988.

Neil Young - Bluenote CaféFür die Promotion des Albums - das erste, das wieder bei Warner/Reprise erschien - ging Neil Young mit den "Bluenotes" 1988 auf eine weitere Tournee. Zuvor musste er aber die Band in "Ten Men Working" umbenennen, weil die Philadelphia-Soulband "Harold Malvin and The Blue Notes“ Namensrechte geltend machte. Das Video zum Titelsong "This Note's For You" wurde 1988 bei MTV Video des Jahres - nachdem es der Sender zuvor gar nicht senden wollte.

Mit den Aufnahmen der "Bluenotes"-Tour wollte Neil Young eigentlich schon damals ein Live-Album herausbringen. Das Vorhaben wurde aber zurückgestellt, weil nach der kurzen Blues-Ära 1987/88 spätestens ab 1989 wieder Rockmusik pur angesagt war und Neil Young 1989 mit dem Album "Freedom" auch kommerziell wieder in die Erfolgsspur fand.

Das Projekt trug Neil Young über Jahre weiter im Herzen. Die Tonbänder der "Bluenotes"-Tour wurden schließlich im Rahmen der Arbeiten an den Archiven restauriert und für ein Doppelalbum zusammengestellt, das jetzt als Nr. 11 in der "Neil Young Archive Performance Series" erschienen ist.


Das Albumcover

Blue Note Café Winnipeg
Das Blue Note Café
(Foto: Winnipeg Free Press Archiv)
Das Coverfoto von "Blue Note Café" zeigt die gleichnamige Musikkneipe in der Main Street in Winnipeg, die 2011 abgerissen wurde. Das "Blue Note Café" war dort 1993 in den Räumen eines ehemaligen Hotelrestaurants eröffnet worden, ehe es Mitte der 1990er Jahren wegzog. 1987 war das Café Schauplatz eines Reunion-Gigs von Neil Young & The Squires.

Das Foto wurde von Jack Harper aufgenommen, der in Winnipeg einst mit Neil Young in die Kelvin High School ging und als Gründungsmitglied der "Squires" Schlagzeug spielte. Die Band probte anfangs sogar im Keller von Jack Harper, der aber bereits früh wieder ausstieg, um sich auf Schule und Eishockey zu konzentrieren. Neil Young und Jack Harper blieben enge Freunde und halten bis heute Kontakt. Harpers Fotos der frühen Jahre in Winnipeg sind auch in Neil Youngs Memoiren enthalten.


"Poncho" als Mann am Klavier

"Crazy Horse"-Gitarrist Frank "Poncho" Sampedro musste auf der "Bluenotes"-Tour von der Gitarre zu den Keyboards wechseln. Grund war eine gebrochene Hand. Die Verletzung hatte er sich beim Training in einem Fitness-Studio zugezogen. Dort sollte sich der etwas außer Form geratene Sampedro auf Geheiß seines Bandleaders Neil Young eine bessere körperliche Verfassung holen.


Die Songs

Sieben der 21 Songs waren bisher noch nie auf einem offiziellen Album Neil Youngs zu hören:“Soul of a Woman”, “Bad News Comes to Town”, "Ain’t it the Truth”, “I’m Goin’”, “Crime of the Heart”, “Doghouse”, “Fool for Your Love”.

Die Songs "Hello Lonely Woman", "Find Another Shoulder" und "Ain't It The Truth" gehören zu den Songs, die Neil Young im Herbst 1964 im legendären Victoria Hotel in Fort William während eines Engagements mit seiner Jugendband "The Squires" geschrieben hatte. Sie entstanden im Stil des damals von Neil Young bewunderten Bluesmusikers Jimmy Reed. Zur gleichen Zeit und im gleichen Hotel Victoria entstand auch Neil Youngs berühmter Folkklassiker "Sugar Mountain".


Neil Youngs Setup

Neil Young hat für seine Art von Blues sein gewöhnliches Bühnensetup modifiziert. Zwar kam auch bei den "Bluenotes" seine legendäre Gibson Les Paul "Old Black" zum Einsatz. Aber statt des gewohnten 1959er Fender Deluxe Verstärkers stand ein "Silvertone" Amp aus den 1960er Jahren auf der Bühne (Video links).

Bei "Silvertone" handelt es sich um eine Handelsmarke des Versandhändlers "Sears, Roebuck". Der ungewöhnliche "Versandhaus-Verstärker" sorgte für einen eher weichen, bluesigen Sound, der zwar leicht angezerrt aber bei weitem nicht so rauh und Feedback-behaftet klingt, wie Neil Youngs Sound mit "Crazy Horse".


Das geplatzte Filmprojekt

Ursprünglich war geplant, die Blues-Songs des Albums für einen Film namens "The Big Room"zu verwenden, den Neil Young 1987 im Blues-Brothers-Stil produzieren wollte. Der Plot sollte in einem schäbigen Kasino-Klub in Las Vegas spielen, wo eine eine erfolglose Blues-Band allerlei Abenteuer rund um Glücksspieler, Mädchen und reichlich Alkohol erlebt. Als Drehort hette Neil Young sich ein Hotel in unmittelbarer Nachbarschaft zu seiner Ranch ausgesucht, das wie eine Miniaturausgabe des berühmten "Ceasars Palace" in Las Vegas aussah. Tatsächlich war das Hotel auch das architektonische Vorbild für das bekannte Kasino, dass der Gründer des "Caesars" zusammen mit Doris Day 1962 in Kalifornien eröffnet hatte. Das Filmprojekt platze, als Geffen Records die Finanzierung nicht übernommen wollte.


Videos

Von der "Bluenotes-Tour sind Videoaufnahmen auf YouTube verfügbar. Zuschauer haben unter anderem die Shows im Agora Ballroom in Cleveland und in Toronto auf Super-8 aufgenommen. Die etwa wackeligen Filmaufnahmen zeigen Neil Young als "Shakey Deal" - sein Pseudonym als Bluesmusiker - und die Band auf der Bühne.





Kritiken und Reviews (Update #11)
  • Hamburger Abendblatt: “Es scheint, als habe der Sänger und Gitarrist bei dieser Tournee mit seiner Truppe viel Spaß gehabt. Und es ist ein Segen, dass Young diese Konzertperlen unter die Leute bringt.“
  • Will Hermes, Rolling Stone: "'Welcome To The Big Room' und 'Married Man' klingen immer noch, als wurden sie geschrieben beim Warten darauf, dass der Toast knusprig wird." 3 von 5
  • Craig Mathieson, Sidney Morning Herald: "Kürze ist nicht die Stärke dieses Doppelalbums , aber zum Schluss-Track, einer epischen 20-Minuten-Version von 'Tonight's the Night' kann man unmöglich nein sagen." 3 Sterne
  • Jeff Monk, Winnipeg Free Press: "Wenn man sich das jetzt anhört, fällt es schwer zu glauben, dass die Kritiker darüber jammerten, er würde sich von seine Muse entfernen als Young damals mit mit dieser großen Band auftrat." 4,5 von 5
  • Wiener Zeitung: "Nicht alle Lieder sind von gleicher Qualität, aber darunter finden sich auch Perlen wie der wunderschöne Blues "One Thing" (vom "This Note's For You" Album)."
  • Seth Colter Walls, The Guardian: "Während einige Veröffentlichungen der Performance Series aus Youngs laufendem Archivprojekt gefeiert werden, weil sie den Fans mehr aus jenen  Zeiträumen liefern, die ihnen am besten gefallen, zeigt diese Edition, wie lohnend es sein kann, auch noch einmal einen Blick auf weniger berühmten Epochen von Youngs langer und abwechslungsreicher Karriere zu werfen." 4 von 5
  • Hal Horowitz, American Songwriter: "Diese bemerkenswert lebendige und unmittelbare Live- Kompilation zeigt, dass Young diese Seitenstraße sehr ernst nahm und dass es mehr, als nur eine vorübergehende, momentane Laune in seiner vielfältigen und mäandernden Karriere war." 4,5 von 5 Sterne
  • Colin Morris, stuff.co.nz: "Vielleicht müssen wir David Geffen dafür danken, dass er Young einen Tritt in den Hintern gab." 4 Sterne
  • Glen Boyd, blogcritics.org"Kurz gesagt, das hier ist ein wirklich großartiger Scheiß." A-
  • Philipp Dulle, Profil: “Dass das hier dokumentierte Saxophon- und Trompetenfeuerwerk grundsätzlich nicht schlecht, aber dann doch zu überladen klingt, passt eben nicht wirklich zur zerbrechlichen Stimme des kanadischen Rockmusikers.“ 5,4 von 10
  • Chris Gerard, Pop Matters: "Die langsame und athomsphärische Ballade 'Twilight' ist vielleicht die größte Überraschung. Auf 'This Note's For You' klingt sie dünn und ist beinahe unhörbar. Die Live-Aufnahme - mit packender Gitarre, Saxophonsolos und leidenschaftlichem Gesang Youngs, ist fantastisch. (...) 'Bluenote Café' ist Neil Young pur - und ein weiterer Beweis, dass Youngs Arbeiten aus den 80er Jahren mehr wert sind, als viele Fans und Kritiker wahrhaben wollen." 9 von 10 Sterne
  • Andy Gil, Indipendent: "Eine Auswahl von Gitarrensoli, die (zum Glück) im üblichen Rahmen des Blues-Genres bleiben. Denn sonst sind Dinge ein wenig festgefahren und schwerfällig: der Opener 'Big Room' ist wie Brei, der langsam eine Schüssel hinunterrutscht, während 'Ten Men Workin'' unverdient die Größe seiner Band feiert." 3 von 5 Sternen
  • Stefan Hentz, Neue Zürcher Zeitung: "'Es schliesst eine Lücke in seiner dokumentierten Karriere. Zwischen November 1987 und August 1988 war er mit einer um Bläser erweiterten Besetzung seiner Herzensband Crazy Horse und einem von R'n'B-Sänger Jimmy Reed beeinflussten Programm durch Kalifornien getourt. Minnedienst für sich selbst, für Archivare und die Beinharten unter den Fans. Gerade im Zeitalter des Bit-Raten-Zerfalls muss er diese Lücken schliessen. Das verlangt die Ehre dieses Ritters der analogen Gestalt."
  • Joe Breen, Irish Times"Das Spiel ist scharf, druckvoll und voller Energie. Young hält seine mäandernden Gitarrensoli in Schach und die Songs, die zwar nicht mit seinen besten mithalten, bereichern das Genre mit echtem Flair. Die Ausnahme ist eine wilde 19- Minuten-Version von 'Tonight's The Night', aber das ist der grimmige Klassiker eigentlich immer." 4 Sterne
  • Markus Mayer, BR.de: "Die Songs, in denen Young die Auswüchse des Reagan-Ära kritisierte, sind kraftvoll, funky und geradeaus arrangiert. Der Urvater aller Garagen-Rocker macht auch als Soul-Sänger eine gute Figur"
Regelmäßige Updates der Kritiken folgen, Stay tuned ...


Weitere Hintergrundinfos

⇒ "Als Neil Young auf einem Versandhaus-Verstärker spielte" - Artikel über Neil Youngs besonderen Gitarrenverstärker, den er auf der Bluenotes-Tour benutzte.

⇒ "Hello Lonely Woman' - Neil Youngs Jugend-Blues von 1964" - Artikel über einen der Songs, die Neil Young schon während seiner Zeit bei den "Squires" schrieb und die er für die "Bluenotes"-Tour wieder ausgrub.

⇒ "The Big Room - Neil Youngs gescheitertes Filmprojekt" - Artikel über das bizarre Filmprojekt "The Big Room" mit Songs der "Bluenotes" und Neil Young als "Shakey Deal".

⇒ “Neil Young wird zum Blues Brother“ - Artikel über die "Bluenotes"-Ära.

⇒ "Blue Notes for You - Neil Young und der Jazz" - Wie Neil Young von Jazz- und Bluesgrößen zum jazzigen Bluessound der "Bluenotes"-Ära inspiriert wurde.


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1 Kommentar :

  1. Neil Young als Blues Brother ist für mich ekn erfüllter Traum!

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