Donnerstag, 8. Dezember 2016

UPDATE #22 Alles über Neil Youngs neues Album 'Peace Trail'

Neil Young - Peace Trail
Ab Freitag, 9. Dezember bringt Neil Young sein neues Album "Peace Trail" in den Handel. Es ist  - je nach Zählweise - sein 37. Studioalbum oder das 38., wenn man das nachbearbeitete "EARTH" als Hybrid-Album dazu zählt. Zusammen mit jenem ist es zugleich Neil Youngs zweite reguläre Albumveröffentlichung in diesem Jahr. Das kam nicht allzu häufig vor in der 50-jährigen Karriere des inzwischen 71 Jahre alten Kanadiers

"Peace Trail" markiert auf gleich mehrfache Weise einen der für Neil Young typischen abrupten Kurswechsel: Mitten auf dem Höhepunkt seiner Zusammenarbeit mit "Promise of the Real" spielte er das neue Album in einer kargen Gitarre/Bass/Schlagzeug-Besetzung ein. Aus dem 6-köpfigen Ensemble mit drei Gitarren, Bass und doppelt besetzten Schlaginstrumenten wird auf "Peace Trail" eine intime 3-Mann-Combo. Für die griff er auf seinen alten Weggefährten Jim Keltner und den erstmals mit ihm spielenden Paul Bushnell zurück. Nach der gefeierten Europatour mit "Promise of the Real" und dem weltweit beachteten Auftritt beim Mega-Festival "Desert Trip", sowie eine bereits angekündigte Tour in Australien, Japan und Südamerika vor Augen, kam dieser Personalwechsel dann doch ziemlich überraschend.

Eine Überraschung war auch, dass Neil Young mit dem Album einen Rückzieher bei der digitalen Vermarktung seiner Musik machte. Hatte er 2015 noch alle Alben aus den Katalogen der Streaming-Dienste entfernen lassen und "EARTH" sogar absichtlich als überlange 1-Track-Version produziert, so erscheint "Peace Trail" jetzt wieder auf allen digitalen Kanälen - von Apple Music bis zu Spotify und Tidal. Und das sogar in der von Young heftig kritisierten MP3-Qualität. Er selber hat sich dazu bislang nicht geäußert. Aus seinem Umfeld verlautetet aber, man wolle den Fans wieder alle Zugangsmöglichkeiten eröffnen und dann sehen, wie die Verkäufe sich verteilen.

Einen weiteren Kurswechsel gab es bei der Produktion des Albums. Waren bei Vorgänger "EARTH" Overdubs und Autotune noch im Einsatz, um die Konzertmitschnitte zu bearbeiten und zu ergänzen, wird die Technik bei "Peace Trail" nun auch bei einem reinen Studioalbum offensiv eingesetzt. Über Jahrzehnte hatte sich Neil Young einer solchen Produktionsweise - mit wenigen Ausnahmen - verweigert. Jetzt baut er wieder E-Gitarre, Gesang und Vocoder-Effekte nachträglich ein.  [Weiter mit allen Infos zum Album ...]

Auch musikalisch verlässt Neil Young auf "Peace Trail" ausgetretene Pfade. "Ich habe auf dem Album einige Disziplinen aufgegeben", erzählte Neil Young Randy Lewis von der Los Angeles Times und meint damit, dass Songs wie "Texas Ranger" oder "My Pledge" nicht gerade wie typische Young-Songs daherkommen. Das führte zu teils entsetzten Vorabkritiken (Ausschnitte unten), die auch die Qualität seiner Texte als naiv und plump kritisieren. Das räumt selbst Neil Young ein: "Es gibt da einige technische Dinge in den Texten, die ziemlich schlampig sind. Aber das macht nichts. Ich denke, das ist gut so. Ich muss nichts zurückdrehen und Dinge korrigieren", sagter er der Los Angeles Times.

"Rusted Moon" hat in diesem Special Daten, Fakten, Kritiken und Hintergründe zu Neil Youngs neuem Album "EARTH" zusammengetragen.


Tracklist


01. Peace Trail.........................5:31
02. Can’t Stop Workin’..................2:45
03. Indian Givers.......................5:40
04. Show Me.............................4:03
05. Texas Rangers.......................2:30
06. Terrorist Suicide Hang Gliders......3:17
07. John Oaks...........................5:11
08. My Pledge...........................3:55
09. Glass Accident......................2:52
10. My New Robot........................2:34


Gesamtlaufzeit: 38:18




Credits


Neil Young - Peace Trail - CD
Produktion: Neil Young, John Hanlon

Neil Young - Gitarre, Harmonika, Vocoder, Gesang
Jim Keltner - Schlagzeug
Paul Bushnell - Bass
Micah Nelson - Gesang
Joe Yankee (=Neil Young) - Elektrische Harmonika, Pumporgel

Aufnahmestudio: Shangri La Studios, Malibu

Mix: John Hanlon
Toningenieur: Eric Lynn
Tonassistenz: Johnny Burik, Kevin Smith
Tonband-Operator: Jimmy Sloan
Gitarrentechniker: Stephen Ferrera-Grand
Vocoder- und Mundharmonikatechniker: Bob Rice
Assistenz Postproduktion: Tim Muligan

Gestaltung: R. Twerk & Co

Alle Songs geschrieben von Neil Young
Erschienen 2016 (c) Reprise Records


Verkaufsversionen von "Peace Trail"


Im regulären Handel:
Neil Young - Peace Trail - Cap
  1. Audio-CD
  2. Vinyl-LP - ab 6. Januar 2017
  3. Download/Streaming TIDAL, HDTraks, Spotify, iTunes, Google Music, Amazon Music
  4. Audiokassette
Nur über den Warner/Reprise Webstore:
  1. CD + Mütze
  2. Vinyl + Mütze  - ab 6. Januar

Entstehungsgeschichte und Aufnahmen


Neil Young - Peace Trail - Back Cover
Neil Young hat die zehn Songs des Album nach eigener Aussage nach der Produktion seines letzten Albums "EARTH" geschrieben. Im September überraschte er dann den irischstämmigen Bassisten Paul Bushnell mit einem Anruf. Micah Nelson hatte ihm von Bushnells Bassspiel erzählt und seinem Freund so den Job verschafft.

Die Aufnahmen fanden in Rick Rubins Shangri-la Studios in Malibu statt. Laut Paul Bushnell haben er, Jim Keltner und Neil Young die zehn Songs innerhalb von nur vier Tagen aufgenommen. Wie bei Neil Youngs Produktionen üblich, habe man meist den ersten oder zweiten Take für das Album verwendet. Neil Young habe die Songs quasi auf dem Weg ins Studio geschrieben, berichtet Bushnell weiter: "Wir nahmen sie auf, während er sie schrieb."

Nach den Aufnahmen wurden den Tracks  noch Overdubs hinzugefügt. Neil Young selber sang einige Backingvocals, die per Autotune eingefügt wurden. Auch Mundharmonika und elektrische Gitarre sowie der seit "Trans" nicht mehr verwendete Vocoder kamen nachträglich zum Einsatz. Alles in allem soll das Album in einer Woche fertig gestellt worden sein.


Die Musiker


Jim KeltnerDer amerikanische Schlagzeuger Jim Keltner (74) hat bereits früher mit Neil Young gespielt. Er ist auf den Alben "Silver & Gold" und "Red Rock Live" zu hören. Er war außerdem 1993 mit "Booker T. & The MGs", 2000 bei der Tour mit CSN&Y sowie in der Band "Friends And Relatives" mit Neil Young auf Tour. Als Sessiondrummer spielte er auf Alben der drei Beatles John Lennon, Ringo Star und George Harrison. Keltner ist auch auf "Knockin' on Heaven's Door" von Bob Dylan und bei den "Traveling Wilburys" zu hören.

Paul BushnellDer irische Bassist Paul Bushnell arbeitet auf "Peace Trail" erstmals mit Neil Young zusammen. Bekannt wurde er durch Alan Parkers Musikfilm "The Commitments" von 1991, dessen Soundtrack er auch koproduzierte. Bushnell spielte danach auf Produktionen mit Elton John, Phil Collins, Alanis Morissette, Michael Bublé, Jewel, Shakira und Sarah McLachlan und vielen anderen Künstlern mit und war als Bassist der Band der Country-Sängerin Faith Hill auf Tour.


Das Albumcover


Peace Trail - Front Cover
War die von Daryl Hannah erstellte Cover-Grafik des letzten Albums "EARTH" schon ein gestalterischer Tiefpunkt, kann man das Frontcover von "Peace Trail" als die wohl simpelste Plattenhülle aller Neil Young-Alben betrachten. Handschrift auf Pressspanplatte - das war's. Der puristische musikalische Ansatz soll sich ganz offensichtlich auch in der grafischen Aufmachung wiederspiegeln.

Die Rückseite des Albums ist nach dem gleichen simplen Konzept gestaltet. Mit Handschrift und Schreibmaschine sind dort die Credits vermerkt. Wobei (absichtliche) Schreibfehler durchgeixt oder durchgestrichen sind. In der Papphülle steckt noch ein Faltposter mit den Songtexten.


Deutsche Übersetzung der Songtexte


Rusted Moon hat die meisten Songs des Albums bereits ins Deutsche übersetzt, als Neil Young sie live auf der letzten US-Tour vorstellte. Hier die beiden Links zu den Übersetzungen:


Offizielle Videos




Weitere Hintergrundinfos



Preview des gesamten Albums auf Youtube






Kritiken/Reviews (UPDATE #22)


 Jörn Schlüter, Rolling Stone: "'Peace Trail' ist von einer spürbaren Milde durchzogen – vielleicht sucht Young nach den kämpferischen Ansagen seiner letzten Werke die Entspannung. Seine Entscheidung, diese Songs nicht mit Promise Of The Real zu spielen, erweist sich als richtig: Das enorm bewegliche, neugierige und nicht auf Standards reduzierte Zusammenspiel der drei reifen Herren gibt „Peace Trail“ das besondere Moment." 4 von 5

⇒ Helen Malich, BR Kultur“Manche Stücke erinnern an raue, reduzierte Songwriter-Traditionen, bei anderen spielt Young mit Hilfe von Autotune sein eigenes Echo und verstrickt sich sowieso recht oft in Mantra-artigem Gesang. Vielleicht ist es aber auch die alte Leier, die man als Weltverbesserer so oft von sich geben muss. Da werden eben Wiederholung und Eintönigkeit zum Stilmittel.“

 Simon Ramsay, stereoboard: "Abgesehen davon, dass eine Qualitätskontrolle nicht vorhanden ist, bietet "Peace Trail" immer noch eine spannende und frustrierende Mischung aus Gutem, Schlechtem und Hässlichem, die zu hitzige Debatten unter seinen Fans inspirieren wird. Man bekommen das Gefühl, dass er es auch nicht anders haben wollte."
 3 von 5

⇗ Giuliano Benassi, laut.de: "Gesellschaftskritik oder kleiner Spaß? Wer weiß. Fest steht, dass Young noch viel zu erzählen hat, wie er schon im Opener klar stellt: 'Don't think I'll cash it in yet / I keep planting seeds 'til something new is growing'. Immer gerne."

⇗ Alfred Rogoll, Badische Zeitung: "'Peace Trail' ist in seiner gekonnten Schlichtheit ein außergewöhnlicher, klangstarker Höhepunkt."

⇗ James Gerard, Soundlab: "Vielleicht ist das größte Kompliment, das man Neil Young machen kann, dass der Mann bis in seine goldenen Jahre sowohl produktiv als auch relevant geblieben ist. Während das letzte Jahrzehnt seinen fairen Anteil an gut gemeinten Fehltritten gesehen hat, ist 'Peace Trail' Neil Young vom Allerbesten: Nachdenkliche, prägnante Songs, Young selbst ungeschminkt und an vorderster Front." 8 von 10

⇗ Kitty Empire, The Guardian: "Vielleicht ist die Erwartung das größte Problem des Albums. Klingt es bis ins Kleinste wie ein 38. Neil Young-Album, eines mit einer knappen Zeitverzögerung zwischen den Ideen und deren schmuckloser Ausführung? Vielleicht, einige Songs könnten auf jeden Fall Bearbeitung gebrauchen. Die größte Überraschung ist wohl die Verwendung von Auto-Tune, eine ironische Verspieltheit, die schwer bei einem Mann vorauszusehen war, der moderne Klangqualität so sehr hasst, dass er seinen eigenen Musik-Player erfand. Wie kürzlich bei EARTH, birgt Auto-Tune auf Young-Alben die Gefahr von Künstlichkeit. Auf dem Titeltrack hier ist es mehr mitfühlend verwendet." 3 von 5

⇒ Mike Dunn, Beat Route: "Young mag der standhafteste aus der am meisten verehrten, altruistischen Zeit des Rocks geblieben sein, zuletzt Woody Guthrie erreichend. Doch die auffälligste Ehrlichkeit liegt in Youngs Unfähigkeit, mit dem Arbeiten aufzuhören. Und dass 'Peace Trail' nicht von seinen legendärsten Arbeit ablenkt, es aber sicherlich auch nicht mit ihnen aufnehmen kann."

⇗ Nachrichten.at: "'Peace Trail' ist ein typisches Neil-Young-Album. Ein gewollter Schnellschuss, in seiner Kompromisslosigkeit mutig, teils überaus eindringlich, dann wieder fast banal. Mit mehr Zeit und der Bereitschaft, nicht jeder kreativen Eingebung blind zu folgen, hätte hier Großes entstehen können. Trotzdem schön, dass es noch Künstler gibt, die sich in meinungsflexiblen Zeiten eine starke politische Haltung leisten." 5 von 7

⇗ Bernhard Flieher, Salzburger Nachrichten: "Es kann durchaus verstörend, gar peinlich wirken, wenn Rockstars plötzlich ihr Gewissen auf die Bühne schleppen und sich zu Umweltfragen äußern, politische Thesen hinterfragen, soziale Netzwerke oder Global-Shopping-Verheißungen geißeln. Bei Young ist es anders. Seine Autorität und seine Überzeugung in solchen Fragen ist unzweifelhaft, weil er sie stets auf seiner Songschreiber-Agenda hatte. Er bekennt aber mehr denn je, dass er sich auch verloren fühlt. "I'm lost in this new generation. Left me behind, it seems," murrt er in "My Pledge", dem besten Song des Album, der - wie viele große Young-Songs - sich der Mythen und Träume Nordamerikas als Vorlage für einen kritischen Blick und eine Vision einer gerechteren Zukunft bedient."

⇗ Richard Gehr, Rolling Stone: "Manchmal macht Neil Young Musik für die Ewigkeit; Zu anderen Zeiten - wie bei seinem zweiten Album von 2016, das der absurden Folk-Mischung EARTH aus dem Juni folgt - macht Young Musik für den Nachrichtenzyklus. (...) Songs wie diese sind wenig Neil, aber wenig Neil ist besser als überhaupt kein Neil. Was, berücksichtigt man seinen Output in diesem Jahrhundert, aber keine Schreckensvision wäre, mit der man schon bald zu tun hätte." 3 von 5

⇒ Greg Kot, Chicago Tribune: "Young bleibt ein Schatz, weil er sich weigert, sich Konventionen zu beugen. Und sein inhärentes Misstrauen gegenüber dem Polieren und dem Verschönern im Studio hat mit zu der rauesten und kraftvollsten Musik unserer Zeit geführt. Aber es kann auch zu schludrigen Projekten wie diesem führen. Trotzdem, keine Notwendigkeit, sich darüber zu ärgern. Man wird in ein paar Monaten wahrscheinlich schon an einem anderen Neil Young-Album kauen." 2 von 4

⇗ Douglas Heselgrave, Paste Magazine: "Jeder, der Neil Young in letzter Zeit gehört oder ihn aufgeladen mit 'Promise of the Real' auf der Monsanto-Tour hat spielen sehen, der weiß, dass er in diesen Tagen in Flammen steht. Der weiß wahrscheinlich auch, dass sein Engagement und die schiere Freude, die er beim Live-Spielen ausdrückt, nicht immer so gut auf seinen Plattenaufnahmen rüberkommt. Wer schon Dutzende von Neil Young-Alben hat und vielleicht einige von ihnen nicht so oft spielt, für den lohnt es sich, 'Peace Trail' eine Chance zu geben. Man könnte zum Ergebnis kommen, dass es eine der besten Sachen ist, die er seit langer Zeit aufgenommen hat." 8,5 von 10

⇗ Justin Joffe, Observer: "Persönliche Verantwortung und Verantwortung für die Welt, die wir unseren Kinder hinterlassen, sind in Youngs Geist unerbittlich miteinander verbunden. Und wenn man genau hinschaut, offenbart 'Peace Trail' einen aufschlussreicheren Blick auf Young, wie wir ihn seit Jahren nicht mehr hatten - vielleicht seit "Ramada Inn" vom letzten Crazy Horse-Album 'Psychedelic Pill'."

⇗ Richard Godwin, Evening Standard: "Plump? Treffer. Aber Young dringt direkt ins Gewissen und in den Geist - und das ist am Ende, was seine Spuren hinterlässt. Der neue Bassist Paul Bushnell und Drummer Jim Keltner spielen wie Geistesverwandte. Und wenn das Ganze auch klingt, als wäre es in einem Take und in einem Werkzeugschuppen aufgenommen - auch das ist keine schlechte Sache." 4 von 5

⇗ Melissa Daniels, mxdwn.com: "'Peace Trail' ist ein leichter Genuss, sogar mit seinen kulturellen Kommentaren und dem Trällern einer alternden Ikone. Youngs offensichtliche, liberale politische Haltung färbt die Geschichten des Album in gleicher Weise wie es seine Finger tun. Und er lässt sie trödeln und erkunden und neue Wege finden auf seiner scheinbar nie endenden Reise des Musikmachens. Aber seine kleineren Fehlgriffe und das Fehlen von Höhepunkten im Vergleich zu seinen anderen Werken lassen wahrscheinlich Kritiker und langjährige Fans wünschen, dass er mehr geboten hätte. Es ist, als hätte Young keinen Filter mehr für das, was er herausbringt. Aber vielleicht hat er auch nie wirklich einen gehabt. Vielleicht ist das, was ihn groß macht."

⇗ Ludovic Hunter-Tilney, Financial Times: "Neil Youngs E-Gitarre auf seinem 38. Studioalbum hat einen dicken, grummelnden Ton - den Protestschrei eines Hippie-Granden, der in die fremde Welt der Smartphones und gestreamten Musik geraten ist." 4 von 5

⇗ Doug Collette, Glide Magazin: "Eine ganzes Stück größer, als die Summe seiner Teile, erinnert 'Peace Trail' an frühere Alben von Young wie 'American Stars'n Bars' oder 'Hawks & Doves', auf denen sich Edelsteine seiner Songwriting-Fähigkeit neben scheinbarer Wegwerfware befinden." 8 von 10

⇘  Kim Mayo, Belfast Telegraph: "Musik und Texte klingen wie aus einer Laune heraus zusammengebastelt, was es umso enttäuschender für einen Menschen macht, der in seiner Blütezeit Klassiker wie 'Like A Hurricane' und 'Cinnamon Girl' schrieb. Lassen Sie uns hoffen, dass sein nächstes Album von einer dringend benötigten Rückkehr zu alter Form kündet." 4 von 10

⇒ Nina Edler, news.at: "Richtiggehend hingerotzt ist allerdings das Cover in der Optik einer Holzpressplatte mit daraufgekritzelter Schrift. Doch kann man es einem alten, grantigen Mann übel nehmen, wenn er sich bei seiner 38. Studioplatte nicht mehr mit der visuellen Gestaltung beschäftigen mag? Zumal die Musik wohl zu einem Großteil ohnehin in ihren Einzelteilen via Streaming konsumiert wird. Nein, vorwerfen kann man Neil Young gar nichts. Er muss niemandem mehr etwas beweisen. Und dass er sich immer wieder diversen aktuellen Missständen widmet, diese nicht nur in seinen Songs aufzeigt, sondern sich auch für die Behebung dieser einsetzt, ist Beweis genug, dass er noch mehr „da“ ist, als viele gleichaltrige Kollegen, die stets nur alte Erfolge aufwärmen. Neil Young brennt auch mit 71 Jahren noch für das, was er tut. Und von dieser Sorte könnte die Welt ruhig mehr vertragen."

⇒ Uwe Wohlmacher, Deutschlandradio: "Zehn schnell hingeworfene Songs, die eher fragmentarischen Skizzen ähneln, als einem sorgsam arrangierten Werk. Neil Young geht es augenscheinlich mehr um die Botschaft, als um kunstvoll arrangierte Musik und beweist, wie aktuell Rockmusik sein kann und manchmal auch sein sollte."

⇗ Jens-Christian Rabe, Süddeutsche Zeitung: "PeaceTrail" scheint auf allerbeste Art noch gegenwärtiger zu sein, als man zu hoffen gewagt hätte. Im Kern ist es ein ziemlich rohes, rumpeliges Folk-Album geworden, auf dem Neil Young eine Menge verzerrte Mundharmonika und unverzerrte Akustik-Gitarre spielt und wenig Hilfe braucht. Einzig der fein polternde Drummer Jim Keltner und der ausnehmend unprätentiöse Bassist Paul Bushnell waren bei den viertägigen Aufnahmen dabei. Es geht um die Plage gefälschter Nachrichten oder die Rechte der Indianer und manchmal, in "My Pledge" oder "Peace Trail", verfremdet Young seine Stimme sogar mit Auto-Tune, dem Lieblings-Effekt des High-score-Pop. Aber er wirkt bei all dem nie wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Eher wie ein guter alter Geist. Es muss an der Stimme liegen."

⇒ Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau: "Neil Young ist auf „Peace Trail“ auf selbstverständliche Weise sozialkritisch, er kann vielleicht gar nicht anders. Andere mögen Liebeslied um Liebeslied schreiben, er ruft ans Feuer und zum Protest gegen Konzerne und Regierung (da wird er nun was zu tun haben). Bisweilen erscheint seine unspektakuläre Musik nur als Vehikel, um die Botschaft rüberzubringen. Bisweilen – hier vor allem beim Titeltrack – fallen ihm immer noch zaubrische kleine Melodien ein."

Maura Johnston, Boston Globe: "Das Young dennoch so ein eigenwilliges, pointiertes Stück massenproduzierter Kunst machen kann, ist ein Beweis für seinen Status als Leuchtturm der Rockmusik, der vielleicht seine Mitmusiker - Kollegen und Anhänger - zu einem Ort leiten kann, wo sie ebenfalls ihre Stimmen erheben können."

⇘ Joe Breen, Irish Times: "Die beiden besten Tracks von einigem Abstand sind die Titelnummer, mit Youngs wehmütiger Stimme und kontrapunktiert mit seiner typischen E-Gitarre, und 'Show Me', ein bluesiger Riff auf Aktivismus mit gerade richtigem Maß an Understatement. Es genügt zu sagen, 'Peace Trail' ist mehr eine schrullige Fußnote als ein Kapitel in einer gewaltigen Karriere." 2 von 5

⇒  Maeve McDermott, USA Today: "Selbst wenn er nicht die Stimme für die neue Welle von Widerstand ist, bleibt Young mit 'Peace Trail', dem letzten Eintrag in einem sagenumwobenen, 60 Jahre Protest überspannenden Liderbuch, immer noch essentiell. Vor kurzem hat Bob Dylan Geschichte geschrieben, indem er den Nobelpreis für seine Verdienste um die amerikanische Musiktradition gewann. Mag Dylan der Dichter seiner Generation sein, Young ist ihr Historiker." 2 von 4

⇘ Alexis Petridis, pitchfork.com: "Wie es scheint, ist 'Peace Trail' nur ein weiteres Album, das man dem schwankenden Haufen an Beweiseb hinzufügen kann, dass Neil Youngs Output derzeit noch unberechenbarer und verwirrender ist, als er jeder Zeit Mitte der 80er Jahre gewesen ist. Als Alben scheinbar weitgehend den Zweck hatten, sein Plattenlabel zu ärgern." 2 von 5

⇒ Sam Sodomsky, pitchfork.com: "Und während Youngs Stimme sicherlich nie älter klang, als es hier der Fall ist, hat seine Energie etwas jugendliches. Neben der Tatsache, dass ihn sein zwei-Alben-pro-Jahres-Ansatz Schritt mit den Ty Segalls oder John Dwyers halten lässt, wird seine Musik von der ruhelosen Absicht geprägt, neues Terrain abzudecken und seine Meinung zu sagen. 'Denkt nicht, dass ich schon einpacken werde ... ich werden weiter Saatgut pflanzen, bis etwas Neues wächst', singt er im Titelsong - es ist schon lange sowohl seine Gabe wie auch sein Fluch." 6,7 von 10

Benno Feichter, ORF: "Der Inhalt, der zählt - und so präsentiert sich auch das neue Album. Die Musik ist hier vor allem Vehikel für die Texte. Reduziert eingespielt - mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, einer Mundharmonika die gelegentlich aufheult. Protestlieder, weniger anklagend, als sehnsüchtig. Neil Young verpackt hier nicht nur ein pauschales Dagegensein in Songzeilen, sondern adressiert mit seinen Liedern unterstützend jene, die aufstehen - etwa gegen die Dakota-Access-Pipeline, die über indigene Stammesgebiete führen soll, und zu einer der größten Umweltprotestbewegungen der Nullerjahre in den USA geführt hat. Young thematisiert Polizeigewalt, Islamophobie und auch die eigene Rolle, als politischer Liedermacher, wenn er von einem Scherbenhaufen singt, der zu groß sei, um ihn wegzuräumen, und er nur eine Warnbotschaft an die Tür kleben kann."

Sven Hauberg, Teleschau: "Peace Trail", Album Nummer 37 in der langen Diskografie Youngs, ist wieder benutzerfreundlicher geraten, schlanker und zugänglicher als die letzten Alben. Seinen alten Themen bleibt Young dennoch treu." Ausgezeichnet

Markus Schneider, Berliner Zeitung: "Ein paar Songs sind eher nichts, „John Oaks“ zum Beispiel und das irgendwie antirassistische, musikalisch bedauerliche „Texas Rangers“. Dafür bietet das Titelstück mit seiner elektrischen Gitarre und der feinen Melodie gleich einen Greatest-Hits-werten Song. Der Rest besteht aus wunderbaren Momenten, in denen sich die zwei schratigen Zausel Young und Keltner ganz feinsinnig und dann wieder lose rumpelnd über die minimalen Strukturen verständigen, über einsaitige Bluesriffs und Countrymotive über Folkjazz-Zupferei und gedimmtes Feedback, mit pappartigem oder blechernem Trommelrappeln. (...) Und was heißt das jetzt? Tja, wer weiß. Ist es ein gutes Album? Schwer zu sagen, wohl nicht. Aber komischerweise höre ich das leise, halbgare, zerbröselnde Geschaukel und Gewackel ausgesprochen gern."

Werner Herpell, dpa: "So wirkt "Peace Trail" wie eine hastig herausgehauene Platte, bei der es Neil Young mehr auf die laute Polit-Botschaft ankam als auf epische Klanggemälde. Ein Autotune-Experiment wie "The Pledge" oder das etwas alberne "My New Robot" dürften auch für treue Fans gewöhnungsbedürftig sein. Aber immerhin: Von Altersmilde, auch körperlicher Erschöpfung gibt es hier keine Spur. Nach einem Jahr, in dem mit David Bowie, Prince und Leonard Cohen gleich drei der Größten aus Rock und Pop gestorben sind, ist das eine sehr gute Nachricht."

Sahana Rangarajan, Californian Daily: "Sogar auf Tracks in 'Peace Trail', die nicht auf aktuelle Ereignisse abzielen, demonstriert Young seinen lyrischen und musikalischen Sinn, für den er berühmt wurde. In Bezug auf die antiquierten Wurzeln des Folk, respektiert 'Peace Trail' gleichzeitig die Erdung des Genres und verwandelt es gleichzeitig in eine modernere Kunstform." A-

Andy Gill, The Indipendent: "Mit 'Peace Trail' schlüpft Neil Young wieder in eine Selbstparodie mit einem Satz halbherziger Pazifisten-Songs - zu simpel und gönnerhaft, um ernst genommen zu werden." 2 von 5

Ryan Bray, Consequence of Sounds: "Peace Trail', wie so viele von Youngs Alben, fühlt sich an wie spontan zusammengebraut, weniger wie etwas akribisch Überarbeitetes. Dieser lose Ansatz hat seine Treffer und Fehlschüsse. Wenn er funktioniert, stärkt die spärliche Instrumentierung des Albums das Gewicht von Youngs Worten. Keltners Schlagzeugarbeit, ein Großteil davon durch Toms getrieben, gibt 'Peace Trail' ein Rootsy- und Eingeborenen-Feeling, das seinem Thema entspricht. Andere Tracks klingen ein bisschen mehr wie hingeworfen. "Texas Rangers", in schnellen 02:30 Minuten, klingt unverkennbar wie ein in der Mitte der Platte versteckter Füllstoff. Youngs Arbeitswut und seine Vorliebe für Momentaufnahmen führen oft zu einer wilden Mischung - und 'Peadce Trail' ist keine Ausnahme. Auch wenn die Ausführung in Teilen fehlschlägt, ist die Absicht hinter diesen 10 Tracks immer noch sehr inspirierend. Letztlich ist es schwer, sich gekränkt zu fühlen, wenn Young bei seiner Arbeit aus so ehrlichen Motiven schöpft. Der ernsthafteste Grantler des Rocks mag älter werden, aber er ist noch nicht zu alt, um immer noch seinen wohlverdienten Groll vorzutragen. Das an sich ist eine tolle Sache." B-

Maximilian Ginter, Plattentest.de: "Jim Keltner spielte Schlagzeug, Paul Bushnell den Bass, Neil Young hat den Rest übernommen, was das Album knapp und schmucklos klingen lässt, weil soviel gesagt, kommentiert, gesungen und verstanden werden muss. Keine Revolte der Inbrunst, eher eine sanfte Verwunderung ist zu hören." 7 von 10

⇗ Michael Gallucci, ClassicRock.com: "Es ist gelegentlich verwirrend, vielleicht sogar absichtlich. Aber es ist ja nicht so, dass Young die Erwartungen seiner Fans in den letzten 35 Jahren je bedient hätte. 'Peace Trail' stellt seine Botschaft über alles, und wie 'EARTH' - das Live-Aufnahme von Young und Promise of Real mit Overdubbs wild lebender Tiere und anderer natürlicher Klänge enthält - ist es nicht gerade subtil."

⇗ Rob Hughes, TeamRock+: "Es ist bewundernswert, ihn so wutentbrannt zu sehen. Sei es, wenn er in 'John Oaks' gegen die Brutalität der Polizei wettert oder eine Nation in geistiger Krise beklagt wie in 'My Pledge'. Und auch wenn es nicht das musikalischste Album seiner 50-jährigen Karriere ist, so ist es doch ein überzeugender Nachweis, dass Young noch viel zu bieten hat." 4 von 5

⇘ Hal Horowitz, American Songwriter: "Während man Young zugute halten kann, dass er neue Musik herausbringt und durchaus lohnenswerte Momente in diesen 10 Melodien verstreut sind (die nicht die 40 Minutengrenze knacken). So oft wird man entnervt die Weiter-Taste drücken, in der Erwartung, ein großes Talent und eine unbestrittene kulturelle Ikone zu hören, die sich hier selbst überfordert." 2,5 von 5


⇘ Liz Thomson, The Art Desk: "Das Album klingt wie eine Probe mit beim ersten oder zweiten Durchgang eingefangenen Songs. Keltner und Bushnell versuchen, irgendwie den Dreh hinzubekommen. Beim Titeltrack passt alles noch gut genug zusammen und 'Can't Stop Working' hat ein Gitarrensolo, dass zurück zu CSN&Y und 'Almost Cut My Hair# führt. Aber wie bei "Indian Givers", das Lied im Herzen des Albums, klingen die Texte oft banal und unfertig. Als Lehrer würde ma sagen, wenn man die Hausaufgaben benotet: Mehr Anstrengung!" 2 von 5


⇘ Matt Williams, Now Toronto: "Neil Youngs 37. Studioalbum, Peace Trail, macht mit seinen unfertigen Songs einen guten Job beim Irritieren und Verwirren der Zuhörer. Größtenteils meandert es durch unausgegorene Ideen und bietet einem schrille Eindrücke von Enttäuschung oder  Erstaunen." 1 von 5

⇗ Will Hodgkinson, The Times: "Young kann inspirierende und provozierende Ideen in einer Sprache ausdrücken, die ihn wie ein Wirrkopf klingen lässt. Und der macht Musik die rudimentär erscheint. Die aber tatsächlich  - wie man herausfindet, wenn man Sie selber zu spielen versucht- extrem anspruchsvoll ist. Das ist durchaus eine Begabung". 4 von 5

Darryl Sterdan, Toronto Sun: "Neil Young folgt immer seinem eigenen Pfad. Mal besser, mal schlechter. Gottseidank ist es diesmal letzteres." 3,5 von 5

⇗ Joe AntoshaWk, Cecil  : "Youngs letzter Song 'My New Robot' ist einer der besten auf "Peace Trail". Er behandelt ein in der Regel müdes Thema, wie die Technologie den Alltag beeinträchtigt und wandert von Schönheit über Melancholie zu humorvoll in etwa zweieinhalb kurzen Minuten." 4,5 von 5

⇘ Stuart Henderson, exclaim.ca: "Sein 37. Studioalbum markiert einen Tiefpunkt in Youngs ausklinegnder Karriere. (...) Das Album klingt eher wie eine Probe und nicht wie ein fertiges Album. (...) Aber selbst das wäre hinzunehmen, wenn die Songs selbst was taugten, aber das tun sie nicht. (...) Auch wenn man mit Young übereinstimmt bei der Gerechtigkeit der Wasserschützer in Standing Rock, bei Big Oil als Fluch oder hinsichtlich der Gefahr eines schleichenden Polizeistaates - man findet wahrscheinlich auch einen 12-jährigen, der nuanciertere Poesie über diese Sorgen schreiben kann." 3 von 10

⇘ Andreas Borcholte, DER SPIEGEL: "Entsprechend reduziert klingen die Songs. Anders als auf "Le Noise", das Young von Produzent Daniel Lanois verhallen und verfremden ließ, erinnert das Klangbild an klassische Young-Musik. Echos aus den Siebzigern, von "Everybody Knows This Is Nowhere", "After The Goldrush" und "Zuma" sorgen für ein umarmendes Gefühl der Vertrautheit mit diesem Sound. (...) Seine im Folk-Erzähler-Stil dargebotenen Geschichten wirken beinahe so beiläufig kommentierend wie bei Bob Dylan, sind dadurch aber nicht weniger dringlich." 7,9 von 10

⇗ Andreas Rauschal, Wiener Zeitung: "Und, höret und staunet, bis auf wenige Ausnahmen (wie die Gastauftritte von Robotern) fallen die Ergebnisse gerade für das Spätwerk Youngs diesmal erstaunlich verhaltensunauffällig aus."

⇗ Damien Love, UNCUT: "Mit nur wenigen Ausnahmen beschränkt sich Young auf die akustische Gitarre, aber 'Peace Trail' ist eine viel schartigere und rostigere Angelegenheit, als dieses Setup erahnen lässt. Über das gesamte Album, das innerhalb von vier Tagen aufgenommen wurde, präsentiert Bushnell die perfekte Art von Bass, den man kaum bemerkt. Keltners Percussion ist eine andere Geschichte. Meist beim ersten oder zweiten Take aufgenommen, er nicht so sehr den Beat, sondern reagiert auf das, was Young tut. (...) Es ist eine großartige Arbeit von Neil Young, auf die man immer wieder zurückkommt." 8 von 10


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