Sonntag, 29. Mai 2016

Vor 40 Jahren: Neil Young als Straßenmusiker in Glasgow

Am 5. Juni startet Neil Young seine Rebel Content Tour 2016 in Europa. Der erste Auftritt führt ihn und seine Band "Promise of the Real" nach Glasgow. Es ist Neil Youngs siebter Auftritt in der größten Stadt Schottlands, dem Land der Vorfahren seines Vaters.

Die Stadt am River Clyde war fast genau 40 Jahre zuvor Schauplatz eines jener skurrilen Auftritte, für die der kanadische Musiker bekannt ist: im April 1976 ließ er sich als Banjo spielender Straßenmusikant vor dem Eingang des Glasgower Hauptbahnhofs filmen. Neil Young spielte "The Old Laughing Lady" und sorgte damals mit seiner Verkleidung und dem Kamerateam für reichlich Aufsehen bei den schottischen Passanten.

Die Webseite "Open Culture" hat vor ein paar Jahren mit dem damaligen Kameramann David Peat über die Hintergründe des Auftritts gesprochen. Laut Peat habe Neil Young ihn, Regisseur Murray Grigor und Tontechniker Louis Kramer engagiert, um "some funky shit footage" von der letzten Station der damaligen Europatour mit Crazy Horse zu drehen. Groß anstrengen mussten sich die drei nicht. Kamera und Mikro draufhalten reichte völlig: Für "funky shit" sorgte der reichlich zugekiffte Young und seine Band von selbst.

Im Hotel "The Albany", damals Glasgows erste Adresse und erst drei Jahre zuvor eröffnet, zündelte die Band erstmal mit der Tischdekoration herum. Nachdem sich der Ärger beim Hotelpersonal gelegt hatte, nahm Neil Young sein Gibson Gitarrenbanjo, setzte einen altmodischen Deerhunter-Hut mit Pepita-Muster auf, legte einen großen Wollschal um den Hals und spazierte vom Hotel in Richtung Glasgower Innenstadt. Unterwegs fragte er irritierte Passanten, wo es denn zur "Bank of Scotland" gehe. Am Hauptbahnhof angekommen setzte er sich neben dem Haupteingang auf den Boden und spielte "The Old Laughing Lady". [Weiter ...]

"Neil Young", "Glasgow", 1976
Hier saß Neil Young 1976 am Hauptbahnhof in Glasgow
Kameramann David Peat drehte abends noch die Show im örtlichen "Apollo Theater", die Neil Young auch mit "The Old Laughing Lady" eröffnete. Das Filmmaterial dieses denkwürdigen Tages in Glasgow habe er später Neil Young zugeschickt, erzählte Peat in "Open Culture". Der hatte aber wohl keine rechte Verwendung dafür.

Erst über 20 Jahre später tauchten immerhin die Schnipsel vom Straßenkonzert vor dem Hauptbahnhof und von der Zündelei im "The Albany" in Jim Jamushs Konzertfilm "Year Of The Horse" auf. Zur Verwunderung von Peat aber in schwarz-weiß und mit lausiger Bild- und Tonqualität. Dabei habe er damals in Farbe gedreht. Die Aufnahmen vom Konzert im "Apollo" blieben bislang verschollen.

Das "The Albany" existiert heute nicht mehr. Das Hotel, in dessen Glaseingang der Legende nach Keith Moon mit einem Rolls Royce gebrettert war, nachdem er sich ausgesperrt hatte, wurde vor ein paar Jahren abgerissen. Auch das "Apollo Theater", Schauplatz des Konzerts von 1976, gibt es längst nicht mehr. Der Hauptbahnhof in Glasgow hat sich allerdings bis heute kaum verändert. Wenn Neil Young will, könnte er sich nach 40 Jahren also wieder mit seinem Banjo links neben den Haupteingang setzen und "The Old Laughing Lady" spielen - oder die Leute nach der "Bank of Scotland" fragen. 

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