Samstag, 20. Dezember 2014

Poncho über Billy Talbots Bass, Neil Youngs Bus, Storytone

Frank "Poncho" Sampedro
Frank "Poncho" Sampedro
Das britische Musikmagazin UNCUT hatte in seiner aktuellen Januarausgabe eine Titelstory über Neil Young mit einem Rückblick auf 2014 veröffentlicht. Autor Michael Bonner interviewte dazu "Poncho" Sampedro, Niko Bolas und anderen Weggefährten Neil Youngs. "Rusted Moon" hatte schon am 1. Dezember hier eine Zusammenfassung des Artikels in deutscher Sprache veröffentlicht.

In der Online-Ausgabe von UNCUT erschien jetzt nachträglich eine vollständige Fassung des Interviews mit "Poncho" Sampedro. Die meisten Passagen waren bereits in der Titelstory enthalten. Dennoch lohnt sich auch die Lektüre dieser - englischsprachigen - Langfassung. Der "Crazy Horse"-Gitarrist erzählt offenherzig von der Sommer-Tour in Europa, über Neil Young, Rick Rosas und Billy Talbot. Dabei bringt er unter anderem die Bedeutung des wegen eines Schlaganfalls ausgefallenen Billy Talbots für den typischen Sound von "Crazy Horse" auf den Punkt: 
"Billys Beat ist unerbittlich - von Anfang bis Ende. Das ist es, was ich vermisse. Wir vermissten diese Intensität und was er einbringt. Die Leute sagen immer, Billy macht diesen Fehler, Billy macht jenen Fehler. Nicht, weil er kein guter Spieler wäre oder keine Ahnung von Musik hat, sondern weil er sich so hineinsteigert in jeden einzelnen Teil davon. Er bläst es so in seinem Kopf auf, dass er irgendwie vergisst ,wie es weitergeht. Er verliert sich in der Musik. Das ist es, was wirklich passiert. Das ist ein Grund, warum unsere Musik so aufregend ist. Wir können jede Sekunde abstürzen! Wir wissen, wenn wir da oben spielen und jemand einen Fehler macht, frisst er sich durch die ganze Band wie Krebs. Es ist wie Bang, Boom, Boom, Boom - und dann kämpfen wir. Oh, Mann. Es ist intensiv. Und das erhöht noch die Intensität." [Weiter: Über Neil ...]

In einer anderen Antwort enthüllt Sampedro ein interessantes Detail aus Neil Youngs Tourleben:
"Er hat seinen eigenen Bus. Sein Bus ist so für ihn hergerichtet, dass er im Prinzip den ganzen Tag darin verbringen kann, ohne in ein Hotel zu gehen. Die Busse in denen wir fahren, haben keine Duschen und keine vollwertigen Toilette. Wir haben keine Küche mit Herd, wir können nicht kochen - all diese Dinge. Er hat das alles in seinem Bus. Er fährt eigentlich nur für ein paar Stunden aus der Stadt heraus bis so zwei oder drei Uhr morgens, geht zu Bett und schläft nach einem regelmäßigen Zeitplan jede Nacht zur selben Zeit, wo immer er ist. Er hat diesen taktischen Vorteil. Wir rumpeln noch weiter, alle zusammen, da wird ein Film geguckt und da sind Leute online, viele verschiedene Dinge laufen ab, und dann kommen wir zu einem Hotel um fünf oder sechs Uhr morgens, checken ein und wünschen uns, dass wir irgendwie einschlafen können. Alle anderen im Hotel wachen gerade auf, es gibt Kinder, die in den Gängen  herumlaufen, Zimmermädchen klopfen an die Türen und Staubsauger gehen. Es ist schon komisch. Vielleicht bemerke ich das alles, weil ich jetzt älter bin. Als ich 25 war, glaube ich nicht, dass ich es bemerkt hätte."
Angesprochen auf Neil Youngs Album "Storytone", sagte Poncho:
"Ich habe es mir gerade vorgestern angehört. Ich war nicht so scharf drauf, beide Versionen zu hören. Als ich mir eine anhörte, wollte ich mir direkt danach die andere nicht auch noch anhören. Aber mir haben einige der Songs wirklich gefallen. "Glad I Found You". Das ist ein großartiger Song. "Glimmer" war auch ein guter Song. Die Big Band-Arrangements, mit einer Lead-Gitarre, die sich so in den Hintergrund duckt, und es ist nicht Neil, der spielt? OK ... Ich weiß immer noch nicht, was ich davon halten soll. Bei einige von denen, habe ich nur bis zur Hälfte gelauscht. Ich habe keine Anlage zu Hause, um zu hören. So habe ich es mir im Auto mit meiner Freundin auf dem iPhone per WiFi angehört. Schau, wenn er solo am Klavier spielte, war das Tempo ein wenig besser und für mich brachte er die Texte besser rüber." 
UNCUT: Was hältst Du von den Texten?
"Versuchst Du, mich in Schwierigkeiten zu bringen? Mir scheinen einige von ihnen ein wenig zu simpel  beschreibend für Neil. Aber andere, wie die Songs, die ich erwähnte, waren großartig. Aber ein paar von ihnen, ich weiß nicht. Es ist, als ob er einfach ein Zimmer oder eine Situation beschreibt, und es war nicht so bezaubernd, wie einige seiner anderen Texte, wo man denkt, es könnte mein Zimmer oder meine Situation sein. Es war einfach zu offensichtlich eine Beschreibung."
Das vollständige Interview hier bei UNCUT-Online (auf Englisch)

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