Donnerstag, 22. Mai 2014

UPDATED: 'A Letter Home' - Großes Special zum neuen Album

A Letter Home - Deutsch
Deutschlandstart (Fotomontage)
"A Letter Home", Neil Youngs neues Album, geht am Freitag, 23. Mai in Deutschland offiziell in den Verkauf. Es handelt sich dabei um die bei Warner/Reprise erschienene Fassung als CD, Download und Deluxe Boxset. Jack Whites Plattenlabel "Third Man Records" hatte die Vinyl-Ausgabe bereits vorab zum "Record Store Day" am 18. April veröffentlicht.

Aber nicht nur die Veröffentlichung auf gleich zwei Labels macht das neue Album einzigartig: Auch in Bezug auf Songauswahl und Aufnahmetechnik gehört "A Letter Home" zu den ungewöhnlichsten Alben in der an Seltsamkeiten gewiss nicht armen Karriere Neil Youngs. Eine gesprochene Botschaft an die tote Mutter mit Gruß an den verstorbenen Freund, 11 Coverversionen aus einer Zeitspanne von 30 Jahren- und alles in Mono aufgenommen mit Hilfe einer alten Kabine aus dem Jahr 1947.

Herausgekommen ist ein Werk, das Fans und Kritik polarisiert. Für Irritationen sorgt vor allem die Aufnahmequalität, die mit einem dumpfen, knisternden und knackenden Sound einer alten Schelllackplatte das genaue Gegenteil von dem ist, was Neil Young gerade mit seinem hochauflösenden Pono propagiert. Aber vielleicht ist ja genau das der besondere Reiz dieses ungewöhnlichen Projekts. "Rusted Moon" hat zum Release von Neil Youngs "A Letter Home" alles zum neuen Album zusammengetragen: Tracklist,  Entstehungsgeschichte, Aufnahmetechnik und Hintergründe. [Weiter zum großen "A Letter Home"-Special ...]


Tracklist

01. Letter Home Intro .............................. 2:16
02. Changes (Phil Ochs) ............................ 3:56
03. Girl From The North Country (Bob Dylan) ........ 3:32
04. Needle Of Death (Bert Jansch) .................. 4:57
05. Early Morning Rain (Gordon Lightfoot) .......... 4:24
06. Crazy (Willie Nelson) .......................... 2:16
07. Reason To Believe (Tim Hardin) ................. 2:47
08. On The Road Again (Willie Nelson) .............. 2:23
09. If You Could Read My Mind (Gordon Lightfoot) ... 4:04
10. Since I Met You Baby (Ivory Joe Hunter) ........ 2:13
11. My Hometown (Bruce Springsteen) ................ 4:08
12. I Wonder If I Care As Much (Everly Brothers) ... 2:29


Credits

Neil Young: Gesang, Gitarre, Harmonika, Piano
Jack White: Gesang, Piano auf "On The Road Again", Gesang, Gitarre auf "I Wonder If I Care As Much"

Aufnahmestudio: Third Man Records Nashville, TN
Elektro-Mechanische Aufnahme: Joshua V. Smith & Kevin Carrico
Aufnahmeingenieur: Joshua V. Smith
Assistenz: Mindy Watts
Aufnahme auf Acetat: George Ingram
Mastering: Bob Ludwig, Gateway Mastering Studios, Portland, ME

(Re)produzenten: Jack White III & Neil Young



Verkaufsversionen
    "A Letter Home" Boxset
  • Audio CD (Warner Reprise)
  • Download (iTunes, Amazon, Google Play Music)
  • 12" Vinyl LP (Third Man Records - TMR245)
  • Deluxe Boxset mit folgendem Inhalt:
  • Standard-Audio-LP auf 180-Gramm-Vinyl
  • Audiophile LP auf 180-Gramm-Vinyl schwarz
  • Standard-Audio-CD
  • DVD mit Videos der Voice-o-Graph-Mechanik und Kommentaren
  • 32-Seiten Booklet
  • Sieben 6 "Vinyl-Singles auf klarem Vinyl
  • Siebte Disc mit "Blowin' In The Wind" und alternative Fassung von "Crazy"
  • Gutschein zum Download der digitalen audiophilen Version
  • Im Oktober als Pono-Download im 24bit/192 kHz FLAC-Format 


Entstehungsgeschichte

Neil Young am 20. April
Am 18. April gehörte Neil Young in Nashville zu den Gästen einer Sondersendung der Reihe CMT Crossroads. Die TV-Show wurde aus Anlass des 80. Geburtstages von Willie Nelson eine Woche vor dessen tatsächlichem Geburtstag aufgezeichnet. Neil Young sang "Sail Away" und "Long May You Run". Die Aufzeichnung der Sendung fand in einem Gebäude von Jack Whites Plattenfirma "Third Man Records" (TMR) statt. Die Ausstrahlung erfolgte im Juni auf CMT. Neil Young blieb nach der Aufzeichnung noch einige Tage in Nashville und drehte dort Szenen für seine LincVolt-Dokumentation. 

Am 20. April besuchte Young erneut Jack Whites Plattenfirma TMR im Rahmen des "Record Store Day". White hatte für den "Record Store Day" seine renovierte "Recording Booth" aus dem Jahr 1947 für jedermann zugänglich gemacht. Angeregt durch Jugendliche, die bei den Aufnahmen in der Booth ihren Spaß hatten, nahm Neil Young in der Kabine einen Song auf.

Nach Darstellung von Jack White rief ihn Neil Young dann einige Wochen später an und teilte mit, er plane ein ganzes Album in der "Recording Booth" aufzunehmen. Die Aufnahmen fanden im September 2013 unmittelbar vor Neil Youngs Auftritt bei FarmAid in Saratoga Springs statt. Dort präsentierte er Live-Versionen von einigen der Songs, die er zuvor in der Kabine aufgenommen hatte. Im Oktober wurde auf einem Tribute-Konzert für den verstorbenen Musiker Bert Jansch in der Royal Albert Hall in London ein Video gezeigt. Darin war Neil Young zu sehen, wie er in Jack Whites "Recording Booth" den Song "Needle Of Death" aufnimmt.


Die "Recording Booth"

Neil Young in der Booth
September 2013: Young in der Booth
In Jack Whites Firma "Third Man Records" in Nashville steht eine renovierte "Voice-O-Graph Recording Booth" von 1947. Diese Aufnahmekabinen wurden von der Firma Mutoscope International Corporation hergestellt und an öffentlichen Plätzen betrieben. Gegen Einwurf von Münzen konnte man darin Tonaufzeichnungen machen, die dann durch eine Mechanik direkt auf eine 78 rpm 6-Zoll-Vinyl-Single übertagen wurden. Dazu gab es dann einen Umschlag, um die gesungene oder gesprochene Nachricht zu versenden. Besonders beliebt waren die Kabinen, die mit Hilfe eines Sponsors - einer Firma für Rasierklingen - für im Ausland stationierte US-Soldaten aufgestellt wurden. Viele Soldaten schickten ihre akustischen "Letter Home" in die Heimat.

In Jack Whites Kabine können die Besucher von "Third Man Records" Musikaufnahmen machen und die Singles mit nach Hause nehmen oder durch "Third Man" verschicken lasen. Jack White hat die Mechanik seiner Voice-O-Graph so verändert, dass Platten mit 45 statt der ursprünglich 78 Umdrehungen Abspielgeschwindigkeit erzeugt werden. Der Vorteil der vorgenommenen Veränderung liegt in längeren Aufzeichnungen: Auf 45er Platten können 144 Sekunden statt der bei 78er Platten möglichen 65 Sekunden aufgezeichnet werden. Außerdem haben viele moderne Plattenspieler gar keine Option zum Abspielen von 78er Platten mehr.


Die Aufnahmetechnik

Recording Booth
Innenraum Booth
Simpler kann eine Plattenaufnahme eigentlich nicht sein: Tür zu, singen, fertig. Ganz so einfach war es aber dann doch nicht. Ein Problem: Das fest eingebaute, nicht bewegliche Mikrofon. So musste Neil Young bei den Piano-Songs die Tür der Kabine offen lassen. Das Klavier wurde vor die offene Tür gestellt und Neil Young, in der Kabine sitzend, spielte und sang.

Noch komplizierter war die Aufnahme jener Songs, auf denen Neil Young und Jack White gemeinsam in das einzige Mikrofon singen. Bei "I Wonder If I Care As Much", auf dem die beiden Gitarre spielen, stand Neil Young wie bei den anderen Songs vor dem Mikrofon in der Kabine. Die Tür blieb wieder offen. Jack White stellte sich dann hinter Young - seine Gitarre zwischen sich und Youngs Rücken haltend. White sang dann über Youngs Schulter ebenfalls in das Mikrofon. Eine echte sportliche Herausforderung. Bei "On The Road Again" war der Aufbau ähnlich, nur dass Jack White am Klavier hinter Neil Young und vor der offenen Tür der Kabine saß.

Sich in die enge Kabine zu quetschen, war aber nur ein Problem. Das andere: Die Mechanik der Voice-O-Graph zeichnet nur 145 Sekunden am Stück auf. Alle Songs auf dem Album sind aber länger. Neil Young und Jack White lösten das Problem, indem alle Songs mehrfach eingespielt wurden und man jeweils unterschiedliche Teile davon aufnahm. Anschließend wurden die Teile in der Nachbearbeitung zusammengestückelt.

Die Aufnahmetechnik unterscheidet sich bei der Audiophile-Edition von der Standard-CD/LP. In der Standardfassung nahmen Young und White die Bänder nämlich von den knisternden und knackenden Vinyl-Singles auf, die von der Voice-O-Graph-Mechanik in der Kabine produziert wurden. Bei den Audiophile-Editionen auf LP und beim 16bit/44kHz-Download dagegen, entfällt dieser Umweg über das Vinyl. Hier gelangte das Signal direkt vom Kabinenmikrofon aufs Band. Trotzdem sind auch diese Aufnahmen natürlich vom Lo-Fi-Sound des billigen Mono-Mikrofons geprägt. Aber es entfällt immerhin das Knistern und Knacken des Vinyls auf der Standard-Version. Die Audiophile-Version für das kommende Pono-System erscheint im Oktober als 24bit/192-FLAC.


Das Albumcover

G. Burden, J. Heo
G. Burden, J. Heo
Art Direction & Design: Gary Burden und Jenice Heo für R. Twerk & Co
Die beiden Designer arbeiten seit vielen Jahren für Neil Young und haben 2009 für die Gestaltung des Archives Vol.2 Boxsets einen Grammy gewonnen.

Handschrift "A Letter Home": Julian Baker
Foto Front Cover: Will Mitchell, Foto Back Cover: Joe McCaughey


Die Gitarre

Don Musser
Neil Young hat für die Aufnahmen in der Booth fast ausschließlich die kleine Parlor-Gitarre benutzt, mit der er seit dem letzten Jahr auch live auftritt. Dabei handelt es sich um eine Gitarre mit kleinem Korpus, die dennoch einen normal breiten 14-Bund-Hals besitzt.

Sie wurde von Don Musser hergestellt. Dieser exklusive Gitarrenbauer fertigt in Silver City, New Mexico hochwertige und teure Einzelstücke aus ausgesuchten Hölzern her. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Bob Dylan, Tom Petty und Eddie Van Halen. Neil Young hatte die Gitarre 1994 ursprünglich für seine Frau Pegi gekauft.

Bei den Aufnahmen in der engen Booth wickelte Neil Young nach eigenen Aussagen Schaumstoff um Kopf und Korpusteile der Gitarre. Damit sollten Störgeräusche gemindert werden, die auftraten, wenn er wegen der Enge mit der Gitarre gegen die Wände der Booth schlug. Natürlich dürfte der Schaumstoff auch dem Schutz der Gitarre gedient haben. So eine echte Don Musser kostet schließlich 6.000 Dollar und mehr.

Lediglich auf "I Wonder If I Care A Much",  der im Duett mit Jack White gespielten Coverversion von den "Everly Borthers" benutzt Neil Young seine berühmte alte Martin D-28 "Hank".


Die Songauswahl

Neil Young hat in Interviews zum Album erklärt, dass er schon vor Entdeckung der "Booth" an einem "Roots Project" gearbeitet habe. Er spürte Songs und Künstlern nach, die ihn musikalisch beeinflusst haben, suchte nach Material, das seine musikalischen Wurzeln bildet. Neil Young wollte wissen, warum er so klingt, wie er klingt. Bereits seinem mit "Crazy Horse"2012 eingespieltes Album "Americana" lag das gleich Konzept zugrunde. Damals interpretierte er alte amerikanische Folk-Klassiker wie "Oh Susannah" oder "Tom Dooley", die er fast alle schon um 1964 und 1965 mit seiner Schülerband "The Squires" gespielt hatte. Teilweise nutzte Neil Young sogar das Original-Arrangement von damals. 

Nach der Entscheidung, ein Album in Jack Whites "Booth" aufzunehmen, hat Neil Young nach eigenen Aussagen in drei Monaten die passenden Songs ausgesucht und die Akkorde gelernt. Keinen der Songs habe er vorher schon einmal gespielt. Auch jene Songs, die wie "Changes" oder "Early Morning Rain" um 1965 in Toronto entstanden, waren nie Teil seines eigenen Repertoires, als er 1965 selber in Toronto mit Folk-Covern in Coffeehouses auftrat. "Ich hätte diese Songs damals gar nicht spielen können", erklärte Young unter Hinweis auf seinem damals noch unterentwickelten Gitarrenkünste.

Neil Young möchte übrigens nicht, dass man von "A Letter Home" als Cover-Album spricht.  "Das ist ein Begriff, den ich wirklich nicht mag", erklärte der Musiker in einem Interview. Es sei eher ein Stück darstellender Kunst. Neil Young "Es sind Songs. Es geht tatsächlich darum, einen Song vorzutragen und es geht um die Essenz eines Songs."


Weitere Hintergrundinfos

Transcript der Nachricht an Mutter Rassy auf Track 1 des Albums

Alles über Neil Youngs frühe Liebe zu den Everly Brothers, von denen er einen Song auf dem neuen Album covert.

Die Vorbilder von Neil Youngs Coverversionen als Videos

Neil Young , Jack White und die Booth in Jimmy Fallons Fernsehsendung. Neil Young singt "Crazy" und "As I Met You Baby" und nimmt einen Song live in der Booth auf.

Etwas Fun mit Neil Young.

Auch Bob Dylan coverte schon Gordon Lightfoot



Kritiken/Reviews
(regelmäßige Updates, schaut öfter rein ...)

Thomas Waldherr, Country.de: "Die Darbietungen der Songs sind allesamt zart und berührend, kein Song wird massakriert. Im Gegenteil. Durch die bewusst vorsintflutliche Aufnahmetechnik werden die Songs geadelt und mit den ganz großen frühen Werken der amerikanischen Populärmusik auf eine Stufe gehoben. (...) 'A Letter Home' ist ein Album voller Liebe und Hingabe für die amerikanische Populärmusik und ihren Anfängen. Man muss sich darauf einlassen. Wer es tut, ist am Ende gerührt und fest von Youngs Gründen überzeugt, diese Songs hier genauso spielen und aufnehmen zu müssen."

Alex Amster, The Dward: "Sich durch das dieses Album zu arbeiten ist ein herzerwärmendes Unterfangen. Es ist nicht die aufregendste Neil Young-Platte der letzten Jahren, und es ist nicht die einfachste zum Anhören - aber es lohnt sich. Fans hören einen Neil Young, der reduziert ist auf Gitarre/Klavier und Gesang. Aber es ist etwas Unheimliches an dieser Sammlung. Es ist, als wäre man eingeweiht in eine Übungsstunde; voyeuristisch. Noch mehr Schätze aus der alten Welt, bitte."

Jan Wiele, FAZ: "Kommt ein Mann in eine Telefonzelle ...: Bald wird es wohl keine Witze mehr geben, die so beginnen. Aber einen guten haben wir noch. Wenn der Mann nämlich Neil Young heißt und in der Telefonzelle zu singen beginnt, nicht nur ein Lied, sondern gleich zwölf und das dann als Album herausbringt, dann ist das ein ziemlicher Witz. (...) Mit dem Firnis der emotionalen Erschütterung überzogen, also indem man sich als lyrisches Ich stets einen verlorenen Sohn irgendwo in einer Bude am Ende der Welt vorstellt, gehen die Schrammel- und Zitterlieder stellenweise dann doch zu Herzen, besonders Gordon Lightfoots 'Early Morning Rain'."

Dave Dimartino, Rolling Stone: "'A Letter Home' dient in gewisser Weise dem gleichen Zweck wie 1982 Youngs Album 'Trans' - losgelöst von Zeit und Stimmung, Melodie und Persönlichkeit, und klingt wie nichts anderes in seinem Katalog. Das er genau das tun kan, aus betriebswirtschaftlicher Sicht, ist keine Kleinigkeit."

Giuliano Benassi, Laut.de: "Sicherlich nicht Youngs bestes Werk, aber eines, das viel Spielfreude versprüht." 4 von 5 Sternen

The Shields Gazette: "Auch mit 68 neigt legendäre Singer-Songwriter Neil Young noch zu Überraschungen. (...) Die Auswahl der Songs ist interessant, aber leider ist es klingt wie ein besonders schlechtes Bootleg, was auch die schrullige Art der Aufnahme nicht ausgleichen kann. Nur für Fans." 5 von 10

Max Florian Kühlem, Rheinische Post: "Man mag es als Spielerei abtun, dass sich der 68-jährige Rockopa Neil Young jetzt in die Kabine gestellt hat und darin älter klingt, als er ist. Doch nach mehrmaligem Hören von "A Letter Home" treten zwei Effekte auf: Man gewöhnt sich an den leiernden, knisternden Sound mit geringem Frequenzumfang. Er erinnert an die wenigen überlieferten Aufnahmen von Blueslegende Robert Johnson oder die von Schellack-Schätzchen geretteten Lieder der Comedian Harmonists. Außerdem bescheren die Aufnahmen dem gnädigen Hörer ein Aha-Erlebnis: Ein guter Song funktioniert auch ohne opulente Produktion, sogar ohne filigrane Fingerpickings."

Tristan Bath, Droned In Sound: "Im Allgemeinen bekommt Neil Youngs intime Neubearbeitung jenen Liedern besser, die zuerst mit voller Band und als große Produktion herauskamen, als den bereits nackten, dürren Melodien. Willie Nelsons 'Crazy' verwandelt sich in ein herunter gedimmtes Klagelied am Kamin, so schön, dass man fast die brennenden Scheite riechen kann. Es ist schwer 'Crazy' zu hören, ohne sich vorzustellen, wie es aus einem Autoradio tönte, als der junge Neil Mitte der sechziger Jahre runter nach L.A. fuhr, um mit 'Buffalo Springfield' und 'Harvest' dem Country-Rock auf die Beine zu helfen. Andererseits klingt Tim Hardins 'Reason to Believe', von Young in einem klassisch einfachen Arrangement für Klavier realisiert, jede Note wie ein Vorfahre zu Young-eigenen Klaviermelodien wie 'Birds', 'L.A.' und 'Journey Through The Past'." 5 von 10

Jan Wigger, DER SPIEGEL: "...selbstverständlich "dekonstruiert" Neil Young diese zwölf Songs alter Weggefährten auch nicht: Er begreift sie bloß instinktiv, nimmt das Kerngehäuse, die Seele, das Herzstück, und erfüllt ihnen die letzten Wünsche. (...) Karge, rankige Lieder, wie kleine Wirbelstürme, und dazu die ewig gleiche Frage: Wenn das so einfach ist, warum weinst du dann?" 7,7 Punkte

Randall Roberts, LOS ANGELES TIMES: "Aber abseits eines staubfreien Studios und imposanter Elektronik für klangliche Perfektion lebt und stirbt Musik mit ihrem emotionalen Ausdruck. Wie die zischende Wiedergabe von Hardins zerissenes 'Reason To Believe" beweist: Young hat das sicher gemeistert." 2 1/2 Sterne

Matthew Fiander, Pop Matters: "Es ist schwer, sich nicht von diesen Darbietungen verzaubern zu lassen. Young klingt so herzlich in seiner Bewunderung für seine Vorfahren oder seine Zeitgenossen und sogar für jemanden wie Bruce Springsteen, der ersz danach kam. (...) Dass diese Beschränkungen einige große Darbietungen ermöglichen macht 'A Letter Home' nich tnur zu einem festem Bestandteil in Youngs riesigem Katalog, sondern auch zu einem seiner erfolgreicheren Experimenten. Es ist eine abgewetzte, unordentlich Ode an die Einfachheit. Es ist die Art von Widerspruch, den wir von Künstlern wie Neil Young und Co-Produzent Jack White erwarten - obwohl es immer noch überrascht." 6 von 10

Philip Cosores, A.V. Club: "Aber im Großen und Ganzen haben es Young und White geschafft, ein absolut brauchbarers Album zu machen, dessen Aufnahmeprozess für diesen Zweck absolut stimmig ist." Rating: B

Peter Clark, The Evening Standard: "Alle Songs wurde anderswo schon 'besser' aufgenommen. Aber wer Sehnucht verspürt nach dem Sound vom Boden eines Wellensichtigkäfigs, für den ist das hier genau das Richtige." 3 von 5 Sternen

Jan Küveler, DIE WELT: "A Letter Home" entspringt derselben Quelle wie sein Hass auf MP3: Youngs tief verwurzeltem Konservatismus, seiner Nostalgie für ein altes Amerika und Songs voller Soul. Herzen sollen ruhig zerbrechen, denn wo nichts zerbricht, ist wahrscheinlich auch kein Herz. Pono ist die technische Seite dieser Haltung, der moderne Öko-Motor unter der Haube, und "A Letter Home" die alte Karosserie, die man umso zärtlicher streichelt, je mehr Beulen man gemeinsam mit ihr gesammelt hat. (...) In den guten wie schlechten Momenten ist "A Letter Home" getragen von einer aufrichtigen Wehmut nach der Vergangenheit. Schon deshalb muss man unbedingt Fan von Youngs technologischen Eskapaden sein, damit er nicht irgendwann völlig in einer anderen Zeit verschwindet."

Kai Butterweck, n-tv.de: "Was Neil Young und Jack White hier innerhalb eines Bierdeckel-Bewegungsradius auf die Beine gestellt haben, ist eine musikgewordene Ohrfeige für all die jungen Branchen-Greenhorns, die mit stolzgeschwellter Vintage-Brust auf dicke Hose machen. (...) Zugegeben, selbst ich brauche nach jedem Durchlauf des Albums erst einmal eine etwas längere Pause. Narkotisierende Momente oder Ohrwürmer sucht man hier vergebens. Was man stattdessen serviert bekommt, ist gerade in Zeiten, in denen nur allzu gerne mit doppelten Böden gearbeitet wird, weitaus mehr wert - nämlich Echtheit."

Nick Coleman, The Indipendent: "Man hört gar nicht so sehr Songs, es ist mehr ein Heraufziehen der Vergangenheit, als ob es ein paar alter Hosen wäre, die man siach dann mit Hilfe ein paar digitaler Kabel zurecht rückt. Es ist sowohl albern wie seltsam bewegend." 3 Sterne

Russell Leadbetter, Herald Scotland: "Aber es ist eine intime, faszinierende Zugabe zu Youngs Werk."

Constantin Aravanlis, Weser Kurier: "Für heutige Hörgewohnheiten mag das wie Musik aus einer Blechdose aus längst vergangenen Tagen klingen. Für Hörer, die sich jedoch in eine altertümliche, vibrierende und knarzende Klangwelt entführen lassen wollen, könnte "A Letter Home" eine reizvolle Option darstellen. (...) Die Intensität und das Unberechenbare dieser Aufnahmen machen "A Letter Home" zu etwas ganz Besonderem. Neil Young weiß eben, was gute Musik ausmacht und wie unterschiedlich man diese präsentieren und vermitteln kann. Das beweist der 68-Jährige immer wieder aufs Neue."

Greg Kot, Chicago Tribune: "'Ab und zu bricht hier die Hölle los', erzählt er Mutti über sein Leben unten auf der Erde. Die Hölle bricht auch in diesen Liedern los - in Form von Einsamkeit, Zweifel und stiller Verzweiflung. Young stellt seine Version von Bert Janschs  'Needle of Death' mit wehmütigem Pfeifen vor, so als ob er eine Kerze auf einer Beerdigung anzündet. In diesem Zusammenhang erscheint Nelsons 'On the Road' fehl am Platz. Aber es kommt als notwendiges Gegenmittel gegen die Dunkelheit in vielen dieser Lieder, und ist auch ein bewegender Kommentar zu dem, wo Young heute steht."  3 Sterne

Ludovic Hunter-Tilney, Financial Times: "Youngs zittrige Stimme erhebt sich aus einem Nebel aus Zischen und Knistern: Die Klangqualität ist erschreckend, eine perverse Verzweiflungstat. Doch die altersschwachen Aufnahmetechnik macht auf eine Art auch Sinn, sie gibt Texten über Verlust und Vergänglichkeit eine fragile, dürftige Qualität."

Frank Sawatzki, Musikexpress: "Die Gleichzeitigkeit von Leben und Tod, von Vergangenheit und Gegenwart – das sind auch die zentralen Themen in diesem Alterswerk, das an die Tage erinnert, als „Recording“ noch Kinderkram war. Wenn Neil Young zu pfeifen beginnt und, auf der akustischen Gitarre spielend, Bert Janschs „Needle Of Death“ singt, verbindet sich die Stimme mit dem Rauschen und Kratzen, sie gräbt sich vorsichtig durch die Melodie, sie erzählt vom magischen Moment der Aufnahme." 4,5 Sterne

Alexis Petridis, The Guardian: "Young klingt zerquetscht. Die Dunkelheit ist stark und allgegenwärtig, und während man darin versinkt, erscheint einem "A Letter Home" nicht wie ein überraschender Akt vorsätzlicher Perversität. Es macht absolut Sinn, da es wahrscheinlich zum Mann passt, der es aufgenommen hat."

Scott Bauer, Associated Press: "Diese Songs sind ganz eindeutig ein Teil von Youngs musikalischer DNA, und es ist fast, als ob der Hörer zu einem ein Privatkonzert in sein Wohnzimmer eingeladen wird - vorgetragen aus dem Inneren einer Telefonzelle, natürlich."

Aidin Vaziri, San Francisco Chronicle: "Der Lo-Fi-Ansatz gibt dem Ganzen ein süßliches, liebenswertes Gefühl von Wärme. Young klingt wie eine Erscheinung, die diese Songs vollständig in ihrer Seele verinnerlicht hat."

Salzburger Nachrichten: "Es verwirrt zunächst, dass selbst die CD-Version knistert und rauscht, aber dann entfaltet sich ein atmosphärisch heutzutage einzigartiges Werk, das Herz über Technik stellt."

Werner Herpell, dpa: "Nun hat die Vorstellung, wie dieser stets für authentischen, notfalls auch rohen Klang eintretende Hüne sich in eine enge Kiste zwängt und dort ohne jeden Schnickschnack alte Folk- und Country-Lieder aus fremder Feder einspielt, durchaus Charme."


Guy Oddy, The Art Desk: "In der Tat sind diese Aufnahmen kaum besser als eine Sammlung von Demos oder Out-Takes und am Ende des Albums fragt amn sich, warum er sich die Mühe machte. 'A Letter Home' ist nur etwas für Neil Young-Fanatiker."

WELT am SONNTAG: "Was aber auch keiner machen würde, jedenfalls niemand, der gerade an der Audiophilenfront kämpft, ist, sein neues Album in einer Telefonzelle aufzunehmen. Hast Du aber natürlich trotzdem gemacht. Und zwar in Jack Whites Record Booth in Nashville, wo man auf anderthalb Quadratmetern direkt auf Vinyl aufnehmen kann, in einer Knisterqualität, die schon 1920 überholt war. Das vollends Irre ist allerdings, dass das Ergebnis – lauter Coversongs von Bob Dylan bis zu den Everly Brothers – trotzdem umwerfend klingt."

David Reed, intelligencer.ca: "Ich habe 'A Letter Home' ein paar Mal gehört und festgestellt, dass es über Lautsprecher besser klingt, als über Kopfhörer. Die intensive Fokussierung beim Gebrauch der Kopfhörer lenkt die Aufmerksamkeit mehr auf die Produktionsschwankungen, während ein offenerer Sound der Lautsprecher einen Raumklan schafft. Der Zuhörer wird in eine andere Zeit transportiert - ich vermute, genau darum ging es Young."

Darryl Sterdan, Winnipeg Sun: "Und ja, es ist so seltsam, wie es klingt. Aber der Großteil der Scheibe ist unheimlich überzeugend - dank der kratzigen texturen und no-fi mono Klänge. Die Aufnahmen - meist nur Neil und seine akustischen Gitarre, obwohl White Klavier und Harmonien auf ein paar Stücken hinzufügt - Klingen wie lange verlorenen Relikte aus einer alten Harry Smith- oder Alan Lomax-Anthologie." 3 1/2 Sterne

Evan Minsker, pitchfork.com: "A Letter Home steht nicht im Widersrpuch zu seiner Arbeit an Pono. Beide Projekte, so unterschiedlich sie sind, entspringen seiner tiefen Liebe für das Material. Im Gegenteil, das knisternde Pfeifen zu Beginn von 'Needle of Death' "steht viel stärker für die lebensverändernde Kraft der Musik, als es jedes außermusikalische Projekt jemals könnte."

John Mulvey, UNCUT: "Diese Art Fortsetzung von 'Americana' ist ein liebenswertes kleines Dokument, noch interessanter genmacht duch Youngs Entscheidung, eine überwiegend 60er Jahre Playlist so umzusetzen, als sei es anachronsitisches Low-fi aus den 1940er Jahren. (...) Youngs Trick ist es, die Voice-O-Graph wie eine Zeitmaschine zu nutzen, und wile Bahnen zwischen Zeiten und Dimensionen zu kartographieren." 

Thomas Golser, Kleine Zeitung: "Interessant ist, dass einem der mit einer Schellack vergleichbare, warme Mono-Klang nach einiger Zeit nicht mehr groß auffällt. Young wirkt vertraut, mit der leicht zittrigen Stimme eines Geschichtenerzählers. Das akustische Gewand steht ihm so wie jene Feedback-Orgien, die er sich mit dem verrückten Pferd seit 45 Jahren gönnt - auch wenn seine Gitarre hier der Aufnahmetechnik geschuldet mehr als dünn klingt."

Simon Vozick-Levinson, Rolling Stone: "Wenn es als eine Art Witz gemeint ist, hier ist die Pointe: In seiner perversen Art und Weise ist "A Letter Home" eine der schönsten Aufnahmen, die Young in diesem Jahrhundert gemacht hat. (...) Youngs karge Versionen - nur seine Stimme und eine unverstärkte Gitarre oder Mundharmonika bei den meisten Songs - haben eine ungekünstelte Aufrichtigkeit. Leicht vorstellbar, dass sie in einem besseren Studio verloren ginge. Es gibt aber auch einige Stirnrunzler: Warum wählte er von allen Songs Bruce Springsteens eine drittrangige Single wie "My Hometown" für eine Solo-Akustik-Session, statt buchstäblich alles von "Nebraska"? Dennoch, auf seinem Höhepunkt klingt "A Letter Home" wie ein knisternde Außenaufnahme aus einer verlorenen Welt." 3,5 von 5

Jim Beviglia, American Songwriter: "Und seien wir ehrlich, unabhängig vom ursprünglichen Material oder der Art es rüberzubringen, das Endergebnis klingt sowieso wie ein Neil Young-Song. Doch für diejenigen, die bereit sind, Young diese bizarre musikalische Gasse hinunter zu folgen, hält es Vergnügungen bereit." 3 von 5

Bill Bentley, The Morton Report: "A Letter Home beginnt mit einer vom Kanadier gesprochenen Grußbotschaft und nimmt dann eine atemberaubende Reise durch fremde Songbooks, ein, die in Orte geht, die nur Neil Young kennt. Wie immer gibt es genügend Drehungen und Wendungen, um die Zuhörer rätseln zu lassen - aber das war schon immer der halbe Spaß, Young zu folgen."

Zach Schonfeld, Consequence of Sound"Die für dieses Projekt ausgewählten Songs sind insgesamt weniger interessant als die Art, in der sie aufgenommen wurden. Neil Young hat unter seinem Namen bislang 35 Studioalben aufgenommen. In kommenden  Jahrzehnten wird 'A Letter Home' nicht zu den besten oder schlechtesten in diesem ANgebot zählen. Aber es könnte Erwaähnung finden als eines seiner seltsamsten, flüchtigen Experimente neben 'Everybody’s Rockin’, 'Trans', 'Greendale', 'Living with War' oder gott weiß, was noch kommen wird. Das hier ist so rätselhaft wie faszinierend - und es ist schwer, sich vorzustellen,dass sich Young einen Dreck um das schert, was du oder ich darüber denken. Ich vermute, er plant schon die nächste überraschende Wende."

Nick Derico, Something Else!: "Nicht alles funktioniert. Young fügt zwei Aufnahmen von Gordon Lightfoot neue Schattierungen hinzu (ein vorantreibendes "Early Morning Rain", ein messerscharfes "If You Could Read My Mind"), hat dann aber weniger Erfolg mit zwei grüblerischen, unbekannteren Stücken aus Willie Nelsons Songbook ("Crazy", wo er gesanglich daneben liegt, und "On The Road Again", ein Honky-Tonk-Rohrkrepierer). Young mag tatsächlich eine wahre Leidenschaft für  Ivory Joe Hunters “Since I Met You Baby” haben, aber diese rudimentäre Aufnahme bringt das nicht rüber.


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