Sonntag, 20. April 2014

Hier kommt der Eiermann - Neil Young als Hühnerzüchter

KükenOstern mit seinen bunten Ostereiern erinnert auch daran, dass Neil Young als kleiner Junge einmal groß ins Eiergeschäft eingestiegen ist. Der damals 11-jährige Dreikäsehoch hatte am elterlichen Haus an der Brock Road nahe des Ortes Pickering in Ontario eine Zucht mit Legehennen. Deren Eier verkaufte er in der Nachbarschaft. Selbst seinen Vater Scott Young spannte der kleine Neil als Auslieferungsfahrer ein. Der nahm die Eier auf dem Weg zur Arbeit in seinem VW Käfer mit und belieferte Neils Kunden.

Scott Young hat diesen schönen ersten Beleg für den Geschäftssinn seines Sohnes im Buch "Neil And Me" beschrieben. Er zitiert dort die schriftliche Fassung eines Vortrags, den Neil Young damals vor seiner Schulklasse und seiner Lehrerin Fräulein McKay in Toronto hielt. Das war kurz, nachdem die Familie von der ländlichen Idylle an der Brock Road in die Hauptstadt Ontarios umgezogen war.

Als kleiner Ostergruß hier die ins Deutsche übersetzte Fassung von Neil Youngs Klassenvortrag über seine aufregenden Abenteuer als Geschäftsmann in der Eier-Branche: 
"Fräulein McKay und Klasse,
   das Thema meines heutigen Vortrags ist eine persönliche Erfahrung. Im Juli 1956 kam ich die Treppe in unserem Bungalow zu Hause in Pickering hoch und stieß auf meinen Vater.
   Lächelnd fragte er mich: "Na, was für einen verrückten Plan hast jetzt wieder ausgeheckt?" "Nun, Dad", sagte ich, "Ich habe über diese Einzäunung hinter dem Haus nachgedacht. Und, na ja, ich werde in's Hühnergeschäft einsteigen." "Okay", sagte er, "dann viel Glück."
   Es war eine einfache, klare Antwort, die zeigte, was er dachte: Dass es nur eine weitere Idee ist, aus der sowieso niemals etwas wird. Ich nahm mir daher vor zu beweisen, dass ich mich wirklich selbständig machen konnte. Dies ist die Geschichte von dem, was ich tat, um zu zeigen, dass ich Rechte hatte: [Weiter mi Neil Youngs Eier-Story ...]
   In weniger als einer Woche hatte ich einen Unterstand für die Küken eingerichtet. Ich erhielt die Küken von einem Freund ein paar Türen weiter die Straße hinunter, der einen Brutkasten hatte. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, wie aufregend es ist, gerade geschlüpfte, junge Küken dabei zu beobachten, wie sie zu gesunden, gefiederten Hühnern heranwachsen. Sie haben mehr Körper als Federn, die Füße sind größer als der Bauch. Und sie haben mehr Schwung und Energie, als der kleine Körper vertragen kann. Diese ungewöhnlichen Vögel ziehen einen schnell in den Bann, mich jedenfalls. 
Neil Young
Jeden Morgen muss ich hinter's Haus gehen, meine Hühner füttern, ihnen Wasser geben und und sie rauslassen - und dann geht's zum Frühstück zurück ins Haus. Eines Morgens ging ich raus, um diese Arbeit zu tun und entdeckte einige Federn auf dem Weg. Mindestens eines meiner Hühner ist aus dem Verschlag entkommen. Ängstlich lief ich zum Stall, um herauszufinden, wie viele Hühner noch übrig waren, falls überhaupt. Rund um den Stall lagen neun tote Hühner, offenbar vor Schreck gestorben. Der Rest schien verschwunden. Ich fand keine Hühner mehr an diesem Morgen, aber es schien, als waren da Spuren von einem Fuchs oder einem Waschbär.
   Am Nachmittag ging ich raus zum Stall. Ich weiß nicht, warum. Ich schaute mich um - ohne Hoffnung, je wieder Hühner aufziehen zu können. Da streckte auf einmal ein schmutziges weißes Huhn seinen Kopf unter einem Büschel von Unkraut hervor. Auf einmal schien sich alles zu ändern und ich wusste, ich war noch nicht am Ende. Ich nannte das eine überlebende Huhn Petunia und dann schien alles gut zu werden.
Rusted HoonIch verkaufte die toten Hühner für je 75 Cent, und mit 6,75 Dollar kaufte ich 26 weibliche Küken von einer Brüterei und zog sie auf die gleiche Weise wie zuvor auf. Am 27. Dezember 1956 hatte ich mein erstes Ei. Von da an bis zum Sommer habe ich rund zehn Dollar pro Woche Gewinn gemacht. Im Hochsommer habe ich dann mit weiteren Hühnern meine Gewinne verdoppelt.
   Mein Vater hatte mir gesagt, ich solle nicht überrascht sein, falls wir umziehen. Ich habe nicht wirklich geglaubt, dass wir jemals umziehen. Daher hatte ich mir auch nichts dabei gedacht. Doch eines Tages ist es passiert. Wir waren gezwungen, wegen der Arbeit meines Vaters nach Toronto umzuziehen. Ich musste meine Hühner an meine Nachbarn verkaufen.
   Wenn ich mit der Schule fertig bin, will ich auf die Ontario Landwirtschaftsschule gehen und vielleicht Landwirtschaft studieren."

Wie der Vater, so der Sohn


Eier von Ben's Coastside Farm
Das waren die Berufswünsche des jungen Neil Young. Er hat sich bekanntlich dann doch anders entschieden. Schon während er an der Brock Road bei Pickering Hühner züchtete und Eier verkaufte, begann Neil Young damit,  sich für Musik zu interessieren.

Sein Vater kaufte ihm eine Ukulele aus Plastik, die er in einem Geschäft in Pickering entdeckte. Nach dem Umzug nach Toronto, begann Neil Young darauf zu spielen und legte sich mit einer Bariton-Ukulele und einem Ukulele-Banjo weitere Instrumente zu. Der Rest ist bekannt: Von der Ukulele zur Gitarre zur Weltkarriere. 

Heute betreibt Neil Youngs Sohn Ben die "Coastside Farm" - eine ökologische Hühnerfarm auf der Ranch seines Vaters. Ben, der seit Geburt an zerebraler Lähmung erkrankt ist, verkauft seine Bio-Eier auf einem Farmermarkt und liefert an Geschäfte in der Umgebung. Vater Neil Young ist über seinen Sohn - und auch durch sein Engagement für FarmAid und bäuerliche Familienbetriebe - am Ende also doch noch irgendwie in der Landwirtschaft gelandet.

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