Donnerstag, 27. März 2014

Kanadisches Öl: "Angela Merkel, Stephen Harper And Me"

Stephen Harper, Angela Merkel
Der Pulverdampf von Neil Youngs Streit mit Kanadas Regierungschef Stephen Harper über dessen Energiepolitik ist noch nicht ganz verraucht, da erreicht das Thema auch schon Deutschland und Europa. Wegen der russischen Annexion der Krim hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür ausgesprochen, die Abhängigkeit Europas von russischen Öl und Gaslieferungen zu reduzieren und stattdessen auf Kanada zu setzen.

Anlässlich eines Besuchs von Premierminister Stephen Harper heute in Berlin sprach Merkel davon, die Energieressourcen Kanadas in die "langfristige Orientierung" einzubeziehen. Als "rohstoffreiches" Land sei Kanada ein "sehr interessanter Partner" für Deutschland und die Europäische Union. Harper sprach von "enormen Energieressourcen" seines Landes, die bislang nur in Nordamerika abgesetzt würden. Es sei Kanadas "Wunsch, dass wir unsere Energieexporte diversifizieren wollen. Derzeit können wir sagen: Wir sind fast die größten Rohstoffinhaber der Welt." Merkel wies darauf hin, dass die technische Infrastruktur für Öl- und Gaslieferungen aus Kanada geschaffen werden müsse. [Weiter: Was macht Neil Young? ...]

Die Realisierung der Kanada-Pläne würde bedeuten, dass die von Neil Young wegen der Umweltschäden heftig kritisierte Förderung von Öl aus Ölsanden im Tagebau sowie das durch Fracking gewonnene Schiefergas vor einem weiteren Boom stehen. Auch der Kampf um die alten Landrechte der nordamerikanischen First Nations, für die sich der Musiker mit der "Honour The Treaties Tour" eingesetzt hatte, wäre beeinträchtigt, wenn die kanadische Öl- und Gasbranche mit Europa zusätzlich Absatzmärkte erhält.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass kanadische Politiker und die Öllobby in der heftig geführten Debatte um Neil Youngs Ölsand-Kritik und seinen Fort McMurray/Hiroshima-Vergleich stets betont hatten, die so gewonnen Energieressourcen dienten ausschließlich dazu, Nordamerika unabhängig von arabischen Importen zu machen. 

Vor dem Hintergrund bald möglicher Exporte von "schmutzigem Öl" aus Kanada nach Europa bekommt Neil Youngs Europa-Tournee im Sommer einen interessanten Zusatzaspekt. Man darf gespannt sein, ob der streitbare Kanadier die Ausweitung der von ihm kritisierten Energiepolitik seines Heimatlandes auf Europa hier thematisieren wird.

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