Sonntag, 1. Dezember 2013

Filmstart in dieser Woche: Inside Llewyn Davis

Filmtipp für alle Neil-Young- und Folk-Fans: Am Donnerstag dieser Woche kommt "Inside Llewyn Davis", der neue Film der Coen-Brüder ins Kino - genau einen Tag, bevor am 6. Dezember Neil Youngs Archivalbum "Live at The Cellar Door" mit einem akustischen Soloauftritt aus dem Jahr 1970 erscheint,

"Inside Llewyn Davis" handelt von einem erfolglosen Folkmusiker, der sich Anfang der 1960er Jahre mit seiner Gitarre in den Folk-Clubs des New Yorker Stadtteils Greenwich Village durchschlägt. Der beim Festival in Cannes prämierte Film basiert auf den Erinnerungen von Dave van Ronk, der großen Einfluss auf die Entwicklung von Musikern wie Bob Dylan hatte. Viele der gezeigten Charaktere spielen auf andere bekannte Folkmusiker jener Zeit an, darunter Joni Mitchell, Phil Ochs, "Peter, Paul and Mary" und andere.

Der Film fängt in wunderbar fotografierten Bildern die Zeit ein, in der der politisch geprägte Folk der Bürgerprotestbewegung langsam von der Musikindustrie vereinnahmt und zum Mainstream wurde. Die Szenen in den Straßen, Clubs und Wohnungen im New Yorker Greenwich Village sind auch auf die Situation im Torontoer Studentenviertel Yorkville übertragbar, in dem sich Neil Young 1965 für ein paar Wochen als Folkmusiker versuchte - damals ebenso erfolglos wie der fiktive Held Llewyn Davis. [Weiter ...]

Im Jahr 1970, als Neil Young dann im "Cellar Door" in Washington wieder Solo mit Gitarre und Piano auftrat, hatte er durch "Buffalo Springfield" und "CSN&Y" längst in die Erfolgsspur gefunden. Die brotlosen Zeiten, wie sie in "Inside Llewyn Davis" erzählt werden, lagen einige Jahre zurück. Auch der Folk-Boom der späten 1950er und frühen 1960er Jahre war spätestens seit 1965 vorbei, als Bob Dylan seine Akustikgitarre gegen eine elektrische Fender Stratocaster tauschte.

Neil Young, der in seinen frühen Jahren Alben des "Kingston Trios" hörte, Folkmusiker durch die kanadische Provinz tingeln sah, den akustischen Bob Dylan verehrte und in Toronto mit Mitgliedern der örtlichen "Folk Guild" zusammenwohnte, gehörte selber nie diesem Musikgenre an. Im Gegenteil: Seine elektrifizierten Folksongs, die er 1964/65 mit den "Squires" spielte - und die er 2012 auf "Americana" mit "Crazy Horse" noch einmal wiederbelebte - waren schon Teil jenes musikalischen Wandlungsprozesses, den der Streifen der Coen-Brüder erzählt. Danach war Neil Young - mit Ausnahme jener paar Wochen in Toronto - immer Rockmusiker und ein vom Rock geprägter Songwriter, den nur die akustische Gitarre mit den Protagonisten der "alten" Folkszene verband.

Noch deutlicher als bei Neil Young wird der vom Film beschriebene Bruch an der Kariere von Youngs Landsfrau Joni Mitchell. Mitchell folgte etwa zur selben Zeit wie Young dem Ruf nach Kalifornien in die L.A.-Musikszene. Davor war sie - anfangs noch unter ihrem Mädchennamen Joni Anderson - eine Ikone des Folk, danach eine stark vom Rock und dem Jazz beeinflusste Songwriterin mit Vertrag bei Youngs Label Warner/Reprise.

Der Film "Inside Llewyn Davis" startet am Donnerstag, den 5. Dezember in deutschen Kinos. Neil Young "Live at The Cellar Door 1970" ist ab dem 6. Dezember als Vinyl, CD und Download im Handel.

Link: Deutsche Webseite von "Inside Llewyn Davis"

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