Mittwoch, 2. Oktober 2013

Nagelneuer Magnatone: Neil Youngs elektrische Parallelwelt

Neil Young mit Magnatone und Studio 66
Eine Gibson Les Paul oder Gretsch und ein "Fender Deluxe" Verstärker. Mit diesem elektrischen Standardbesteck bringt man Neil Young seit vielen Jahren in Verbindung. Etwas unbemerkt hat sich das kanadische Gewohnheitstier in Sachen Equipment jetzt aber eine Art "elektrische Parallelwelt" geschaffen - in der Band seiner Ehefrau Pegi. Dort greift Neil Young immer öfter zur Gitarre und verstärkt die "Survivors". Früher meist nur bei einem oder zwei Songs, inzwischen aber auch für komplette Sets, wie zuletzt in im "Johnny D's" in Boston oder bei FarmAid 2013.

Dabei greift er dann stets zu seiner weißen "National Studio 66" Fiberglas-Gitarre. Als Verstärker diente ihm bislang immer ein alter Fender "Deluxe" oder "Bassman" von Ende der 1940er/Anfang der 1950er Jahre - wegen des charakteristischen Frontgrills mit abgerundeten Ecken auch als "TV Front"-Modell bekannt.

Beim Auftritt  mit "Pegi Young & The Survivors" beim FarmAid-Benefizkonzert Ende September kam jetzt aber ein neuer Verstärker zum Einsatz: Ein "Magnatone Twilighter". Den spielte auch Pegi Youngs Leadgitarrist Kelvin Holly. Der Griff zum "Magnatone" ist gleich aus mehren Gründen interessant: Erstmals seit einer Ewigkeit greift Neil Young nämlich zu einem nagelneuen Serienmodell, anstatt zu Vintage-Equipment. Außerdem hat Neil Youngs langjähriger Amp- und Gitarrentechniker Larry Cragg am technischen Design der kürzlich wiederbelebten Verstärkermarke "Magnatone" mitgearbeitet. Und: "Magnatone" macht auf seiner Internetseite sogar Werbung mit dem Auftritt. Das hat es seit der legendären Zeitungsanzeige  von "Altec Lansing" mit Neil Young & Crazy Horse von 1970 nicht mehr gegeben. [Weiter mit Magnatone ...]



Magnatones Wiedergeburt

Neil Young mit Pegi & The Surviviors
Survivors mit Magnatones (außen)
Die Firma "Magnatone" baute zwischen 1937 bis zur Produktionseinstellung 1969 Verstärker, die vor allem wegen ihres besonderen sogenannten Pitch-Shifting-Vibrato-Schaltkreises bekannt waren. Mehr als 40 Jahre nach dem Ende der Firma ließ Ted Kornblum, vorher für die Marken Crate und Ampeg zuständig, "Magnatone" 2012 wieder aufleben.

Kornblum gewann Neil Youngs Technik-Guru Larry Cragg als Berater. Cragg, der in einem Interview mit "Gitarre & Bass" gestand, den Ton der alten "Magnatone"-Verstärker eigentlich gar nicht zu mögen, kümmerte sich um technische Verbesserungen. Eines der in den USA handgefertigten Verstärkermodelle, den "Single V", konstruierte er sogar nach dem Vorbild eines alten Fender-Amps komplett neu. Die modernen "Magnatones" wurden Anfang des Jahres auf der NAMM Musikmesse in den USA präsentiert. Sie sind mit Preisen zwischen 2.300 und 3.800 Dollar keine billige Stangenware. Einen deutschen Vertrieb gibt es derzeit noch nicht.  

Neil Young Setup mit Magnatone
Magnatones (rechts und Mitte unten)
Der neue "Magnatone Twilighter", den Neil Young und Kelvin Holly jetzt in der Band von Pegi Young spielten, ist ein 22 Watt Röhrenverstärker mit Reverb, dem berühmten Vibrato und einem 12 Zoll Lautsprecher. Mit dem "Stereo Twilighter" gibt es auch eine Variante mit zwei 2 x 22 Watt und zwei 12 Zoll Lautsprechern. Die Stärke des "Twilighters" ist der cleane Ton, nicht so sehr der verzerrte Sound, für den Neil Young eigentlich bekannt ist. Ein Datenblatt des Amps ist über den Link unten abrufbar.

Magnatone und Neil Young

"Magnatone" ist für Neil Young übrigens nichts Unbekanntes: Geräte aus der früheren Produktionszeit der Firma spielten schon immer eine zentrale Rolle in seinem Setup. Ein alter "Magnatone 280" Stereo-Verstärker dient zum Beispiel bis heute dazu, den Signature-Ton von Neil Youngs legendärem 1959er "Fender Deluxe" hochzuverstärken und durch sein Stereo-Design in zwei Signale zu splitten.

Neil Young mit Magnatone Twilighter
Meist setzt Neil Young einen gewaltigen "Baldwin Exterminator" Transistorverstärker als letztes Glied in seiner Tonkette ein. So auch zuletzt auf der Alchemy-Tour mit Crazy Horse. Er ersetzt den "Baldwin" aber auch gelegentlich durch eine ebenso gewaltige "Magnatone"-Lautsprecherbox, wie etwa bei der Continental-Tour 2009. Dabei handelt es sich um eine Sonderausführung, die eigentlich für Messen und Ausstellungen in geringen Stückzahlen gebaut wurde, und so gar nicht im Handel war. Die mit zahlreichen Lautsprechern bestückte "Magnatone"-Monsterbox wird laut Larry Cragg dann meist von einem Mesa-Verstärker befeuert, in den das Signal aus dem Fender Deluxe und dem "Magnatone 280" mündet.

Soviel Aufwand und Power benötigt Neil Young als Rhythmus-Gitarrist in der Band seiner Frau Pegi allerdings nicht. Die "Survivors" spielen meist in kleinen Clubs, da reichen die 22 Röhren-Watt des nagelneuen "Magnatone Twilighters" allemal aus. Man darf gespannt sein, ob auch auch irgendwann der von Larry Cragg neu konstruierte "Magnatone Single V" auf Neil Youngs Bühne auftauchen wird.



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