Montag, 17. Juni 2013

Englische Woche #7: Neil Youngs Autos "Made in England"

Standard Ensign
In der siebten und letzten Folge der "englischen Woche" dreht sich alles um Neil Youngs größte Leidenschaft: Autos. Seine Ranch in Nordkalifornien ist bekanntlich voll mit gesammelten Wagen, vornehmlich aus amerikanischer Produktion. Aber es gab auch zwei britische Fahrzeuge, die eine gewisse Rolle in Neil Youngs Karriere spielte - und die gegensätzlicher kaum sein könnten.

Der erste Wagen aus Großbritannien war ein unscheinbarer Mittelklassewagen der "Standard Motor Company" aus dem englischen Coventry. Dort lief von 1957 bis 1963 der "Ensign" vom Band. Ein schlichtes Fahrzeug mit einem 1,6 Liter Motor, von dem insgesamt etwa 18.000 Exemplare gebaut wurden. Eines davon gehörte Neil Youngs Mutter Edna "Rassy" Ragland Young. Es war ein hellblaues Modell. Mit ihm fuhren Mutter und Sohn im Sommer 1961 nach der Scheidung der Youngs von Toronto in Neil Youngs neue Heimatstadt Winnipeg.

Dort begann wenig später Neil Youngs musikalischer Werdegang. Das Equipment seiner ersten Bands fuhr Neil Young damals im englischen Auto seiner Mutter zu den Gigs. Er hatte erhebliche Mühe, die Instrumente und Verstärker der "Squires" in dem kleinen "Ensign" unterzubringen. Auch mutete der strenge kanadische Winter Fahrer und Wagen einiges zu. Erst als sich Neil Young Ende 1964 einen geräumigen alten Buick Leichenwagen kaufte, wurde Mutters "englischer Tourbus" ausgemustert. [Weiter zu Wagen 2 ...]

Rolls Royce "Shooting Brake"
Der zweite britische Wagen Neil Youngs war das genaue Gegenteil des profanen "Standard Ensign". 1974 - also ziemlich genau 10 Jahre nach dem Car-Sharing mit Mutters englischem Auto - kaufte sich Neil Young den König der britischen Automobilproduktion: Einen Rolls Royce.

Es handelte sich um einen Rolls-Royce "Shooting Brake" aus dem Baujahr 1934. Den erstand er nach dem letzten Konzert mit CSNY am 14. September 1974 im Londoner Wembley Stadion. Verkäufer war der Autohändler "Antique Worlds" in Fulham, London. Weil der Gig in dem legendären Stadion das Geld für den noblen Einkauf lieferte, taufte Neil Young den Wagen auf den Namen "Wembley".

Die Modellbezeichnung "Shooting Brake" stammt noch aus der Zeit, als die englische Oberklasse mit Kutschen - und später Autos - ihre Jagdgesellschaften zum Schießen in den Wald fuhren. Sie waren geräumig genug, um ein paar Jäger mit Hunden und Gewehren zu transportieren. Der "Rolls-Royce Shooting Brake" hatte einen Aufbau aus Mahagoniholz, eine Hecktür sowie mehrere Sitzreihen und war so etwas wie ein Luxus-Kombi für den Landadel. 6 Zylinder mit mehr als 7 Liter Hubraum dürften zu einem Spritverbrauch geführt haben, den sich nur Großverdiener leisten konnten.

(c) Gijsbert Hanekroot/Redferns
Neil Young in "Wembley"
(Foto: Gijsbert Hanekroot/Redferns)
Dazu zählte Neil Young 1974 ganz sicher. Daher verwundert es nicht, dass er seine Neuerwerbung per Flugzeug von London nach Holland transportieren ließ. Von dort aus wollte er mit James Mazzeo, Joel Bernstein und David Cline eine Reise quer durch Europa nach Nordafrika unternehmen. Ziel war die Sahara Wüste. 

Schon in Amsterdam gab es aber erste Probleme und eine Reparatur. Von Holland aus ging die Reise dann ins benachbarte Belgien, wo der Rolls Royce in Brüssel defekt auf der Strecke blieb. Ein paar Tage quartierte sich das Quartett im Brüsseler Hilton Hotel ein. Ehe die Reise im "Shooting Brake" in die Sahara abgeblasen wurde. Neil Young kehrte in die USA zurück und nahm in Nashville sein unveröffentlicht gebliebenes Album "Homegrown" auf. 

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