Freitag, 25. November 2011

Letzter Walzer mit alten Bekannten

Am 25. November 1976 - am Thanksgivingday heute vor 35 Jahren - gab die kanadische Band "The Band" ihr legendäres Abschiedskonzert im Winterland, San Francisco. Neil Young war einer von zahlreichen prominenten Musikern, die in dem fünfstündigen Konzert mit auf der Bühne standen.

Zu vielen von ihnen hatte Neil Young eine ganz besondere Beziehung: Die Musiker von "The Band" kannte Young aus seiner kurzen und erfolglosen Periode in Toronto. Die Band um Robbie Robertson, den aus Toronto stammenden Gitarristen, hatte sich von Ronnie Hawkins getrennt, mit dem sie über viele Jahre unter den Namen "Ronnie Hawkins and Hawks" gespielten. In den Clubs in Torontos Stadtteil Yorkville wurden sie dann im Sommer 1965 von Bob Dylan entdeckt, der gerade vom akustischen Folk auf die E-Gitarre gewechselt hatte. Er engagierte "The Band" als Begleitung für seine Tourneen in den Jahren 1965 und 1966 und spielte mit ihnen auch die legendären "Basement Tapes" ein.

Neil Young dagegen war 1965 in Torontos Bohèmebezirk Yorkville gerade den umgekehrten Weg gegangen: Er wechselte von E-Gitarre auf akustischen Folk. Auch die Umbennung seiner damaligen Band "The Squires" in "Four To Go" hing mit Toronto und "The Band" zusammen. Die hatte nämlich nach der Trennung von Ronnie Hawkins und der zwischenzeitlichen UmbenenNung in "Levon Helm Sextet" unter dem Namen "The Canadian Squires" eine Single auf den Markt gebracht. Neil Youngs damaliger Manager Martin Onrott soll daraufhin den Namenswechsel zu "Four To Go" vorgeschlagen haben. Levon Helm, Schagzeuger von "The Band", spielte später auch auf Neil Youngs "On The Beach".

Bob Dylan, mit dem Neil Young seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden ist, hat Neil Young 1965 in Toronto nicht persönlich getroffen. Er übernahm aber einige von dessen Songs in sein Solo-Programm als Folksänger und spielte laut Biographie "Shakey" einen Streich, indem er mit verstellter Stimme Bob Dylans vermeintliches Erscheinen in einem von Torontos Coffeehouses telefonisch ankündigte.

"The Last Waltz"
Auch Joni Mitchell, die im "Last Waltz"-Konzert mit drei eigenen Songs vertreten war und die Neil Young bei zwei Song begleitete, war im "Schicksalsjahr 1965" in Torontos Musikszene unterwegs. Damals lernte sie Neil Youngs Song "Sugar Mountain" kennen, zu dem sie einen Antwortsong schrieb. Neil Young und Joni Mitchell liefen sich - ebenfalls 1965 - erstmals in Winnipeg über den Weg.

Stephen Stills, der ebenfalls am "Last Waltz" teilnahm, saß 1965 in New York und wartete dort auf Neil Young, den er im Frühjahr zuvor in Fort William getroffen hatte, als beide dort im "4D Coffehouse" spielten, und Stills von Youngs wilden Folk-Interpretationen beeindruckt war. Neil Young machte den Trip von Toronto nach New York aber erst Anfang November 1965 - traf dort dann aber nur noch auf Richie Furay. Stephen Stills war schon weiter nach San Francisco und Los Angeles, wo alle drei dann nur fünf Monate später "Buffalo Springfield gründeten.

"The Last Waltz" wurde von Regisseur Martin Scorsese verfilmt, das Konzert ist auf CD, DVD und zahlreichen Bootlegs erhältlich.


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