Donnerstag, 10. März 2011

Rust Never Sleeps: Rote Augen schreiben Bühnengeschichte

Und wieder mal ein Ranking: Die Redaktion des Online-Magazins bei gibson.com hat jetzt "die zehn spektakulärsten Bühnenrequisiten der Rockgeschichte" zusammengestellt. In diesem Top-10-Ranking findet sich auch Neil Young mit der „Rust Never Sleeps Tour“ von 1978 wieder.

Gibson.com führt vor allem die in Kutte und Kapuze gehüllten „RoadEyes“, die mit ihren rotglühenden Augen an die JAWAS aus den Star-Wars-Filmen erinnern, als Begründung an. Auf den übrigen neun Plätzen des Rankings finden sich teilweise tierische Bühnen-Acts von Alice Cooper (Schlange), ZZ Top (Texas Tiershow), Pink Floyd (Das fliegende Schwein), The Rolling Stones (Aufblasbarer Phallus) oder Mötley Crüe (Rotierendes Schlagzeug mit 360-Grad-Rolle).

Ob Neil Youngs Rust-Tour nun zu den größten Bühnenshows der Geschichte gehörte oder nicht, sei dahingestellt. Ein Highlight der langen Karriere des Kanadiers war sie aber allemal – nicht nur weil die mit fünf Wochen sehr kurze Tournee durch die 1979 erschienen Alben „Rust Never Sleeps“, „Live Rust“ und den Konzertfilm „Live Rust“ einen hohen Stellenwert im Gesamtwerk einnimmt. Es war auch seine erste komplett durchgestylte Bühnenshow.

Neil Young selbst hatte das Konzept mit den übergroßen Attrappen von Verstärkern, Koffern, Mikrophon und Stimmgabel, den geheimnisvollen „RoadEyes“ bis hin zu den eingespielten Woodstock-Durchsagen und den rot-blauen „Rust-O-Vision“-Brillen ausgearbeitet und seinem Manager präsentiert. Der hatte ihn dafür zunächst für völlig verrückt erklärt.

„Rust-O-Vision“-Brille
Neben den visuellen Effekten der Bühneshow war vor allem auch die Akustik der Shows bemerkenswert. Das elektrische Set mit "Crazy Horse" hatte eine so hohe Lautstärke, dass nicht nur Beschwerden aus dem Publikum kamen. In Los Angeles verließen die Gäste des VIP-Bereichs schon nach dem zweiten Song ihre Plätze.

Frank Sampedro berichtete auch über Probleme für die Musiker: Die Bandmitglieder seien durch die enorme Lautstarke akustisch regelrecht isoliert gewesen und hätten quasi allein vor sich hingespielt. Nicht umsonst tauchte im Show-Programm Produzent David Briggs als „Dr. Decibel“ verkleidet auf.

Auch in technischer Hinsicht ging die „Rust Never Sleeps Tour“ 1978 in die Rockgeschichte ein – als eine der ersten Shows, in der auf der Bühne drahtlose Übertragungssysteme benutzt wurden (von „Nady Systems“). Neil Young konnte damit ohne störendes Kabel singend und spielend über die Verstärkerattrappen klettern.

Das Album „Rust Never Sleeps“ erschien dann 1979 als Auswahl nachbearbeiteter Mitschnitte mehrer Shows dieser Tour. Nur zwei Stücke („Sail Away“ und „Pocahontas“) wurden als Studioversion hinzugefügt.

Das im selben Jahr herausgebrachte Album „Live Rust“ dagegen ist ein Mitschnitt eines einzigen Konzerts und zugleich der Soundtrack zum Film „Live Rust“, für den die Show am 22.10.1978 im Cow Palace in San Francisco, mitgefilmt wurde. Auf dem Album fehlen aber die Songs „Thrashers“ und „Welfare Mothers“ sowie ein Teil von „Cortez the Killer“. Grund: Mal wollte unter die 74-Minuten-Grenze kommen, die damals auf das noch neue Medium CD passten.

Neil Young brachte im Jahre 1979 somit gleich drei Live-Veröffentlichungen auf ein Mal auf den Markt. Die Rust-Tour dürfte damit nicht nur die mit den spektakulärsten Requisiten, der lautesten Akustik und die erste Drahtlos-Show Neil Youngs gewesen sein, sie ist kommerziell wohl auch am effektivsten verwertet worden. Teile der Bühnendeko mit den Riesen-Amps tauchten zwölf Jahre später noch einmal auf der 91er Tour und auf dem Cover der Alben "Weld" und "Arc" auf.

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