Samstag, 26. Februar 2011

Wenn der Präriewind über die Metaebene bläst - Neil Young in fremden Texten

Tribute-Konzerte, Coverversionen, Ehrungen – Neil Young hat inzwischen den gebührenden Verehrungsstatus eines 65-jährigen mit beinahe 50 Jahren erfolgreicher Bühnenpräsenz erreicht. Aber längst geht die Beschäftigung mit Werk und Person des Kanadiers über die übliche Verwertungskette der Branche hinaus. Neil Young findet sich auch in der Literatur wieder, inspiriert Mode oder ist Gegenstand zeitgenössischer Performancekunst. Längst bläst also der Prairiewind auch über die Metaebene.

Auch in der Musik selbst ist Youngs Werk über die bloße Funktion eines Steinbruchs für Coverversionen hinausgewachsen. Auch hier wird er inzwischen zitiert, gesampelt oder ist Gegenstand von Songtexten. Die Single „Old Man“ des Rappers Redlight King und der Song „Neil Young“ des Nashville-Songwriters Trent Dabb, beides gerade erst im Februar erschienen, sind die jüngsten Ergebnisse der Auseinandersetzung mit Neil Youngs Werk auf einer Metaebene.

Hier ist eine Auswahl von Songs und Alben, in denen Neil Young Gegenstand statt Coverlieferant ist:


„Second Helping“
Am bekanntesten ist zweifellos Lynyrd Skynyrds „Sweet Home Alabama“ vom Album „Second Helping“ aus dem Jahr 1974. Der Song bezieht sich auf Neil Youngs „Alabama“ vom Harvest-Album, aber auch auf den ebenfalls Südstaaten-kritischen Song „Southerman“ von „After the Gold Rush“. Die Interpretationen und Diskussionen des Verhältnisses von Neil Young zur Band Lynyrd Skynyrd füllen inzwischen fast eine eigene Metaebene. Dabei steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob beide nun einer oder geteilter Meinung über den Süden waren. Persönlich waren sie freundschaftlich verbunden. Der frühe Unfalltod eines Teils der Band wird diese Frage wohl letztlich für immer unbeantwortet lassen.

[…] “I miss Alabamy once again
And I think its a sin, yes
Well, I heard mister Young sing about her
Well, I heard ole Neil put her down
Well,I hope Neil Young will remember
A Southern man don't need him around anyhow” […]

“Time out of Mind“
Das Polarisierende an Neil Young ist auch Gegenstand in Bob Dylans Song “Highlands” auf dem 1997 erschienen Meisterwerk “Time out of Mind“ – übrigens produziert von Daniel Lanois, der 13 Jahre später auch Neil-Young „Le Noise“ produzieren sollte.

[…] "I’m listening to Neil Young,
I gotta turn up the sound
Someone’s always yelling turn it down
Feel like I’m drifting
Drifting from scene to scene
I’m wondering what in the devil could it all possibly mean?" […]

Wer genau da Bob Dylan in seinem grandiosem 16-minütigen Blues davon abhalten will, in ordentlicher Lautstärke Neil Young zu hören, bleibt unklar. Gottlob schafft es Bob Dylan augenscheinlich trotzdem, sich in Youngs Texten von Szene zu Szene treiben zu lassen, auch wenn ihm die Bedeutung oft unklar sei. Diese Vielschichtigkeit und das Unklare in Youngs Texten, hat Bob Dylan aber schon immer fasziniert und ihn schon früh zu einem Fan werden lassen. Seine Verehrung ging sogar soweit, dass er eines Tages im kanadischen Winnipeg vor dem Wohnhaus aus Neil Youngs Teenager-Zeit stand. Zur Verblüffung der heutigen Bewohner wollte er sogar Neils altes Jugendzimmer sehen.
“Coming of Age”
Aber nicht nur Bob Dylan hat Kanada, Neil Youngs Heimat, fasziniert. Auch der belgische Musiker und Singwriter Milow – mit bürgerlichem Namen Jonathan Vandenbroeck - hat dem Land und seinem Idol Neil Young einen Song gewidmet. „Canada“ ist auf dem Album “Coming of Age” zu finden, dass der Belgier 2008 veröffentlicht hat. Milow beschreibt darin, wie er davon träumt nach Kanada zu ziehen, Neil Young zu Hause zu besuchen, um ihm ein paar Songs vorzuspielen:

[…] “I'm gonna move to Canada
I'm gonna meet Neil Young
I just know we'll get along
Show up at his house
Convince him and his spouse
I'll pick up my guitar and play
A couple of my songs […]
Mister Young will be impressed And offer me a record deal And tell me to call him Neil” […]

Am Ende des Songs weicht der Traum dann aber doch der tristen belgischen Realität:

[…] “I still wanna move to Canada
But for now I'll just stay here
I think it's best for my career
When I get home from the office
Where I've worked all my life
I pick up my guitar and play
A couple of my old songs […]
And I think: Damm;
Neil Young would have loved these songs” […]

Interessant ist der Umstand, dass Neil Young wohl diesen Traum des Belgiers vor Jahren vorausgesehen hat: In „Ride My Llama“ auf Rust never sleeps“ sang er: „I met a man from Mars / he picked up all my guitars / and played me traveling songs / when we got on ship / he brought out something for the trip / said 'it’s old but it’s good' / like any other primitive would”. Also, Marsmenschen und Belgier kann man schon einmal verwechseln, wenn sie plötzlich vor der Tür stehen. Und der Reiseproviant war schlicht belgisches Bier – alt, aber gut! Wenn das nicht Metaebene ist …
"Down The Way“
2010 veröffentlichte das aus Australien stammende Folk-Pop-Duo Angus & Julia Stone sein Album "Down The Way“, das den Titel „Yellow Brick Road” enthält. Eine sehr langsame, melancholische Nummer über eine unglückliche Liebe in Kalifornien. Da passen Neil Young und sein „Heart of Gold“ natürlich gut rein. Wer den ganzen Text aufmerksam liest, findet auch noch Anspielungen auf „Down by the River“, „Beautifull Bluebird“ und andere Songs.

[…] "lost my mind
shot me down with a revolver,
got me high
then a heart of gold came on the stereo
Mr. Young made me cry
then all the colours of the rainbow
fell in my eyes" […]


„Southerner“
Mit zarten Anspielungen auf Songs von Neil Young begnügt sich Trent Dabbs, Songwriter aus Nashville nicht. In der US-Country-Metropole macht man Nägel mit Köpfen. Mit seinem im Februar 2011 erschienenen Album „Southerner“ geht er ganz offensiv vor: Sein Homage-Song heißt schlicht „Neil Young“ und dessen Text ist eine Collage aus Textfragmenten und Songtitel aus Youngs Gesamtwerk – direkter geht es nicht.

[…] “I want to be somebody’s Neil Young.” […]

Die zentrale Zeile in Dabbs Refrain macht deutlicht: Da will jemand in gewisse Fußstapfen treten. Sein Album ist übrigens gar nicht mal übel. Aber wessen Neil Young er damit letztlich wird, das muss wohl jeder auf seiner eigenen Metaebene selber entscheiden …









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